Samstag, 21. April 2018

Staring Girl - In einem Bild

Foto: Conny Truman
(ms) Robert Weitkamp, Frenzy Suhr, Jens Fricke, Steffen Nibbe, Gunnar Ennen.
Diese fünf Herren sind die Band Staring Girl.
Die Band Staring Girl hat diesen Freitag (20. April) ihr zweites Album mit dem Namen In einem Bild auf Kombüse Schallerzeugnisse, dem Label der Hamburger Küchensessions, veröffentlicht.
Und die Band Staring Girl hat alles richtig gemacht, ihr Album dieses Jahr im sonnigen Frühling zu veröffentlichen. Denn (weil Kettcar halt letztes Jahr zu überzeugen wussten) somit haben sie extrem gute Chancen, mit In einem Bild das deutschsprachige Gitarrenpop-Album des Jahres heraus zu bringen!
Vor sechs Jahren kam ihr Erstling ans Tageslicht. Seitdem hat sich viel getan bei den Hamburgern, unter anderem hat sich die Besetzung der Band erheblich geändert. Drei Neue sind dabei, die vorher in der Band von Gisbert zu Knyphausen musizierten.
In ähnlichem Klanggewand befinden sich auch die zwölf ausgefeilten neuen Lieder.

Es beginnt wunderbar weich mit Stolpern Taumeln und Laufen und die ersten überzeugenden Takte dieses Albums klingen aus den Boxen: "Die Sonne hoch oben, der Himmel weit, wir laufen auf der Straße." Es wird schnell klar, dass das Songwriting sehr klug und umsichtig ist. Die Schwierigkeit besteht nämlich darin, dem Hörer ein Gefühl von Nähe und Verstandenwerden zu vermitteln auch wenn dieser mit der Handlung des jeweiligen Liedes gar nichts zu tun hat. Das schaffen Bands wie Element of Crime oder ClickClickDecker und zu Recht mit gutem Ruf. Ach, Hamburg, wo zauberst du diese vielen tollen Menschen mit den guten Ideen her?
Spielerischer Bass und Lieder ohne wirklichen Refrain (Vor meiner Tür) behandeln Themen wie Zuhausesein und wegziehen. Es geht unaufgeregt und mit klarem Kopf vorwärts. "Wir leben vorwärts, verstehen rückwärts." Das sind Zeilen, die im wunderbaren Neologismus Matratzenladenneonröhrenlicht verpackt sind. Selten in letzter Zeit so gute getextete Lieder gehört, die das Gefühlsleben und den Alltag so genau und wissend beschreiben und dann in Musik verpacken. Man kommt aus dem lobenden Schwärmen gar nicht mehr heraus.
Diebe Halunken und Leute (warum dieser und der erste Song ohne Komma geschrieben werden, bleibt deren Geheimnis) ist die erste Singleauskopplung des Albums und funktioniert astrein in Verbindung mit dem Video, das eine obdachlose Frau in Hamburg porträtiert: Ansehen und -hören (s.u.) ist Pflicht!

So läuft das Album vorwärts, Steffen Nibbes Stimme klingt rasch so wunderbar vertraut, als ob ein alter guter Bekannter, den man lange nicht gesehen hat, Weisheiten aus einem Leben erzählt, das viel durchgemacht, daraus gelernt hat und in sich ruht. Da ist kein Kitsch, angenehm wenig Pathos und viel Wahrheit.
In einem Bild ist ein wahnsinnig überzeugendes Album, das in diesem Jahr nun seinesgleichen suchen wird. Dieses Vorhaben wird schwer werden, denn Knyphausen hat auch im letzten Herbst veröffentlicht und ad hoc ist da erstmal niemand, der ihnen das Wasser reichen kann.
Daher sollte man sich das ganze auch live antun, ein leckeres Kaltgetränk währenddessen zu sich nehmen und dann ganz weit und tief in die Texte eintauchen. Hier bestehen die kommenden Gelegenheiten:

20.04.18 Hannover - Café Glocksee
01.06.18 Hamburg - Hamburger Küchensessions gehen raus
15.06.18 Whatever Happens Festival
01.09.18 Dresden - The Sound of Bronkow Music Festival



Freitag, 20. April 2018

KW 16, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: 16winsaring.com
(ms/sb) "Wenn es warm ist, machen die Deutsche ein Feuer an." Diesen guten und wahren Satz hat vor Jahren meines Wissens nach mal Dieter Nuhr gesagt. Nun kann man von ihm halten, was man will, der Satz bleibt stark. Denn in der ganzen Republik wird wieder zentnerweise totes Fleisch auf den Grill geschmissen wie nicht gescheit und am besten noch am See um das glühende Dreibein herumgetanzt.
Da lobe ich mir ja einige Supermärkte, die gekühlte Feierabend-Sixpacks im Angebot haben, so macht ein lauer Abend im Park, am See, im Garten oder irgendwo anders draußen doppelt viel Freude. Und welches ist eigentlich der passende Soundtrack, wenn man die warmen Sonnenstrahlen im Freien genießen möchte? Wer Tipps und Anregungen hat, kann uns gerne in Kenntnis setzen. Wir versuchen das dann in die Tat umzusetzen. Ihr könnt unterdessen gerne hier reinhören, Neues ist ja immer herzlich willkommen!

