Donnerstag, 24. Mai 2018

Welshly Arms - No Place Is Home

(ms) Auf dieses Album haben viele Menschen lange gewartet. Zum Einen die groß gewordene Fanschar, zum Anderen Radiostationen, andere mediale Verwerter und nicht zuletzt die Band selbst. Welshly Arms bringen an diesem Freitag, den 25. Mai, ihr zweites Album mit dem Titel No Place Is Home heraus.
Großer Aufhänger war und ist die Übersingle Legendary, die in diesem Gewandt erstmals auf einem Langspieler erscheint. Vorher gab es unterschiedliche Versionen der Single, wir haben darüber berichtet. 24 Wochen stand der Song in den deutschen Charts, hat Goldstatus erlangt und sicherlich jedem bekannt. Eine Zeit lang gab es im Radio kaum ein Entrinnen. Dabei hat das Lied nicht einmal genervt, wie es bei großer Popmusik schnell mal der Fall sein kann. Und es ist große Popmusik mit Rock- und Bluesallüren. Spricht man, sprechen wir von Popmusik in Verbindung mit Radiospielzeiten, hat das meistens eine abschätzende Note, die sich zwischen die Zeilen schwingt. Doch große Popmusik ist absolut notwendig; im allerbesten Sinne! Man muss sich auch mal berieseln lassen. Das ist am Besten beim Radiohören möglich. Auch ich schalte dann immer einen Popsender ein; hier im Westen ist es WDR2: Infotrainment, Wetter, Stau, Fußball, was man halt im Alltag so braucht.
Genau für dieses Arrangement ist Welshly Arms eine schwungvolle Bereicherung. Sie ergänzen die Rockattitüde sehr geschickt um ein weiteres Element, das ihre Musik so schön leicht zugänglich macht. Die vier Herren haben nämlich zwei feste HintergrundsängerInnen, die Geschwister Bri und Jon Bryant. Sie geben den Liedern Swing, einen berechtigten Hang zum Gospel und viel, viel Energie.
All das sind gute Zutaten, um eine geniale Platte auf dem Markt zu werfen. Und das ist den Musikern aus Cleveland durchaus gelungen. No Place Is Home fährt mit 13 Liedern und einer Gesamtspielzeit von gut 50 Minuten auf.

Foto: Peter Larson
Der Beginn mit Saloon- und Westerncharakter ist schon mal stark: Rockabillygitarre und Gepfeife, als ob es gleich zwischen Babier und Poststation zum Duell kommt. All The Way Up ist ein stimmungsvoller Starter in die Platte, bei dem der Kopf ganz automatisch anfängt zu wippen. Sanctuary ist die eigentlich erste Single aus dem Album, startet mit sanftem Uhhh-Gesang und den festen Stimmen von Getz, Lindemann und Weaver. Die Stärke ist auch hier der großartige Hintergrundchorgesang, das macht schon Laune. So richtig Fahrt nimmt der Song irgendwie nicht auf, das muss er aber auch gar nicht, die einzelnen Elemente sprechen für sich. Die Musik ist echt catchy, es ist also kein Wunder, dass ihre einzelnen Lieder für Kinoteaser oder Serien genutzt werden. Große Rockgesten bekommen auch ihren Platz, zum Beispiel auf How High, das mit schön verzerrten Gitarren spielt und sicherlich zu den stärksten Liedern der Platte zählen darf. Wenn sie uns fragen würden, könnte das auch ausgekoppelt werden! Ruhig können sie auch, obwohl All For Us keine Ballade ist, tut der Track dem Gesamtwerk gut, da es der großen Energie und Power etwas Einhalt gebietet; man will ja nicht den Eindruck erwecken, es sei alles nur großes Popgeschäft, denn Down To The River geht genau dahin wieder zurück. Zunehmend macht der Mix aus gospelähnlichem Gesang im Hintergrund und den sauber ausgespielten Gitarren richtig Bock. Da hatte jemand einfach eine extrem gute Idee, das muss man neidlos anerkennen. Und nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir hier nochmals, dass Legendary ein wirklich toll arrangierter Song ist, all der Erfolg, den er eingeheimst hat, ist absolut gerechtfertigt. Mit den entspannten Akustikgitarren und dem sehr entspannten Sound bietet Wild zum Ende hin nochmals für gut gelungene Abwechslung.

Klar, einige Lieder (X, Hammer, Locked) erwecken schon den Eindruck, dass es sich um Füllmaterial handelt. Doch Welshly Arms sind bestimmt nicht mit dem Anspruch ins Rennen gegangen, dass sie mit jedem Song sich selbst übertreffen wollten, Die Vorschusslorbeeren mussten natürlich befriedigt werden und das tun die Clevelandler in jedem Fall recht erfolgreich. Es ist großer Pop, immer noch. Doch er macht von vorne bis hinten Spaß und das ist gut so.

