Freitag, 19. Januar 2018

KW 3, 2018: Die luserlounge selektiert!

tattooforaweek.com
 (ms) Gestern fegte der Sturm "Friederike" über unsere Regionen hinweg. Der Schreiber ist ansässig in Nordrhein-Westfalen und hatte persönlich Glück gehabt, sich nicht umfangreich draußen bewegen zu müssen. Anderen ging es da leider schlechter und den Betroffenen ist nur das Beste zu wünschen.
Eine weitere schlechte Nachricht drang diese Woche auch in das Musikgeschäft, denn Dolores O'Riordan ist verstorben. Nicht nur als Sängerin von The Cranberries sondern auch solo war sie sehr erfolgreich. Nun, zweitausendundachtzehn, das war ja mal wieder ein toller Start. Dass dabei die Koalitionsverhandlungen im politischen Berlin mindestens eine Partei nachhaltig und massiv schädigen wird, ist dabei fast in Vergessenheit geraten. Achja, die Bundesliga hat auch wieder angefangen. Das fußballerische Interesse in der luserlounge wird allerdings erst ab der zweiten Liga und dann weiter abwärts geweckt.
Zum Glück gibt es die Musik. Denn die hat ganz famose Neuigkeiten zu vermelden:

SCHWARZ
So farbenfroh nennt Roland Meyer de Voltaire sein neuestes Projekt. Vor über zehn Jahren hat er mal in einem Interview geäußert, dass er nichts anderes als Musik machen könne. Das stellt er erneut unter Beweis. Einigen mag seine alte Band Voltaire vielleicht noch ein Begriff sein. Danach hat er solo unter anderem den Soundtrack zu "Tom meets Zizou" komponiert.
Nun nennt er sich SCHWARZ und macht elektronische Musik. Das bei Spotify sogar ziemlich erfolgreich. Heute erschien seine erste EP mit dem Namen In Your Eyes. Dem typisch hohen Gesang ist er treu geblieben. Und das Gespür für große Melodien und tiefe Stimmungen hat er auch beibehalten. Das wird richtig spannend:



Calexico
Andere, alte Weggefährten machen auch unaufhörlich weiter mit dem Musizieren. Allein der Titel des neuen Albums macht ihre Motivation stetig weiter zu machen deutlich: The Thread That Keeps Us. Nach den ersten Höreindrücken kann man von Glück behaupten, dass die leichten elektronischen Elemente des Vorgängers Edge Of The Sun wieder in den Hintergrund gedrängt wurden. Die breit aufgestellt Band, die es aufs Beste versteht live anhaltend Gänsehaut zu erzeugen, ist an ihren Instrumenten so gut, dass sie keine Verstärkung aus der Keyboard- und Sythie-Welt brauchen. Wie immer erscheint ihre Musik hierzulande auf dem großartigen Label Cityslang und bald sind Calexico hier zu sehen:

09. März - Hamburg, Große Freiheit
10. März - Berlin, Tempodrom
11. März - München, Muffathalle
17. März - Fribourg, Fri-Son
18. März - Zürich, X-Tra
19. März - Linz, Posthof
21. März - Stuttgart, Im Wizemann
23. März - Köln, E-Werk



Anna von Hausswolff
Sie ist wieder da und treibt ihr Unwesen: Anna von Hausswolff. Die zierliche Schwedin mit dem apokalyptisch-mitreißenden Orgelklang bringt Anfang März ebenfalls auf Cityslang ihr drittes Album raus. Es trägt den lebenbejahenden Namen Dead Magic. Wer ihr Werk verfolgt weiß, dass es seit dem Debut immer etwas dunkler, ausgefeilter und besser geworden ist. Man hat das Gefühl bei der Künstlerwerdung dabei zu sein, ein faszinierender Gedanke. So wird auch Dead Magic sicherlich ein aufwühlendes Album werden, das laut und direkt gehört werden muss. Reinste Empfehlung. Und bitte live anzusehen, denn dann weiß man: Wenn die Welt untergeht, sitzt Anna von Hausswolff irgendwo auf einer brennenden Orgel und spielt den Soundtrack dazu!