Black Heino
Bei dem Namen kann man gar nicht anders als aufmerksam zu werden. Black Heino. Wer sich das ausgedacht hat, muss ein wahres Genie sein. Allerhöchstens Voodoo Jürgens kommt an solch einen Einfall noch heran! Wie soll man den Sound der vier Berliner am besten beschreiben? Keine Ahnung, hört es euch an und werdet überzeugt. Am 25. Mai erscheint auf Tapete Records ihre neue EP mit vier neuen Tracks und dem einfallsreichen Titel Fear Of A Black Heino. Spürt ihr die angsterfüllte Gänsehaut...? Genau!




Ghost
Ach, man kann ja von dem schwedischen Masten-Projekt halten was man will, in erster Linie ist es große Unterhaltung mit ordentlich Wumms. Mit der letzten EP Popestar haben sie sich zunehmend in Richtung 80er-Jahre-Hardrock entwickelt. Tobias Forge und seine namenlosen Mitstreiter nehmen sich zusehends nicht ernst und liefern dennoch ordentlich ab. Das warten auf einen neuen Longplayer hat nun ein Ende: Prequelle erscheint am 1. Juni und bringt zehn neue Songs mit sich. Rats ist die erste Singleauskopplung, spart nicht mit Ohh-Ohh-Gesängen und der neue Frontsänger Cardinal Copia zeigt, dass er ein geborener Tänzer à la Michael Jackson ist. Bringen sie den Hardrock wieder auf die großen Bühnen?! Wir bleiben dran!




Audiolith
Seit wann kündigen wir hier denn ein ganzes Label an? Na, wenn es Geburtstag hat und auch anständig feiert. Audiolith begleitet uns schon seit vielen Jahren und brachte uns fulminante Bands wie Frittenbude, Egotronic, Neonschwarz, Waving The Guns oder Feine Sahne Fischfilet. Große Erinnerungsmomente fallen auch auf die begrabenen Bratze. Hach...
Am 1. Juni wird im Schanzenzelt in Hamburg aufgelegt. Unter dem Motto Fuck The Pullis werden Neonschwarz, Milli Dance & Pöbel MC, Haszcara und DiscoCtrl. Man kann davon ausgehen, dass Lars Lewerenz und Co. sich noch einige Überraschungen ausgedacht haben. Alle hin da!



And The Hurley Sea
Wir sind beim Thema "Entspannte Musik mit schönen Menschen hören". Dazu gehört ab jetzt definitiv Shiver der Berliner Band And The Hurley Sea. Das Trio ist seit Ewigkeiten miteinander befreundet. Jetzt stellt sich die Frage: Kann man das hören? Wir sagen einfach mal: Ja, definitiv. Denn so etwas wie Harmonie, Vertrautheit und gute Abstimmung lässt sich durchaus vertonen und das ist den dreien extrem gut gelungen. Drummer Steffen Wilmking kennt man außerdem als Produzent (Casper) und Mischer von den Donots und Trommler der H-Blockx. And The Hurley Sea stimmen ruhigere, aber extrem schöne, sehr ausgewogene Töne an. Am 1. Juni erscheint das Album The Unknown Arriving.





The Esprits
WAS! EIN! FUCKING! BRETT! Aus der niedersächsischen Provinz (mit Verlaub!) beehren uns The Esprits und hauen mit Men's Business (VÖ: 18.05.) ein Album raus, das gar nicht weiß, wohin mit all der Energie. Sehr. sehr stark - und als Album noch viel eindrücklicher und intensiver, als wenn man sich hie und da mal einen einzelnen Track anhört. Und wenns aus der Autobahn mal ein bisschen schneller gehen darf: hier ist der Soundtrack dazu!




Egokills
Ebenfalls am 18.05. erscheint Mellowhead, das neue Album der finnischen Band Egokills. Als "Hippie Metal" bezeichnen sie selber ihren Stil und das triffts ganz gut. Ich komme ums Verrecken nicht drauf, an wen mich die Stimme von Sänger Janne Selo erinnert, aber sie weckt positive Erinnerungen an die Zeit, als meine Musiksammlung noch deutlich mehr Metal als heute beinhaltete. Vermutlich ist das nicht die passende Musik für jede Tag- und Nachtzeit, gut gemacht ist sie allerdings schon: die Riffs haben einen ordentlichen Groove, die Melodien gehen ins Ohr und live verspricht das Ganze viel Spaß.



Donnerstag, 19. April 2018

St. Michael Front - End Of Ahriman

Foto: Anke Schmidt
(ms) Diesen Freitag erscheint ein Album mit dem Namen End Of Ahriman auf dem wunderbaren Label Staatsakt. Die dazugehörige Band nennt sich St. Michael Front und tut höchst mysteriös. Denn wer die beiden genau sind, ist nicht ganz klar und tut auch irgendwie nicht viel zur Sache. Tiefblickender ist ihre Inszenierung mit Band- und Albumname und der damit einhergehenden Beschäftigung mit religiös-spirituellen Dingen. Denn zwei Fragen müssen unter allen Umständen geklärt werden, bevor sich mit der Platte als musikalischem Werk gewidmet werden kann. 1.) Was ist Ahriman? 2.) Wer ist der Heilige Michael? Und dann kann man möglicherweise eine dritte Frage hinterher schieben: Was soll der ganze Quatsch?
1.) Ahriman ist entweder ein Zustand oder ein irgendwie geartetes Geistwesen. Der Begriff taucht sowohl im Zarathustrismus als auch in Rudolph Steinars Anthroposophie auf. An die Lehren von Zarathustra glauben heute laut Onlinelexikon noch gut 150.000 Menschen weltweit. Für die Waldorfschulen Steinars gibt es viele gute Gründe, seine sonstigen Ansichten seien mal dahin gestellt. Ahriman ist bei beiden etwa das Ende der zerstörerischen Kräfte. Dafür ist
2.) der Heilige Michael verantwortlich, der in christlicher, jüdischer und muslimischer Tradition den Teufel niederringt. Im Neuen Testament kann man das in der Offenbarung nachlesen. Wer sich damit allerdings auskennt, weiß, dass es sich dabei um einen sehr verwirrten und höchstgradig eigenwilligen Text handelt, der nur schwer wörtlich zu nehmen ist und wohl auch nicht Johannes zuzuschreiben ist. Da war wohl ein Trittbrettfahrer unterwegs.