In diesem Sommer kann man sich davon hier noch live überzeugen lassen:
20.08.18 Bochum, Zeltfestival Ruhr





Mittwoch, 23. Mai 2018

Live: Pfingstopenair in Essen

Foto: luserlounge
(ms) Es war eine Verkettung glücklicher und unglücklicher Umstände, dass sich am Montag eine gutgelaunte Horde auf den Weg nach Essen an die Ruhr begeben hat. Wie jedes Jahr wird dort ein großartiges Umsonst und Draußen veranstaltet: das Pfingstopenair. Bei dem gleichzeitig herrlichen Frühsommerwetter ließ man sich also nicht lumpen, nahm ein tolles Line-Up gerne auf und wuselte sich schon ab dem Hauptbahnhof durch ein großes Gewusel an Menschen. Denn am gleichen Tag haben auch RW Essen RW Oberhausen sich einen heißen Kampf um den Einzug in den DFB-Pokal für die kommende Spielzeit geliefert. Mit einem leckeren Stauder in der Hand pilgerten auch andere gut aussehende Musikfreude über den Campingplatz am Fluss direkt zum Festivalgelände.
Die letzten Lieder von Walking On Rivers haben wir noch mitbekommen, haben barfuß getanzt, eine wirklich gute Band gesehen und uns die Sonne aufs Haupt scheinen lassen: Perfekt!
Neben der großen gibt es von den ehrenamtlichen Organisatoren - die Stadt Essen - noch eine aufgebaute Electro-Bühne. Da haben wir nur zum Schluss ein Mal vorbeigeschaut und sahen uns darin bestätigt, dass dort unser Geschmack nicht bedient war.
Das war jedoch bei Gurr der Fall. Die Wahlberlinerinnen haben am Nachmittag die Besucher gut zum Tanzen gebracht und im Mai einen famosen Vorgeschmack gegeben, wie der Festivalsommer denn so aussehen könnte: Mit Freunden eine gute Zeit haben, musikalisch bestens unterhalten werden und das Leben genießen.
Foto: luserlounge
Das wurde ab 17 Uhr auf die Spitze getrieben, als Fatoni sich die Ehre gab. Unsere Leser wissen ja, dass wir leicht verrückt nach seinen Songs sind. Entsprechend wurde sich dann auch ausgetobt. Herr Schneider hat wieder mal bewiesen, dass der Moshpit nicht den härteren Gangarten zu eigen ist, sondern auch im Rap super funktioniert. Hits wie Gravitationswellen, Lassensiemichkünstlerichbindurch, Das alles ist Kunst, Authentizität oder Kann nicht reden, ich esse haben die Leute nicht still stehen gelassen.
Zum Abkühlen danach gab es (natürlich) freie Wasserstellen und dass die Essensversorgung aufgrund dessen, dass der Eintritt frei ist, nicht so üppig ausfällt (eine miese Falaffeltasche für 5€...), geht dann dennoch irgendwie klar.
Anschließend haben FJØRT zu dritt den Hardcore an dir Ruhr gebracht. Heidewitzka. Mir hat das sehr gefallen. Festivals sind dann halt auch dafür da, dass man sich endlich mal Bands ansehen kann, die bis dato eher an einem vorbeigerauscht sind. Insbesondere das brachiale Bass-Spiel wusste optisch und auditiv zu überzeugen.
Zugegebenermaßen haben wir uns danach bei Skinny Lister und Massendefekt etwas zurück gehalten. Erstere haben jedoch herausragende Stimmung verbreitet. Die Londoner wissen es, wie sie eine Menge in Ekstase versetzen können. Massendefekt haben uns trotz Headlinerstatus eher gelangweilt. Man kann nicht alles haben.
Nach einem letzten Bier an der Ruhr und dem gut funktionierenden Shuttle-Service sind wir dann müde, leicht angetrunken und glücklich wieder unserer Wege gegangen.
Das Pfingstopenair in Essen ist eine großartige Veranstaltung, die ein buntes Publikum anzieht uns sich am Montag sicherlich auch beim Wettergott bedanken darf.

Montag, 21. Mai 2018

Milliarden - Berlin

Bild: www.universal-music.de
(sb) Den Status des Geheimtipps haben Milliarden längst abgelegt, denn zu präsent waren Ben Hartmann und Johannes Aue in den letzten Jahren - sei es als Support der legendären Ton Steine Scherben, auf diversen Festivals (ja, auch auf den ganz großen!) oder auch im TV. Dennoch ist es nicht gerade so, dass die Berliner nun im Radio hoch und runter gespielt wird und das wird hoffentlich auch so bleiben, auch wenn die Band mit ihrem zweiten Album Berlin (VÖ: 01.06.2018 auf Universal) ein Werk raushaut, das abseits des Mainstream geradezu nach Aufmerksamkeit schreit und streckenweise zu begeistern weiß.