3. März - Dresden, Beatpol
4. März - Berlin, Festsaal Kreuzberg
5. März - Hamburg, Kampnagel
7. März - Köln, Gebäude 9

Mittwoch, 17. Januar 2018

Schlammpeitziger - Damenbartblick auf Pregnant Hill

Foto: Schlammpeitziger
(ms) Der Künstler: Schlammpeitziger.
Der Albumtitel: Damenbartblick auf Pregnant Hill.

In den letzten Tagen in denen ich mir das Album häufiger für diesen Text angehört habe, musste ich viel über den Titel nachdenken. Nochmal: Damenbartblick auf Pregnant Hill.
Wer hat jetzt den Damenbart, die Schwangere oder derjenige, der sie betrachtet? Wie kommt man auf diese verwirrend-geniale Wortkombination? Was will uns der Autor damit sagen? Bei Google Maps zumindest - ja, es war immerhin einen Versuch wert - gibt es keinen Ort, der so heißt, aber eine Schwangerschaftsbetreuung in Washington DC, die nur eine mittelmäßige Bewertung hat.
Nun müssen wir jedoch die Frage nach dem Blick stellen, denn die ist wirklich tiefgehender als dieses halblustige Herumgeirre in der Sinnfindung. Die weibliche Gesichtsbehaarung spielt dabei keine Rolle. Wie ist der Blick des Künstlers Jo Zimmermann, der sich hinter den Knöpfen und Tasten seiner Synthie-Geräte Schlammpeitziger nennt, auf sein eigenes Werk? Wie der Augenwinkel der Hörer auf die Sounds, wie der des Rezensenten auf die Musik?
Künstler: Wenn man andere Alben bereits Augenwischwaldmoppgeflöte oder Schwingstelle Für Rauschabzug nennt, hat man definitiv ein Faible für sperrig-schöne Neologismen. Und für die passende Nutzung alter Casio-Sounds. So startete zumindest sein Schaffen in den frühen 90er-Jahren. Das ist nun vorbei - schon klar - und der Klang hat sich weiterentwickelt. Er ist jedoch immer noch so herrlich minimal und lo-fi, dass Zimmermann dem Hörer ermöglicht in aller Ruhe und mit viel Aufmerksamkeit in elektronische Welten einzutauchen.
Hörer: Der bekommt auf Damenbartblick auf Pregnant Hill acht Songs mit 37 Minuten Spielzeit geboten. Nicht zu kurz und nicht zu lang. Der alte Hase weiß genau, was er bieten muss. Er setzt auch ab und an die eigene Stimme ein - doch Obacht - es ist kein Gesang. Es sind vielmehr kleine Anekdoten oder Bestandsaufnahmen auf Englisch (außer bei Wasserstopf, soweit man es dechiffrieren kann), die zwischen Tragik und Komik oszillieren. Die Klanggebilde sind oft leichtfüßig, mal schwingen die Töne hin und her wie auf einer Kirmes. Die Grundstimmung ist schon nicht schlecht, Euphorie oder wirklich zum Tanz animierende Phasen sind Mangelware, was die Qualität jedoch nicht einschränkt.
Kann man bei elektronischer Musik eigentlich auch von Easy Listening sprechen? Wieso eigentlich nicht? Der Begriff hat wirklich überhaupt gar nichts mit Fahrstuhlmusik zu tun, das würde ihm nur schaden. Vielmehr spricht er ja seine eigene Bedeutung gut aus: Man kann einfach hinhören; sich auch berieseln lassen, mit auf die Reise genommen werden. Verspielte Avantgardisten oder die, die so tun als ob, gibt es genügend.
Hier ein kleines Best-Of der Songtitel: Bock Bounceburg, Smooth Motion Kaukraut, Kandierte Jammerlochlappen (Ja, wie geil ist das denn bitte?!).
Rezensent: Der hört viele verschiedene Musikstile mit Passion. Im elektronischen Bereich ist er jedoch im besten Sinne Novize. Doch das hier weiß sofort zu gefallen. Die Sprachspiele machen natürlich neugierig, was sich dahinter musikalisch verbirgt. Wie das wohl bei einer Live-Darbietung klingt? Wer weiß?! Man kann sich hier überzeugen lassen:

14.02.2018: Berlin – Acud Macht Neu
16.02.2018: Hamburg – Golden Pudel Club
24.02.2018: Köln – King Georg 

Damenbartblick auf Pregnant Hill erscheint diesen Freitag über das geschmackssichere Label Bureau B. Hört rein und lasst euch verzaubern. Kauft das Album und tut etwas Gutes.