Klar, das klingt jetzt mysteriös und daher irgendwie reizvoll. Das Duo hat hinter diesem Themenvorhang zwölf Lieder zusammengestellt, die sich allesamt mit Michaels Sieg und dem Ende des Zerstörerischen befassen. In Zeiten von hoher Beweglichkeit im internationalen politischen Milieu ein willkommener Gruß und ein kreativer Einfall.
Und wie klingt das ganze? Die Assoziation zur Apokalypse oder dem Sieg über das Böse kann man häufig im Metal oder Gospel finden. Nein, beides ist hier nicht der Fall. Eher harmlos aber durchaus zuversichtlich ist ihre sphärische Gitarrenpopmusik. Direkt zu Beginn (Lucky Prince) setzen Bläser, Akustikgitarre, Schlagzeug, zupfende Geigen und hymnischer Gesang ein. Was sind die Referenzen? Ein seltsamer Mix aus Get Well Soon, Depeche Mode, George Michael und den ruhigen Metallica vielleicht? Wer weiß...?!
Der Charakter des Endzeit-Projektes macht sich hauptsächlich in den Texten bemerkbar statt in der Instrumentalisierung, auch wenn Synthies, Pauken und Glocken in Rifles And New Gods an kirchlichen Klang erinnern mögen, doch die Dramatik fehlt noch etwas. Klarer werden die Konturen auf Doom Of Your Living Room, wo Trompeten und Snares einen Marsch einleiten, der zwar düster aber wenig bedrohlich klingt. Michael lässt grüßen. Spätestens bei Once kann man auf die Idee kommen, dass die St. Michael Front den Soundtrack zu einem nicht existierenden Film geschrieben hat. So gesehen ist es halt phasenweise kongenial, auch wenn der Sound insgesamt wenig Abwechslung bietet. Das ändert sich zum Ende hin mit Higher Source zum Glück. Bis dahin wabert das Album ein wenig vor sich her. Denn plötzlich hört man einen 80s-Revival-Klang, mit dem unter anderem Drangsal in jüngster Vergangenheit schon für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. damit hat man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zwingend gerechnet und kommt erfreulich daher, um für die letzten beiden Lieder etwas einzudösen.

Irgendwie war bei diesen pompösen, mysteriösen und in ihrer Gesamtheit vielversprechenden Ankündigungen mehr zu erwarten. Insbesondere deshalb, da sie bei Staatsakt unter Vertrag stehen, die ja sonst hochinteressante Bands und Projekte wie Bonaparte, Die Sterne, Fraktus, Klez.e, PeterLicht, Lambert oder Albrecht Schrader im Angebot haben.
Eventuell kommt der Kampf Gut gegen Böse ja live beeindruckender rüber, ansonsten verbleibt nach mehrmaligem Hören eher Schall und Rauch.

24.05.18 Köln - Blue Shell
25.05.18 Berlin - Acud
26.05.18 Hamburg - Molotow Sky Bar





Mittwoch, 18. April 2018

Clara Luzia - When I Take Your Hand

Foto: Christoph Liebentritt
(ms) Die österreichische Popkultur wird seit Jahren von zwei großen Namen dominiert, die wir halt auch sehr mögen: Wanda und Bilderbuch. Selbst geniale Künstler wie Voodoo Jürgens oder Der Nino aus Wien haben es bei den beiden Platzhirschen schwer, insbesondere in Deutschland bekannter zu werden. Auf längere Zeit vorher haben das bislang Naked Lunch geschafft, wenn man den Bereich Indie betrachtet.
Da muss man eigentlich gar nicht Clara Luzia fragen, wie sie sich fühlt zwischen diesen ganzen Bands. Doch ihr Erfolg ist dennoch bemerkenswert. Zu ihrem neuen Album When I Take Your Hand, das kommende Woche Freitag (27. April) erscheint liefen ausgekoppelte Songs bereits zwischen Polen und Spanien im Radio. Und wie man das heutzutage macht, veröffentlicht sie auch auf dem eigenen Label Asinella Records.