Man kann das Album durchaus als Liebeserklärung an Berlin verstehen - allerdings mit sehr viel Wehmut, denn Berlin befindet sich im Umbruch, die Verlierer des Lebens werden immer weiter in die Ecke der Gesellschaft gedrängt, Investoren betreten zunehmend die Bildfläche und reißen alles an sich. Schwierige Zeiten, die die beiden Musiker äußert gelungen in Worte und Melodien verpacken, ohne dabei zynisch oder verbittert zu wirken.

Ja, eine gewisse Wut ist mitunter rauszuhören, aber letztendlich sind es die Schicksale des Einzelnen, von denen Milliarden erzählen. Mal punkig (Rosemarie, Die Toten vom Rosenthaler Platz), mal ruhig (Gänsehautgarantie bei Ultraschall und Ich vermiss Dich!), aber immer authentisch und in einer Sprache, die durchaus gewählt rüberkommt und mit wunderbaren Metaphern glänzt, die aber gar nicht erst versucht, sich auf ein Podest zu hieven. Sehr angenehm und sympathisch.

Bild: www.berliner-zeitung.de
Letztendlich gefallen mir persönlich nur zwei Tracks nicht sonderlich (JaJaJa und Milliarden Milliarden), der Rest reißt mich aber auch nach mehrmaligen Anhören mit, sei es durch textliche Inhalte, ihre Intensität oder auch die Art und Weise, wie die beiden Musiker ihr Anliegen präsentieren. Leider hatte ich bislang nicht das Vergnügen, Milliarden live erleben zu dürfen, aber das kann sich ja ändern, denn Hartmann und Aue werden mit Berlin im Gepäck auf Tour gehen. Hier die Termine, die bislang fix sind:

31.05. Augsburg, Modular Festival
02.06. Nürburgring, Rock am Ring
03.06. Nürnberg, Rock im Park
09.06. Rottershausen, Ab geht die Lutzi
16.06. Gorden, Summer and Beats Open Air
29./30.06. Chemnitz, Kosmonaut Festival
13./14.07. Bersenbrück, Talge Open Air
21.07. Nordholz, Deichbrand Festival
28.07. Schrobenhausen, Noisehausen Festival
08.-12.08. Eschwege, Open Flair Festival
25.08. Magdeburg, Forest Jump Festival
26.09. Bremen, Schlachthof
27.09. Hamburg, Grünspan
28.09. Köln, Gebäude 9
29.09. Münster, Sputnikhalle
03.10. Frankfurt am Main, Batschkapp
04.10. Stuttgart, Wizemann
05.10. Zürich, Bogen F
06.10. Leipzig, Werk 2
11.10. München, Backstage Halle
12.10. Wien, Flex Café
13.10. Nürnberg, Nürnberg Pop Festival
18.10. Berlin, Astra
19.10. Dresden, Scheune
20.10. Magdeburg, Factory




Freitag, 18. Mai 2018

KW 20, 2018: Die luserlounge selektiert!

engagement-global.de
(ms) Diese Rubrik hat in ihrer Einleitung das Flair eines Newsletters ohne selber einer zu sein. Euch hier Geschichten aus dem Arbeits- oder Studierendenleben zu schildern ist langweilig. Das kennt oder kanntet ihr selbst oder werdet es halt noch kennenlernen. Da kommen zwischendurch ja Tage, an denen man leicht genervt, frustriert, angespannt und unkreativ ist. Dann nötigt man sich selbst noch dazu bei der Zusammenkunft zweier Hobbys - schreiben und Musik hören - wöchentlich das lesende Publikum zu unterhalten. Ich hätte nie gedacht, dass Entertainment im weitesten Sinne so eine irre Herausforderung ist. Für wissenswerte Anekdoten aus dem tiefen Musikbusiness sind wir da gar nicht genügend drin, um welche zu erzeugen. Politik und Wirtschaft sind hier nicht unser Metier und dass die AfD doof ist, wissen wir eh alle. Nun gut. Mit nichtssagenden Sätzen auf der Sinnsuche des Einleitungstextes kann man auch einen Einleitungstext schreiben. Aber nein, es ist kein Blindtext! Ab mit der Musik, sonst wird es schlimm hier, ganz schlimm...