Dienstag, 16. Januar 2018

Xul Zolar - Fear Talk


(ms) Da eine Kritik zu neuer Musik niemals losgelöst von subjektiven Eindrücken sein kann, beginnt diese Geschichte im Jahre 2015, im Mai. Die dänische Band Rangleklods, die jetzt als Blondage ihr Unwesen treibt, war auf Tour und hat in Dortmund Halt gemacht. Deren Konzert war eine Machtdemonstration, wie sehr man einen Subwoofer bedienen kann. Noch Tage später flimmerten diese Impressionen nach. Noch überraschender war jedoch der Auftritt der Vorband. Nach mehrmaligem Nachfragen und Vergewissern, wurde uns klar, dass sie auf den Namen Xul Zolar hören. Was?! Wie kryptisch ist das denn bitte?! Antwort: Vorbild und Namensgeber ist ein argentinischer Maler, der sich als Künstler Xul Solar nannte. Die Abgrenzung - S zu Z - ist bewusst.
Was machte deren circa halbstündiges Set der Kölner so gut, dass es immernoch in bester Erinnerung schwebt? Es war eine irre Energieleistung, die die drei Jungs auf die Bühne gebracht haben, insbesondere das brutale Schlagzeugspiel. Wenn sie es schaffen - selbst halb unbekannt zu diesem Zeitpunkt - die Meute mit ihren Liedern zum ausladenden Tanzen zu bringen, was geschieht dann erst auf ganzer, abendfüllender Länge?

Davon darf man sich demnächst überzeugen. Denn Xul Zolar haben nach sehr langer Arbeit und perfektionistischem Dasein ihr Trio auf ein Quartett erweitert und bringen nun endlich ihr erstes Album heraus: Fear Talk erscheint diesen Freitag auf Asmara Records.
Im weitesten Sinne machen sie Synthie-Pop. Sie arbeiten mit allerhand elektronischem Gerät, Material und Ideen um einen breiten, sphärischen Klang zu erzeugen.
Xul Solar. Quelle: wikiart.org
Und schon ist man wieder beim malenden Künstler. Denn seine Gemälde waren tief, voller Kontraste, breit angelegt, irreal, regen zum Denken und Verweilen an. Die Reise im Kopf kann also beginnen: Augen aufs Bild, Ohren zum Klang: gleichzeitig.
Sanft fängt Fear Talk an mit dem Song Two Month. Die Percussions mal sehr präsent, wechseln die Rhythmen, die Gitarrenklänge beinahe paralysierend, so eingängig. Klingt nicht nach Rheinland, klingt nach Weltall.
Der Gesang dominiert auch bei Vacuum nicht, vielmehr transportieren Xul Zolar eine Stimmung, eine Atmosphäre, in der man sich herrlich verlieren kann. Den halluzinierenden Gitarrensoli muss man Zeit geben, bis sie ihre Kraft entfalten, wie im Titeltrack. Zwischen der ganzen virtuosen Spielerei fehlt leider ab und an ein wenig Druck und pulsierende Energie. Ist das Ungefähre in der Stimme doch etwas zu viel, die Spielerei in Rhythmus und Melodie zu haarklein? Nein, das ist es nicht. Man muss es aller Wahrscheinlichkeit live hören, erleben, dann darin abtauchen. Dann gewinnt ein Song wie Soft Drones an Glanz. Auch Japanese Money wird dann erst richtig zur Geltung kommen.

Wenn man nun ihre EP Tides kennt, kann man möglicherweise ein wenig enttäuscht sein, denn auf diesen älteren vier Songs war wesentlich mehr Energie, Druck und Mut zu spüren.
Doch die vier Kölner werden sich etwas dabei gedacht haben und haben hier den Pop größer geschrieben. Fear Talk bleibt dennoch ein Album, das viel Spaß macht, um seine unterschiedlichen Facetten zu entdecken. Die erkennt man, wenn man sich drauf einlässt.

Bald schon geht es auf Tour. Wir sind fest überzeugt, dass sie live an Qualität nicht eingebüßt haben!