Da wir vom Vorgänger Here's To Nemesis schon enorm angetan waren, kam die Info zum neuen Album genau richtig! Nur neun Songs sind drauf. Dem entsprechend kurz aber auch angenehm kurzweilig sind die Lieder ausgefallen und bewegen sich zwischen temporeichem Gitarrensound und angenehmer Melancholie.
Der Opener On The Street geht stark los mit schönen, schrammeligen Gitarren, treibendem Bass und dem guten Einfall, statt zu Beginn gesanglich direkt alles zu geben, eher zu sprechen. Nach kurzem Überlegen fällt auf, dass es im Stil grobe Ähnlichkeiten zu Nada Surfs Popular gibt. Warum nicht mal einen großen Vergleich ziehen, es ist ein wirklich starkes Lied! Genau so rockig und gewollt unperfekt im Sound geht es weiter. Klanglich wird der Bogen zum feinen Vorgänger gezogen. Mit Mikrophonen kenne ich mich nicht aus, aber Bold Move klingt nach herrlichem 80/90s Retrosound - retro hier im besten Sinne verstanden. Der Stil fernab vom Glattproduzierten erfreut richtig.
Nach gitarrenlastigen Startern geht es mit Running Out etwas ruhiger zu. Die Zeile "Don't You See That Time Is Running Out" passt zur melancholisch-andächtigen Atmosphäre. The Story Of You And Me ist ist ein Bekenner- und Liebeslied an ihre Frau und Schlagzeugerin Catharina. Die nachdenkliche, aber irgendwie mit einem leichten hoffnungsvollen Schimmer ausgestattete Stimmung wird dadurch offensichtlich, dass ausschließlich Gitarre und etwas sphärisches wie Cello zu hören sind: Schön! Mit When The Streets nimmt das Album auch wieder Tempo auf. Das heißt jedoch nicht, dass es bis hier her langweilig gewesen ist. Die Bandbreite an Klang ist ein toller Beweis für ein extrem gut beherrschtes Handwerk! Mood Swing ist noch so ein richtig großer Hinhörer, der anschließend von Survival getoppt wird: ein dunkler, klarer Bass und die sprechende Stimme vom Anfang ist wieder da, die sich im Refrain rauf und runter windet. Dieser Song ist so brilliant komponiert, dass er locker das Herzstück des neuen Albums von Clara Luzia ist.

Enden tut das Album mit einem weiteren Einblick in ihr Seelenleben. Auf I Remember You verarbeitet sie den Tod ihrer Urgroßmutter. Aber als Österreicherin hat sie die Ader zum Morbiden sicher in die Wiege gelegt bekommen.
Mit sanften Tönen klingt das Album aus. War es doch zu kurz?
Nein, auf keinen Fall! Wer mehr von ihr haben will, kann sich ja einfach ihre vorherigen Alben und EPs anhören. Ein einfaches Mittel. Für Fans und die, die bei der Österreicherin reinhören wollen, ist When I Take Your Hand eine extrem gute Wahl und sei hiermit ans Herz gelegt.

Passend dazu geht es kommende Woche auf Tour:

28.04. - München, Feierwerk
29.04. - Dresden, Ostpol
30.04. - Leipzig, naTo
01.05. - Hamburg, Kukuun
02.05. - Berlin, Kantine Berghain
04.05. - Nürnberg, MUZclub
05.05. - Traunstein, Café Festung
09.05. - Innsbruck, Treibhaus
10.05. - Graz, Orpheum
11.05. - Salzburg, Arge
12.05. - Linz, Posthof
23.05. - Wien, Arena
09.06. - Mürzzuschlag, Kulturhaus
26.10. - Vöcklabruck, OKH



Freitag, 13. April 2018

KW 15, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: cmo.com
(ms) Tja, wie lebt es sich in Münster nach dem Zwischenfall am letzten Samstag?
Eigentlich wie sonst auch, wenn man nicht in unmittelbarer Nähe zum Tatort wohnt. Das Wetter am letzten Wochenende war hervorragend und zum Sonntagabend hin waren die saftig grünen Wiesen um den Aasee reich bevölkert zum Grillen und Biergenuss.
Na klar, es ist zurecht Gesprächsthema und es gab wohl auch viele Schaulustige, die vor Ort gegafft haben. Doch was wollten sie sehen? Einen Blumenkranz und Kerzen? Das war immerhin das einzige, was zu sehen war. Die beiden Gaststätten haben wieder geöffnet, die Außenbereiche sind weiter gesperrt. Der Täter war anscheinend und leider so verzweifelt und verwirrt, dass er sich anders nicht zu helfen wusste. Das ist tragisch und furchtbar.
Die Stadt lässt sich nicht davon beeindrucken. Das Leben geht genauso frühlingshaft weiter, wie das Wetter es erfordert. Dafür haben wir auch noch den ein oder anderen Track!

Jordan Prince
Von New Orleans nach München. Das ist der Weg von Jordan Prince. Kann man machen. Und leichtfertig kann man behaupten, dass das mal wieder ein feiner Folkgitarrenkünstler ist. Doch wer sein erstes Album 12 Songs for 12 Friends nennt, hat was zu erzählen. Zuhören sollte man ihm. Was er uns sagen will ist ganz einfach und doch so wichtig: Der immens große Wert von Freundschaft. Manchmal wird es traurig-melancholisch, doch stimmlich hat er viel zu bieten. Am 25. Mai erscheint das Album. Hier gibt's mit Stars einen ersten Vorgeschmack:

28. April - Stade, Hanse Song Festival
31. Mai - München, Milla
30. Juni - Ebersberg, Straßenfestival Poing



Lässing
Irgendwas stimmt hier nicht, oder?
Genau, es fehlt noch ein richtig gutes Rockbrett. Dafür sind in dieser Ausgabe Lässing verantwortlich. Das Trio kommt aus Landshut und haben Schmackes dabei! In ihrem Sound vereinen sie die besten Seiten der frühen Madsen, sodass es nicht verwunderlich ist, dass sie von den guten Montreal gefragt wurden, ob sie mit auf Tour kommen wollen. Irgendwas ist los mit uns kann man nun hören und ist hoffentlich der feine Vorgeschmack auf ein Debutalbum, das sich gewaschen hat. Wir überzeugen uns dann beim Open Flair davon!