Roo Panes
Ach, wie wunderbar dieses Lied anfängt. Diese schönen Hintergrundgeräusche, dann das Klavier, das sich anfangs gar nicht traut, er erklingen. Dann summt eine Stimme, sanft steigt die Gitarre an und dann wird weitergesummt. Gesang. Eine tolle, angenehm tiefe - nicht zu tiefe - Stimme. Unbemerkt stimmt der Bass ein, Hintergrundgesang, später Percussion. Das ist Singer/Songwriter-Folk, wie wir ihn mögen: melodisch und leicht geheimnisvoll. Das ist Roo Panes! Zwei Alben und drei EPs hat er schon veröffentlicht und nun kommt der nächste Streich. Der 29-Jährige Brite bringt am 20. Juli Quiet Man heraus. Der Vorbote My Sweet Refuge ist vielversprechend:



The Sigourney Weavers
Manchmal ist Gitarrenrockmusik genau das, was man braucht. Kompromisslos, energiegeladen, nach vorne treibend. Musik, zu der man gepflegt mindestens ein Bier trinken kann. Töne, die die schönen, warmen Sommertage, die uns jetzt gehäuft erreichen, bereichern. The Sigourney Weavers bringen Euch genau das. Ein toller Bass, eine feste Stimme, herrliche Gitarrenriffs. Demons ist der erste Vorgeschmack auf ihre neue EP Like Frequencies, die am 1. Juni bei Rookie Records erscheinen wird. Das Video ist schon mal ein Augenschmaus! Live wird das auch auf die Bühne gebracht bei folgenden Terminen, ein Besucht lohnt sicherlich:

09.06.18 Weyhe, Jugendhaus Trafo *
10.06.18 Hamburg, Astra Stube *
11.06.18 Karlsruhe, P8 *
12.06.18 Freiburg, White Rabbit *
13.06.18 Passau, Zauberberg *
14.06.18 Sankt Georgen, Fümreif *
15.06.18 München, Glockenbachwerkstatt
16.06.18 Rüsselsheim, School of Rock Festival
* mit Cadet Carter



Imprisoned
Ach, ihr wollt mehr Gitarren? Mehr Bass? Mehr Schlagzeug? Mehr Gebrüll? Ihr wollt musikalisch eins auf die Zwölf? Okay! Haben wir natürlich auch im Angebot mit Imprisoned aus Melbourne. Allein der Bandname klingt schon vertrauenswürdig und macht neugierig, wo die Musiker ihre letzten Jahre so verbracht haben. Klar, im Tonstudio! Nach ihrer LP Hard To Kill erscheint nun in ähnlich hartem Gewand die 7" Slave To Nothing. In diesem Genre der etwas aggressiveren Gangart bringt man so eine Veröffentlichung auch gern auf einem schwarz-goldenem Splattervinyl heraus. Finden wir irgendwie sympathisch. Erscheint am 22. Juni bei Isolation Records!



Oxy Music
Zuletzt müssen wir nochmal ein anderes Genre und einen alten Bekannten erwähnen. Torsun ist wieder da. Das überraschenderweise nicht mit Egotronic, sondern einer neuen Formation, die auf den Namen Oxy Music hört. Der Sound ist ein Mix aus der Art und Weise, wie er zu Beginn mit Egotronic gearbeitet hat: mit Samples. Dazu gesellen sich selbst eingespielte Gitarrenriffs und Beats und eine weitere Stimme am Mikrophon, Sina Synapse. Vier Songs sind schon online und weitere werden sich dazu gesellen. Es ist nicht so treibend wie in seiner Erstformation, nicht so hart. Die Themen sind altbekannt, aber immer wieder schön, sie vertont zu hören. Bitte sehr, bildet Euch eine Meinung:

Mittwoch, 16. Mai 2018

The Streets live in Brixton!

(sb) Hey luserlounge, Ihr faulen Säcke, Ihr wart doch kürzlich in London bei The Streets und habt großspurig angekündigt, dass Ihr was dazu schreibt! Was isn jetzt? Kommt da noch was? Erst geil machen und dann zurückziehen; hamma ja schon wieder gern, sowas! Gemach, gemach, alles wird gut. Für uns ist die Lounge ja auch nur ein Hobby und Familie, Arbeit, Uni und Urlaub gehen dann halt doch noch vor. Aber hey, jetzt ist es so weit: we proudly present unseren Bericht zum Besuch bei Mike Skinner. Oi.

Zunächst muss ich aber mal gaaaaaaaaaaaaaaanz weit ausholen, denn dieser Betriebsausflug auf die Insel war für die luserlounger ms und sb auch deswegen etwas ganz Besonderes, weil dort das tatsächlich erste persönliche Treffen der beiden stattfinden sollte - und das 13 Jahre, nachdem man sich im virtuellen Gästebuch auf der Homepage der damals noch sehr viel cooleren Sportfreunde Stiller kennenlernte. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie ms dann Jahre später auf die Lounge aufmerksam wurde, für die ich mittlerweile schrieb, aber es dauerte nicht lange, bis er ebenfalls Teil der Crew war und heute ist er nicht mehr wegzudenken und sorgt für einen Großteil des Contents. An dieser Stelle auch mal ein fettes Merci!