03.02 - Köln, Gebäude 9
14.02 - Dortmund, Oma Doris
15.02 - Hamburg, Prinzenbar
16.02 - Bremen, Lagerhaus
21.02 - München, Rote Sonne
22.02 - Jena, Café Wagner
23.02 - Dresden, Altes Wettbüro
24.02 - Bayreuth, Schokofabrik
25.02 - Berlin, Roter Salon





Freitag, 12. Januar 2018

KW 2, 2018: Die luserlounge selektiert

geccdn.net
(ms) Vor einiger Zeit habe ich in einem Neujahrsartikel gelesen, dass man sich bis zum ersten Wiedersehen im neuen Jahr ein frohes Neues wünschen kann. Das als Tipp für alle, die noch Treffen vor sich haben. Ich habe das in den letzten Tagen schon getestet und auf der einen Seite funktioniert es ganz gut auf der anderen Seite sorgt es auch für Verwirrung. Bei klassischen Klassen- oder Ehemaligentreffen an/um Weihnachten kann man das selbstverständlich auch praktizieren und erntet zumindest einen mittelmäßigen Lacher.
Auch in zweitausendundachtzehn wollen wir Euch natürlich mit schönen Töne, herrlichen Melodien, Meinungen und Konzertimpressionen versorgen. Dazu gehört auch dieser wöchentliche Rück- und Ausblick.
Voller Verzückung können wir in diesem Beitrag feststellen, dass es tatsächlich der 500. ist, der an dieser Stelle veröffentlicht wird. Sicherlich waren nicht alle gut, manche kurz, andere lesenswert und lang. Da wir dies aus Leidenschaft betreiben wird es genauso bleiben! Wir danken Euch jedenfalls für direkte, indirekte und persönliche Rückmeldungen. Hier gibt's nun Neuigkeiten:

Gisbert zu Knyphausen
Im letzten Jahr haben wir es nicht geschafft, sein neues Album Das Licht der Welt zu besprechen. Tatsächlich gehen die Meinungen redaktionsintern auch auseinander und ist somit Impuls für Austausch und Debatten. Schön!
Gestern ging Gisbert mit Band auf Tour, Start in Münchenm, heute Berlin. Neben natürlich ganz hervorragenden Musikern, die mit ihm reisen, ist herauszuheben, dass Martin Wenk an der Trompete auf der Bühne steht. Er ist sonst fester Bestandteil der großartigen Gruppe Calexico! Passend dazu gibt es ein neues Video zum Lied "Keine Zeit zu verlieren". Für viele Städte gibt es noch Tickets, wir sehen uns in Dortmund Ende des Monats.

12.01. Berlin - Columbiahalle (verlegt von Huxleys)
13.01. Flensburg - Max
14.01. Hamburg - Große Freiheit 36 (Ausverkauft)
15.01. Köln - Gloria (Ausverkauft)
17.01. Heidelberg - halle02
18.01. Losheim - Saalbau
21.01. Freiburg - E-Werk
23.01. Erlangen - E-Werk
24.01. Dresden - Beatpol (Ausverkauft)
25.01. A-Wien - WUK
26.01. A-Graz - PPC
27.01. A-Salzburg - Rockhouse
29.01. Wiesbaden - Schlachthof
30.01. Dortmund - FZW
31.01. Bremen - Schlachthof
01.02. Rostock - M.A.U. Club
02.02. Magdeburg - Moritzhof
03.02. Erfurt – HsD
26.02. Hannover - Kulturzentrum Pavillon (Nachholtermin verlegt von Faust)
28.02. Schorndorf – Manufaktur (Nachholtermin)
01.03. Köln - Gloria (Nachholtermin)
19.06. Kiel - Kieler Woche
21.06. Ulm - Ulmer Zelt 2018
01.-04.08. Luhmühlen - A Summer's Tale
03.-05.08. Dangast - Watt En Schlick Fest