19.04. Frankfurt - Nachtleben (Support von Montreal)
20.04. Saarbrücken - Kleine Garage (Support von Montreal)
21.04. Tübingen – Sudhaus (Support von Montreal)
19.07. Cuxhaven - Deichbrand Festival
12.08. Eschwege - Open Flair Festival
17.08. Georgsmarienhütte - Hütte Rockt Festival




Illustrators
Wir versuchen hier wöchentlich, Euch aus einem Pool an Mails das Schönste, Hörenswerteste und vielleicht auch Bekloppteste herauszusuchen, was uns so zugeschickt wird. Umso schöner, wenn das direkt von kleineren Bands passiert. Die unterstützen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten natürlich gern.
Extrem hörenswert und richtig schön im Klang sind die Illustrators aus der Gegend um Würzburg. Your Fire von ihrer EP Gap The Mind, die am 27. April erscheinen wird, ist funky, geht in Indietronics rein und lässt hoffentlich bald Menschen dazu fleißig tanzen. Die tolle, kräftige Stimme gepaart mit dem locker-luftigen Sound ist eine wirklich gute Mischung und gefällt sehr. Wir halten Euch auf dem Laufenden! Hört Euch das live an, das könnte richtig, richtig gut werden:

25. Mai - Fulda, Hochschule
02. Juni - München, StuStaCulum
09. Juni - Rottershausen, Ab geht die Lutzi Festival
23. Juni - Würzburg, Umsonst & Draußen
29. Juni - Nürnberg, Bardentreffen
20. Oktober - Hamburg, Freundlich und Kompetent



HÄXXAN
Retro. Retro. Retro. Manchmal abgegriffen. Manchmal richtig geil.
Letztere Kategorie trifft auf HÄXXAN zu. Das Trio kommt aus Tel Aviv und lebt nun in Berlin, wo auch sonst - erste Kategorie. Sie machen temporeichen Schrammelrock, der extrem gut ins Ohr geht und insbesondere Between The River And The Sea lässt einen nicht mehr los, der Refrain ist so herrlich eingängig, dass es knallt und dann halt auch nach zwei Minuten vorbei. Für mehr Spieldauer kommt am 2. Mai ihr zweites Album ans Tageslicht und heißt The Magnificent Planet of Alien Vampiro II. Wir sagen: Kann man machen!

02.05. - Wiesbaden, Schlachthof
03.05. - Köln, Gebäude 9
10.05. - Berlin, Urban Spree
25.05. - Konstanz, Horst
26.05. - Schaffhausen, TapTab
28.06. - Lärz, Fusion Festival
03.07. - Leipzig, UT Connewitz
04.07. - Hamburg, Uebel & Gefährlich
27.07. - Hauptmannsgrün, L*Abore Festival
28.07. - Negenharrie, Off The Radar Festival
10.08. - Frauenfeld, Out In The Green Garden Open Air
11.08. - Sinzendorf, Void Festival

Donnerstag, 12. April 2018

Anna von Hausswolff - Dead Magic

ytimg.com
(ms) Anna von Hausswolff kommt aus Schweden und spielt Orgel. Das ist erst einmal nichts Besonderes. Doch wie kann es angehen, dass sie damit im alternativen Indie-Hardrock-Bereich so erfolgreich ist? Sie spielt seit Jahren Tourneen in Europa und den USA und nicht wenige ihrer Auftritte sind ausverkauft.
Vor einem Monat ist zudem via City Slang ihr viertes Album Dead Magic erschienen. Ein Grund für ihren Erfolg kann man darin sehen, dass sie das eher kirchliche Instrument so gut beherrscht und in andere Klangsphären mitnimmt, dass sie durch das Genre, das sie bedient, Aufmerksamkeit erregt. Sie ist das Gegenstück zu Cameron Carpenter, der eher ein krasser Virtuose ist und die klassische Musik durch seine Spielweise und seinen Auftritt zu erschüttern versucht. Ganz so wild und extravagant geht es bei Anna von Hausswolff nicht zu.
Ihre Musik in ein Wort zu fassen ist dabei schier unmöglich: Orgelrock? Das klingt doch nicht passend. Es würde auch dem mystisch-dunklen Charakter ihrer Songs nicht gerecht.

Vor acht Jahren erschien ihr erstes Album Singing From The Grave. Die Faszination zum Tod und zur dunklen Seite des Lebens kommt schon im Titel durch. Statt Orgel hat sie darauf jedoch Klavier gespielt und zum Teil auch noch auf schwedisch gesungen. Das änderte sich drei Jahre später mit Ceremony. Da hat sie das "neue" Instrument erstmals richtig in Szene gesetzt. Doch sie war noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Klang. Damit hat sie weiter auf The Miraculous experimentiert, das noch ein ganzes Stück krasser und phasenweise schwer zugänglich war.
Dead Magic ist nun das Ergebnis einer Suche. Der Suche nach dem, was sie selbst gerne machen will. Das hat sie uns natürlich nicht persönlich verraten, aber es klingt offensichtlich genau danach. Der Klang ist klar, stark ausgerichtet und harmonisiert gut mit sich selbst. Die fünf Tracks erstrecken sich auf 47 Minuten, auch diese Verteilung an Zeit zu Liedern ist neu, aber es passt hervorragend.