Gemeinsame musikalische Interessen waren schnell ausgemacht, die Liebe zum runden Leder sowie zum Hopfensmoothie wird ebenfalls geteilt und als dann letztes Jahr die Ankündigung erfolgte, The Streets würden Anfang 2018 einige Konzerte spielen, war klar: da müssen wir hin! Die Chance auf Karten war indes verschwindend gering, doch ms, der Wizard des F5-Drückens, hats tatsächlich durchgezogen und Tickets fürs erste der drei London-Konzerte, das wie alle anderen Auftritte der Tour innerhalb von 30 Minuten ausverkauft war, organisiert. Hammer! Vorfreude!

Die Monate vergingen, doch dann wurde es April und es konnte endlich losgehen. Wir reisten bereits einen Tag vor dem Konzert an, verbrachten den ersten Tag mit Einchecken, in diversen Pubs, mit einem entspannten Spaziergang an der Themse und abends beim Fußball im Old Spotted Dog Ground, dem ältesten Fußballplatz Londons, in dem seit 1888 gekickt wird. Einen recht viel größeren Kontrast zu den High-Tech-Arenen von Arsenal, Chelsea und West Ham kann es kaum geben, doch wir genossen das Match der 9.Liga (Hackney Wick FC - West Essex FC 1:2) umso mehr und wie oft ist man schon einer von nur sieben zahlenden Zuschauern?

Der Konzerttag wurde mit einem Besuch des Camden Lock Markets eingeläutet, es folgte ein Abstecher zur Camden Town Brewery und schließlich wurde die Berwick Street samt ihrer Plattenläden unsicher gemacht, ehe wir uns Richtung Brixton aufmachten. Nach einem Snack in einem jamaikanischen Restaurant begaben wir uns zur Academy, wo sich schön langsam die Schlange der Wartenden bildete. Wir waren aber zeitig dran, das Einlassprozedere war sehr unkompliziert und ehe wir uns versahen, waren wir drin. Und wow, was für eine geile Location! Das Ding ist zwar überdacht, mutet aber an wie ein antikes römisches oder griechisches Theater. Optisch sehr genial, vom Sound her jedoch miserabel. Bereits beim Support Act Jaykae wurde die Befürchtung genährt, dass die Soundanlage nicht im Geringsten das vermitteln würde können, was Mike Skinner und seine Musiker auf die Bühne bringen würden, es blieb aber die Hoffnung, dass alles bereits auf den Hauptact abgestimmt sein könnte. Zu Jaykae gibt es nicht so arg viel zu berichten: der Rapper aus Birmingham ist vor allem im Genre Grime zuhause, aus dem Studio klingt das auch gar ned so übel, aber live und unter diesen Umständen klang das einfach nur grausam und wir waren froh, dass sein Set nur gut 30 Minuten dauerte.

Tja, dann war Warten angesagt, die Umbaupause zog sich, die Halle füllte sich immer mehr und doch bleibt festzuhalten, dass man zu keiner Zeit das Gefühl hatte, eingequetscht zu sein. Ich sag mal so: in Deutschland hätte der ein oder andere Veranstalter noch mindestens 300 Karten mehr für die Arena verkauft. So aber konnte man relaxed der Dinge harren, die kommen sollten und dann wurde es finster in der Academy. Ein Musiker nach dem anderen betrat die Bühne und zum Schluss kam der Meister höchstpersönlich: Mike Skinner!

Sieben Jahre waren seit seiner letzten Tour und dem letzten Auftritt in London vergangen und die Rückkehr hätte nicht triumphaler ausfallen können. Vom ersten Ton an hatte Skinner die Massen in der Hand und die annähernd perfekte Songauswahl tat trotz nachwievor katastrophalem Sound ihr übriges. Die beiden ersten Alben Original Pirate Material und A Grand Don't Come For Free wurden von Mike und seiner kongenialen Band samt überragendem Backgroundsänger fast zur Gänze performed, dazu gesellten sich einige Songs aus den Nachfolgealben und mit Boys Will Be Boys, sogar einer der neuen Songs, die Skinner seit Ende 2017 in regelmäßigen Abständen auf den bekannten Streamingportalen hochgeladen hat.

Immer wieder bildeten sich quasi aus dem Nichts Moshpits, wurde die ohnehin geniale Stimmung nochmal gesteigert und lagen sich wildfremde Menschen freudetrunken in den Armen, wie man es eigentlich nur aus dem Fußballstadion kennt. Ich für meinen Teil war einfach nur glücklich, dass wir den Weg nach London auf uns genommen haben statt das Konzert in Berlin zu besuchen.

Als letzte Zugabe kam dann tatsächlich noch Fit But You Know It, das munter mit dem Arctic
Monkeys-Klassiker I Bet You Look Good On The Dancefloor gemashupt wurde und danach war Schluss. Durchgeschwitzt, klatschnass, glücklich.

Oida, da denkst Du, Du hast alles gesehen und dann steht plötzlich der beste deutsche Rapper der Welt vor Dir und ist einfach auch nur Fan. Fatoni, es war uns eine Ehre und ganz besondere Freude, Dich getroffen zu haben und wir freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen auf den heimischen Bühnen.

Wer The Streets demnächst live sehen möchte, der sollte sich ordentlich sputen, denn auch die Konzerte Anfang 2019 im UK sind bereits größtenteils ausverkauft, aber vielleicht habt Ihr ja Glück und ergattert noch eins der kostbaren Tickets.

UPDATE:
Heute wurden auch die Termine für den Europa-Part der Tour bekanntgegeben; der Vorverkauf beginnt am Freitag, den 18.05. und im Idealfall sollte man sich direkt an dem Tag um Tickets kümmern.

Bild: https://www.facebook.com/TheStreets


Bild: https://www.facebook.com/TheStreets






Dienstag, 15. Mai 2018

poolbar, Du Perle Vorarlbergs!

Bild: poolbar.at

(sb) 25 Jahre poolbar-Festival, ein Vierteljahrhundert Kultur, Musik und Zelebrierung der
Lebensfreude. Was einst klein als sommerliche Sommerakademie anfing, entwickelte sich über die Jahre zu dem zentralen Anlaufpunkt aller Musikliebhaber des wunderschönen österreichischen Bundeslandes Vorarlberg, das sich vom Bodensee (Bregenz) bis ins Silvretta und den Rätikon erstreckt. Klar, das Ländle ist Urlaubsregion - und zwar nicht nur zum Skifahren, sondern auch zum Radeln, Baden und Wandern bestens geeignet. Warum also sollte mal den längst fälligen Ausflug ins Vierländereck (Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein) nicht direkt mit dem Besuch beim poolbar in Feldkirch kombinieren, zumal die Initiatoren des Festivals auch diesmal wieder ein Line-Up vom Feinsten arrangiert haben, das sich spielend über Genregrenzen hinwegsetzt und sechs Wochen lang beste Unterhaltung garantiert.

Der international beliebte Event im Alten Hallenbad, das derzeit barrierefrei umgebaut wird, bietet über die komplette Laufzeit hinweg Kulturelles von Nischen bis Pop; das Programm reicht dabei von Konzerten renommierter Bands über Clubnächte bis hin zu Kino, Diskussionen oder dem familienfreundlichen Jazzfrühstück im Park. Die Stammlocation des Festivals, ein leer stehendes Hallenbad aus den 60er Jahren, platziert zwischen Altstadt und Waldrand, garantiert dafür ein außergewöhnliches Ambiente. Besonders angenehm fällt mir dabei seit Jahren auch das sehr freundliche Personal auf, das stets hilfsbereit mit Rat und Tat zur Stelle ist. Man merkt einfach, dass das Festival auch für die ehrenamtlichen Helfer eine Herzensangelegenheit ist, die man gerne unterstütz. Im Rahmen des poolbar-Generators, einem Labor für Festivalgestaltung, werden zudem jährlich künstlerische und gestalterische Konzepte neu entwickelt und umgesetzt.

Bild: montforthausfeldkirch.com
Dass sich namhafte österreichische und deutsche Künstler wie Bilderbuch, Wanda, Casper, Fiva, Olympique, Madsen, Texta und Kettcar hier in den vergangenen Jahren gegenseitig die Klinke in die Hand gedrückt haben, ist dabei fast schon klar, denn so ein entspanntes Ambiente und Miteinander wie in Feldkirch dürfte es im stressigen Musikbusiness wohl nicht allzu oft geben. Das hervorragende Ruf des Festivals hat sich jedoch bereits seit Jahren auch über den deutschsprachigen Raum hinaus ausgebreitet und so bietet das poolbar auch die Möglichkeit, internationale Stars im kleinen Rahmen zu erleben und ein ganz besonderes Konzerterlebnis zu genießen. Bad Religion, Calexico, Friska Viljor, Conor Oberst, die Pixies Maximo Park, Flogging Molly, William Fitzsimmons, My Bloody Valentine und Nada Surf – sie alle und noch viele mehr haben mittlerweile in Feldkirch gespielt und ihr Kommen sicherlich genauso wenig bereut wie die jährlich über 20.000 Besucher.