Es sind fünf Kapitel, die durchstreift werden und den aufmerksamen Hörer mit auf eine tolle Reise nehmen. The Truth, The Glow, The Fall beginnt ruhig und klar: warmer, dunkler Wohlfühlorgelsound kommt aus den Boxen, im Hintergrund rauscht es ein wenig. Nach einer Minute kommt so etwas wie eine Melodie, eine halbe Minute später der feine Gesang: "After the fall, I'll find you." Einzelne Gitarrenseiten sind zu hören und Glockenklänge, die den Percussionpart übernehmen. Der Klang ab 3:30 ändert sich. Nun gibt's ein richtiges Schlagzeug und der Pfeifensound ertönt so, als ob das Aufnahmegerät direkt neben dem Instrument stand: stark! So mäandert der Track vor sich hin. Vier Minuten später hat es den Anschein, das Lied sei zu Ende: weit gefehlt, denn Spiellänge ist 12:07! Die restliche Zeit bleibt er im Ungefähren, was seltsam faszinierend ist und doch so einleuchtend, wenn man sich nochmal anschaut, wie das Lied heißt.
The Mysterious Vanishing Of Electra ist die erste Singleauskopplung und daher auch etwas kürzer (6:08). Zu einem prägnanten Rhythmus gesellt sich erneut ihre schöne, kraftvolle Stimme. Überraschend wird es dann, wenn sie hoch und lang schreit, eine herrliche Gänsehaut macht sich breit. Das Video - von ihrer Schwester Maria gedreht - könnte passender nicht verlaufen (s.u.).
Es geht weiter mit Ugly And Vengeful und dem absoluten Höhepunkt des Albums, nicht nur damit, dass das Lied über eine Viertelstunde geht, sondern die irre Dramatik dominiert. Anhören ist also Pflicht und bitte, bitte die Boxen schön laut aufdrehen! Allein der Vorspann dehnt sich auf  zweieinhalb Minuten, doch es wird in keinem Takt langweilig, sondern Spannung wird aufgebaut. Erst nach sage und schreibe sechs Minuten geht's los, dann aber so richtig. Aber: Anhören, ich will nicht zu viel verraten und auch nicht zu große Erwartungen schüren.
Dass das Album danach austrudelt, würde den letzten beiden - verhältnismäßig kurzen Liedern - nicht gerecht werden. Doch setzen The Marble Eye und Källans Återuppståndelse (Die Quelle der Wiederauferstehung) nicht so starke Ausrufezeichen wie die drei Tracks zuvor. Das erste ist jedoch herrlich instrumental und zeigt ihre Stärke am Instrument. Das letztere eine Anspielung ihrer beiden Källan-Veröffentlichungen, die m.W. Livemitschnitte aus Kirchen sind.

Dominiert wird Dead Magic von den ersten drei Tracks.
Doch ist die Magie tot?
In keinem Fall! Sie wird mit diesem furiosen, vielseitigen und fantastischen Album aufrecht erhalten. Ein tolles Werk.


Am 15. August spielt sie in der Kulturbrauerei Berlin!



Freitag, 6. April 2018

KW 14, 2018: Die luserlounge selektiert

international14.de
(ms/sb) Ist es jetzt so richtig abgeklatscht einen Beitrag zu schöner Musik und Neuigkeiten mit dem Wetter zu starten à la: Der April macht was er will? Ach, geht wohl schon, oder? Der Frühling lässt zumindest noch ein wenig auf sich warten. Ja, ich weiß, am Wochenende soll die 20-Grad-Marke geknackt werden, doch das soll erstmal konstant so bleiben. Gerade hier in Westfalen ist das immer sehr ambivalent. Da kann die Vorhersage und Paulus' Güte noch so groß sein, hier regnet es so gut wie immer. Daher ist das wichtigste Utensil im Alltag auch die Regenhose!
Apropos April: Hat irgendjemand einen richtig guten Aprilscherz mitbekommen? Manch einer ist ja von einem normalen präsidialen Tweet gar nicht zu unterscheiden. Elon Musk soll bekannt gegeben haben, dass sein Unternehmen insolvent ist? Bei aller Innovation und Hochnäsigkeit ist das einfach eine unglaublich dumme Idee. Daher: Augen auf und Boxen aufdrehen. Vielleicht bringen ja die ein oder anderen Töne den Frühling in eure vier Wände.

Swiss & Die Andern
Am 17. August erscheint das neue Swiss & Die Andern-Album Randalieren für die Liebe. Aller Voraussicht nach könnte das ein massives Brett im harten Punkrockgebiet werden. Gerne erinnere ich mich an deren Auftritt beim Deichbrand Festival im letzten Jahr. Wahrscheinlich war ich noch nie in einem energiegeladeneren Moshpit als dort. Das war einfach ein Fest.
Fürs Ankündigen haben sie sich eine kleine Videoreihe ausgedacht, in dem sie ihr "Hit-Album" und den lag ersehnten "Durchbruch" ankündigen. Der gewollte Humor ist allerdings so enorm flach und vorhersehbar, dass sie sich lieber aufs musizieren konzentrieren sollten.
Im Herbst/Winter gibt's das dann live:

26.10.18 - Hannover, Musikzentrum
27.10.18 - Düsseldorf, Zakk
09.11.18 - Berlin, SO36
10.11.18 - Dresden, Beatpol
29.11.18 - Zürich, Dynamo
30.11.18 - Nürnberg, Hirsch
01.12.18 - Chemnitz, AJZ
07.12.18 - München, Backstage
08.12.18 - Stuttgart, Hallschlag
09.12.18 - Frankfurt, Batschkapp
15.12.18 - Hamburg, Große Freiheit 36 (Ausverkauft)