Highlights in diesem Jahr sind u.a. The Eels, die Antilopen Gang, Faber, Alice Merton und The Subways, aber das hängt - wie immer - natürlich vom Musikgeschmack jedes Einzlenen ab.

Bild: oeticket.com

Auch dieses Jahr wird wieder einiges geboten, eine Playlist der bestätigten Künstler findet Ihr bereits auf Spotify. Hier hier das vorläufige Line-Up, wobei die ein oder andere namhafte Ergänzung vermutlich noch folgen wird:

06.07.: The Subways + Igel vs. Shark
07.07.: Cassius
08.07.: TV-Poetry-Slam. Die 2. Tirol-Vorarlberg-Meisterschaften
10.07.: Alice Merton + Deap Vally + Dream Wife
13.07.: Goldroger + Scheibsta & Die Buben - Double-Headliner
16.07.: Eels + Bernhard Eder
16.07.: Stabat Mater, Musik-Performance-Installation, Gerald Futscher
17.07.: Ziggy Marley + Ski-Schuh-Tennis Orchestra
18.07.: Joan As Police Woman 
19.07.: Shout Out Louds + Please Madame
20.07.: 5K HD + Lex Audrey + Late Night-Headliner: Hayden James 
22.07.: Tagebuch Slam
25.07.: Fink + Bruno Major
26.07.: Antilopen Gang 
27.07.: Martin Kohlstedt
28.07.: Algiers
29.07.: White Lies
01.08.: Vintage Trouble
04.08.: Aliengesänge (Eintritt frei)
05.08.: The Brian Jonestown Massacre 
09.08.: Faber + Panda Lux
10.08.: The Wanton Bishops + Squared Timber
11.08.: Yungblud + The Crispies
12.08.: maschek
13.08.: Seasick Steve
14.08.: Beartooth

Festivalpässe, Punktekarten sowie Ticktets für die einzelnen Shows sind noch im Vorverkauf erhältlich: Knapp zwei Monate vor Festivalbeginn wurden im Vergleich zum Vorjahr bereits 20 Prozent mehr Tickets abgesetzt. Also: Haltet Euch ran und lasst Euch das poolbar 2018 nicht entgehen!


Hier noch ein paar Impressionen aus den vergangenen Jahren:






Freitag, 11. Mai 2018

KW 19, 2018: Die luserlounge selektiert!

Bild: https://www.pinterest.at
(ms/sb) Gestern war Christi Himmelfahrt. Da hatte Jesus einfach keinen Bock mehr auf den Stress auf Erden. Den letzten Zweifler, dass er tatsächlich auferstanden ist - ich glaube es war Thomas - hat er auch noch überzeugt. Also: Mission erfüllt. Wer dann ganz entspannt auf einer Wolke gen Himmel fahren kann, dem muss man aufgrund dieser Aktion schon Respekt zollen. Oder zumindest demjenigen, der die Idee für die Geschichte hatte.
Gestern war Vatertag. Klar, dem Eigenen wurde selbstredend gratuliert. Etliche andere, auch Nichtväter landeten sicher wieder volltrunken in den Gräben, Wiesen und Gärten der Republik. Am Sonntag ist dann Muttertag. Große Frage: Wie soll man die beiden Tage (heute und morgen) dazwischen am Besten gestalten? Kindertag? Wir sind auf Rückmeldungen gespannt.
Hier die passenden, neuen Soundtracks für diese Feiertage und sonst sowieso:

Kontra K
Rap ist groß und Kontra K spielt mit. Der Berliner Musiker bringt heute sein neues Album Erde & Knochen über die Bertelsmann Music Group raus (auch die Plattenfirma von Kollegah, man soll es einfach nur noch mal erwähnen). Hunger ist die erste Single aus dem Werk. Gedreht hat er das Video in mitten von von Gangs beherrschten Straßen in Los Angeles. Es klingt nach einem skurrilen Mix aus Xavier Naidoo, Culcha Candela, Marteria und Curse. Da das aber einen vernichtenden Beigeschmack hat, sollte man es mindestens ein Mal anhören, denn er geht im Sommer auf die Bühnen mit seinem neuen Material. Außerdem ist er mittlerweile Moderator fürs Boxen bei Sport1, nebenbei trainiert er talentierte Jugendliche in Berlin. Why not?!

18.05. Pouch, Sputnik Spring Break
15.06. Trier, Porta Hoch 3
19.07. Cuxhaven, Deichbrand
26.07. Singen, Hohentwielfestival
27.07. Freiburg ZMF
08.07. Dortmund, Juicy Beats
17.08. Aschaffenburg, Afrika Karibik Festival
18.08. Großpösna, Highfield
31.08. Berlin, Deutsch Poeten
13.09. Köln, Tanzbrunnen



Bar
Der Bandname klingt ja schon mal recht vielversprechend, oder? Einst waren die vier Musiker als Liquid Laughter Lounge Quartet unterwegs, heute reichen drei Buchstaben, um dem geneigten Hörer den ersten Hinweis darauf zu geben, was einen erwartet. Normalerweise läuft es ja so: Wenn wir von Rookie Records bemustert werden, können wir davon ausgehen, gleich eine ordentliche Portion Rock, Punk oder Ska auf die Ohren zu bekommen. Diesmal jedoch überspringt das Label diese Genre-Grenzen und Bar entführen uns mit ihrer Musik in eine rauchgeschwängerte Thekenatmosphäre, in der das gesprochene Wort deutlich prominenter vertreten ist als der herkömmliche Gesang. Dennoch - oder gerade deswegen - ist ihr Zweitwerk Keep Smiling, das heute veröffentlicht wird - nichts für nebenher, sondern erfordert nicht zuletzt aufgrund der bemerkenswerten Texte die Aufmerksamkeit des Hörers. Nehmt Euch die Zeit für acht ungewöhnliche, mitunter recht schwermütige, aber doch stets abwechslungsreiche Tracks und Ihr werdet nicht enttäuscht werden.


Simon Love
Der Wolf im Schafspelz! Musikalisch kommt Simon Love luftig-leicht und unschuldig daher, die Melodien gehen unverschämt einfach ins Ohr und nicht wieder raus und textlich wirft der Brite dann mit "dicks" und "fucks" um sich. Diese Diskrepanz gefällt mir außerordentlich gut und Herr Love befasst sich auf seinem zweiten Album Sincerely, S. Love x (Release: 06.07.2018, Tapete Records) nicht nur mit seinem Lieblingsthema (bei dem Name recht offensichtlich, oder?), sondern auch mit hässlichen Tattoos, Tennis und Joey Ramone.
Zum Abschluss soll der Meister selbst zu Wort kommen: "Please buy the album. My son eats like a horse and he needs new shoes." Ihr wisst, was zu tun ist.



Dead Sara
Rock. Rock. Rock.
Das Genre hat so viele Subspielarten, dass einzelne verschachtelte Zuordnungen kaum noch wirklich zu deuten sind. Doch Rockmusik im klassischen, essentiellen Sinn heißt in erster Linie starke Gitarren, wildes Schlagzeug, energetischer Gesang. Und das sind Dead Sara. Sie verkörpern die Definition von Rock. Mit ihrem Gesang erinnern sie an eine härtere Gangart von Garbage. Unamerican ist die erste Auskopplung aus der EP Temporary Things Taking Up Space, die am 8. Juni über Atlantic/Warner erscheinen wird. Zudem ist es eine unumwundene Ansage ans Weiße Haus! Finden wir erst einmal ziemlich gut!




Arctic Monkeys
Eigentlich hätte das neue Album der Herren aus Sheffield ja der große Aufhänger der Woche in der luserlounge werden sollen, aber entgegen der Erwartungen kam die Promo erst gestern, heute wird Tranquility Base Hotel & Casino bereits veröffentlicht und Ihr könnt Euch das gute Stück ohnehin auf allen gängigen Streaming-Portalen anhören. Sicherheit hin oder her - ein ausführlicher Artikel zu den Arctic Monkeys macht unter diesen Umständen leider relativ wenig Sinn für uns.
Was aber hat das Album zu bieten? Auffällig ist in erster Linie, dass die elf Songs über weite Strecken ziemlich relaxed daherkommen, das Rockerleben der Herrschaften um Alex Turner nimmt also scheinbar gerade eine Auszeit. Ob diese musikalische Wandlung nun zwingend positiv einzustufen ist, mag jeder selbst für sich entscheiden, ich (sb) persönlich bin nach den ersten beiden Durchläufen des Albums eher enttäuscht. Versteht mich nicht falsch: schlecht ist das sicher nicht, erfüllt aber keineswegs meine Erwartungen und Hoffnungen und hinkt meines Erachtens Galaxien hinter dem Vorgänger AM hinterher. Es fehlen die herausragenden Tracks á la R U Mine? und Why'd You Only Call Me When You're High? und über die gesamte Laufzeit hinweg erscheint Tranquility Base Hotel & Casino leider etwas eintönig. Schade, schade, denn die Band kann so verdammt viel mehr...


Bild: https://www.facebook.com/ArcticMonkeys/