Hyperkid
2004, das ist vierzehn Jahre her. Da hat Roman Fischer sein Debutalbum Bigger Than Now herausgebracht. Zarte, wundervolle Gitarrenpopnummern haben sich darauf die Klinke in die Hand gegeben. Der Nachfolger Personare ging in eine viel dramatischere, aufgeladenere Richtung und hat richtig zu überzeugen gewusst, das letzte 2010er Album war eine Hommage an den großen Pop. Danach war Stille und der Rückzug aus dem Musikgeschäft, in dem er nie so wirklich erfolgreich war.
Und nun ist Roman Fischer wieder da, hat neue Kreativität geschöpft und das Projekt Hyperkid ins Leben gerufen. Es ist ein Mix aus autodidaktischen Visuals und sphärischem Klang. Das hat mir dem alten Roman Fischer nicht mehr viel zu tun, macht aber enorm neugierig. Sollte man sich ansehen und gut finden:



Manic Street Preachers
Großer Name, große Band, große Vorab-Singles, große Erwartungen - und jetzt: große Ernüchterung! Leider hält Resistance Is Futile nicht mal ansatzweise das, was ich mir von dem Album versprochen hatte. Klar, ein paar Perlen sind darauf durchaus zu finden, aber völlig ungewohnt für die Manic Street Preachers eben auch etliche Skip-Tracks. Die Zeit der ganz großen Hymnen à la „Motorycle Emptiness“ oder „A Design For Life“ scheint vorbei und hinterlässt mich als langjährigen Fan mit Trauer, weil ich weiß, dass die Waliser deutlich mehr können, als sie auf ihrem neuen Longplayer zeigen.



Makk
Hört man die Single On And On vom Dresdener Makk, so denkt man in den ersten Momenten vielleicht an Enigma. Ne, nicht an die Rechenmaschine, sondern dieses Musikprojekt aus den 90er Jahren. Danach setzen jedoch feine Beats ein, die an die 80er und dem Sound von Roosevelt erinnern. Hinter Makk verbirgt sich Philipp Makolies. Der hat seine musikalischen Spuren bereichts bei Polarkreis18 oder Enno Bunger hinterlassen. Dieser lockere Klang könnte ein Begleiter im Sommer werden. Am 11. Mai erscheint seine erste EP mit dem Namen Midlife Dreams auf Royal Tree Records.



Ólafur Arnalds

Ach, ihr Skandinavier. Ihr habt uns immer so unglaublich schnell gepackt. Und bei Ólafur Arnalds ist es wieder einmal so. Die neue, heute erschienene Single re:member berauscht an Innovation. Gleich drei Klaviere, ein Streichquartett, Schlagwerk und das notwendigen Equipment an Synthesizern inszenieren hier einen wundervollen, warmen Klang, der zum Eskapismus verführt. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen, außer das ein Klick aufs Video absolute Pflicht ist und er seinen Status im Bereich der Neo-Klassik nochmals unterstreicht!

05.10. - Hamburg, Elbphilharmonie (Ausverkauft)
07.10. - Wiesbaden, Kurhaus
08.10. - Ludwigsburg, Forum
10.10. - Leipzig, Gewandhaus
11.10. - Berlin, Tempodrom
15.10. - Linz, Posthof
17.10. - Zürich, Volkshaus

Donnerstag, 5. April 2018

EELS - The Deconstruction


Mark Oliver Everett (Foto: Gus Black)
(sb) E. E wie „extravagant“. E wie „exzellent“. E wie „exzentrisch“. E wie „Einzelkämpfer“. E wie „Everett“, genauer gesagt: Mark Oliver Everett. Der gerade noch so 54-jährige Amerikaner ist das Gehirn, das Mastermind und das Herz der Band EELS, die morgen ihr neues Album The Deconstruction veröffentlichen wird und dabei genau dort ansetzt, wo sie bei ihren bisherigen Veröffentlichungen aufgehört hatte.

Ja, Mark Oliver Everett ist ein komischer Kauz, aber das scheint bei ihm durchaus familiär bedingt zu sein. Sein Vater war der Quantenphysiker Hugh Everett III, der Begründer der Viele-Welten-Interpretation, schwer alkoholabhängig, Kettenraucher und extrem übergewichtig. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für den kleinen E, um eine Karriere als Musiker anzustreben, sollte man meinen, aber wahrscheinlich waren es genau diese Umstände, die dazu führten, dass Everett zu dem Meister der Melancholie wurde, als der er heute bekannt ist. Er war es, der seinen Vater nach dessen Herzinfarkt tot auffand, kurz vor der Veröffentlichung des EELS-Debüts Beautiful Freak (1996) beging seine Schwester Suizid und bei seiner Mutter wurde Krebs festgestellt. Diese Ereignisse inspirierten ihn zum Album Electro-Shock Blues, das im Jahr 1998 veröffentlicht wurde.

Erst 2000 folgte mit Daisies Of The Galaxy ein deutlich fröhlicheres Album, der Grundtenor in Everetts Musik ist jedoch seit jeher ein düsterer und trauriger und hier sehe ich auch die große Stärke von EELS. Diese tiefe, melancholische Stimme, die häufig aufgrund fehlender Wärme auch die Existenz von Empathie jeglicher Art in Frage stellt, ist charakteristisch, ein Alleinstellungsmerkmal und für mich als EELS-Hörer der ersten Stunde immer wieder ein Grund, die Alben aus dem Schrank zu holen. Für mich ist Everett mehr Geschichtenerzähler denn Sänger, ein hervorragender Beobachter, der seine Sicht der Dinge, seine Visionen und seine Umwelt wie kaum ein zweiter in Worte fassen kann.
 
Dass der Pressetext zum neuen Album sich essentiell von dem unterscheidet, was man von anderen Releases gewohnt ist, überrascht wenig. Eine Kostprobe:
 
„We could do the usual record company „bio“ about this new record,
but, seriously …who gives a fuck.
The world is a mess. This is just music. Music by someone who tends to believe
that change starts in your own backyard.
I’m just optimistic enough to believe that kind of thing can still help people.
Here are 15 new EELS tracks that may or may not inspire, rock, or not rock you. The world is going nuts. But if you look for it, there is still great beauty to be found.
Sometimes you don’t even have to look for it. Other times you have to try to make it yourself. And then there are times you have to tear something apart
to find something beautiful inside.”

Und natürlich hat Everett Recht mit dem, was er da schreibt. Man muss die Augen offen halten, neugierig und mutig auf Dinge zugehen und darf sich nicht von den Nachrichten, Entwicklungen und der Politik demotivieren lassen. Zu behaupten, dass The Deconstruction ein positives Album sei, wäre mit Sicherheit vermessen, aber es ist eins, das Mut macht, das einem klarmacht, das man in seinem Umfeld durchaus etwas zum Besseren bewegen kann und nicht in Lethargie versinken sollte.

Dass Tracks wie Premonition, There I Said It und Sweet Scorched Earth auch als Einzelsongs mit zum Besten gehören, was Everett bisher aufgenommen hat, ist nur ein angenehmer Side Effect dieser rundherum gelungenen und hörenswerten Scheibe, die mein bisheriges Lieblings-EELS-Album Shootenanny! (2003) aus dem Stand von der Spitzenposition verdrängt hat.

Auch live sind EELS jederzeit ein Erlebnis und Ihr habt demnächst die Möglichkeit, E und seine Kollegen hier zu sehen:

17.06. Mannheim, Maifeld Derby Festival
25.06. München, Tonhalle,
26.06. Köln, E-Werk
28.06. Berlin, Tempodrom
29.06. Hamburg, Mehr!-Theater
16.07. Feldkirch, Poolbar
17.07. Wien, Arena
20.07. Luzern, KKL





 
 

Mittwoch, 4. April 2018

Leselounge: Zwei Tipps

Quelle: edmsauce.com
(ms) Intensiv Musik zu hören ist vielleicht eine der schönsten und bezauberndsten Beschäftigungen, die überhaupt vorstellbar sind. Oft treten dann Gefühle, Stimmungen und Atmosphären auf, die zu anderen Zeitpunkten nie so im Vordergrund stehen. Herrlich, wenn man sie zulässt, erkennt und genießen kann.
Die Königsdisziplin ist, diese mystisch anmutenden Zustände in Worte zu fassen. Bei jeder Rezension und jedem Konzertbesuch ist dies eine neue, schöne Herausforderung. In diesem Geschäft muss man denjenigen Anerkennung schenken, die das extrem gut können. Die Menschen, die den Zauber der Musik beschreiben können. Die, die ekstaseähnliche Momente in Worte fassen und sie mit anderen Menschen teilen. Für die kommenden Stunden in der Sonne oder abends nach der Arbeit oder dem Sport haben wir zwei kleine Tipps, bei denen genau das zutrifft. Und ein Banause ist der, der jetzt gleich sagt, dass er mit klassischer Musik nichts anfangen kann. Zulassen ist hier das Stichwort.

Bach-Artikel im ZEIT-Dossier
Vielleicht war Johann Sebastian Bach das größte Genie im Musikgeschäft, das es je gegeben hat. Dabei ist das Wort Genie wörtlich zu nehmen. Jemand, der aus dem Nichts in Eigenregie eine umwerfende, berührende Kunst schaffen kann, die Jahrhunderte überdauert. Vor 333 Jahren wurde der Maestro geboren. Die Redaktion der ZEIT ehrt ihn mit einem extrem lesenswerten Dossier über sein Werk, die Bedeutung seiner Kompositionen - insbesondere der Matthäus-Passion - und über den immensen Einfluss auf andere. Dass er buchstäblich Leben gerettet hat, hat sich der Dirigent und Komponist sicher nie ausgedacht. Die Verbindung zum religiös Mystischen liegt dann auch auf der Hand. Dieses Stück sollte man sich anhören, empfiehlt der Autor Alard von Kittlitz. Hier ist der Artikel für Abonnenten online zu lesen, der Kauf der aktuellen Printausgabe ist ohnehin lohnenswert.



Roberto Cotroneo - Frag mich, wer die Beatles sind
Zum Glück ist Literatur ja zeitlos. So ist es auch mit diesem Buch aus dem Jahr 2006 vom Italiener Roberto Cotroneo. Der Untertitel verrät eigentlich schon sehr genau, worum es geht: Brief an meinen Sohn über die Liebe zur Musik. Genau das ist es. Auf gut 150 Seiten sammelte Cotroneo Geschichten, Anekdoten und Begegnungen aus seinem Leben, anderen Leben und der Musikgeschichte, um das Faszinierende der Töne, Melodien und Rhythmen greifbar zu machen. Es gelingt ihm erstaunlich gut. Über den dezenten Pathos, der hier und da zwischen den Zeilen durchschimmert, gewöhnt man sich schnell. Und auch wenn man sich mit einzelnen Komponisten, Bands und insbesondere volkstümlicher, italienischer Musik nicht besonders auskennt, sollte man sich drauf einlassen und die übermittelte Stimmung genießen. Denn aus diesem Büchlein strömt viel Leidenschaft mit dem Ergebnis des überaus erfolgreichen Versuchs in der Königsdisziplin: Musikerlebnisse in Worte zu fassen.
Frag mich, wer die Beatles sind erschien im Insel Verlag und ist für 5,90€ gebraucht bei Amazon erhältlich.