Nada Surf
Kaum zu glauben, aber ihr legendäres Album - ja, an dieser Stelle darf man das L-Wort guten Gewissens mal verwenden - Let Go wird dieses Jahr 15 Jahre jung. "Blizzard of '77", "Fruit Fly" und "Paper Boats" und all die anderen fantastischen Lieder haben uns in der Vergangenheit tolle Momente beschert. Dazu haben sie sich selbst ein Geschenk gemacht: Das ganze Album von befreundeten Gruppen neu interpretiert - unten ein erster Eindruck von Ron Gallo. Standing At The Gates: The Songs Of Nada Surf's Let Go heißt die Scheibe, die am 2.02 digital und am 3.03 physisch erscheint. Die kompletten Einnahmen gehen an die American Civil Liberties Union, einer US-amerikanischen Organisation, die sich für Bürgerrechte einsetzt, und der The Pablove Foundation, die krebskranke Kinder unterstützt. Das sind halt gute Typen.
Zudem spielen sie Let Go in wenigen Monaten hierzulande in voller Länge. Sollte man hingehen!

09.04. München - Muffathalle
10.04. Köln - Bürgerhaus Stollwerck
11.04. Berlin - Huxley's Neue Welt
12.04. Hamburg - Grünspan



Thorsten Nagelschmidt
Was, wer ist das denn?! Ihr kennt ihn alle als Nagel, der jahrelang Gitarrist und Sänger von Muff Potter war. Zwei Bücher und eine Foto-Sammlung hat er seitdem veröffentlicht. Und das nächste steht in der Pipeline. Es hört auf den Namen Der Abfall der Herzen und erscheint am 22. Februar im Fischer Verlag. Hier ein Auszug aus dem Pressetext:

"Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu hassen?"
"Als du mir den Brief geschrieben hast."
"Was für einen Brief?"
Und er beginnt sich zu fragen, was er sonst noch vergessen hat von diesem Sommer 1999. Nagel lebte damals in seiner ersten WG, hielt sich mit Nebenjobs über Wasser und verschwendete kaum einen Gedanken an die Zukunft. Damals, als ein Jahrhundert zu Ende ging, man im Regional-Express noch rauchen durfte und nur Angeber ein Handy hatten. Dann änderte sich alles, plötzlich und unvorhergesehen verwandelte sich seine Welt in einen Scherbenhaufen. Thorsten Nagelschmidt hat einen Roman über Liebe, Freundschaft und Verrat geschrieben. Über einen letzten großen Sommer und die Spurensuche 16 Jahre später.


Zudem geht er auf hier auf Lesetour:

22.02.18 Berlin, Festsaal Kreuzberg
02.03.18 Mannheim, Alte Feuerwache
03.03.18 Enkirch/Mosel, Weingut Immich
04.04.18 Bremen, Lagerhaus
05.04.18 Lüneburg, Ritterakademie
06.04.18 Magdeburg, Moritzhof
07.04.18 Dortmund, Dortmunder U
08.04.18 Köln, Gloria Theater
11.04.18 Paderborn, Deelenhaus
12.04.18 Düsseldorf, zakk
13.04.18 Osnabrück, Lagerhalle
14.04.18 Lingen, Centralkino
15.04.18 Münster, Pension Schmidt
16.04.18 Hamburg, Uebel & Gefährlich
17.04.18 Kiel, Studio
20.04.18 Erfurt, Franz Mehlhose
21.04.18 Kassel, GoldGrube
22.04.18 Wiesbaden, Schlachthof
25.04.18 München, Volkstheater
26.04.18 Stuttgart, Merlin
27.04.18 Saarbrücken, Camera Zwo
28.04.18 Trier, Exhaus
02.05.18 Bielefeld, Heimat+Hafen
03.05.18 Nienburg, Kulturwerk
04.05.18 Nürnberg, Z-Bau
06.05.18 Frankfurt, Brotfabrik
08.05.18 Leipzig, Werk 2

Gregor McEwan - From A To Beginning


Foto: facebook.com/gregormcewanmusic/
(sb) Gregor McEwan klingt nach Glasgow, Edinburgh oder Dublin – doch tatsächlich verbirgt sich hinter diesem Künstlernamen ein Mittdreißiger aus NRW, den es mittlerweile nach Berlin verschlagen hat und der dort das beste Album des noch jungen Jahres aufgenommen und produziert hat. Ich muss gestehen, dass ich bis zum Erhalt der Promo seines neuen Albums „From A To Beginning“ (erschien gestern!) noch nie von Gregor gehört hatte, doch diese Wissenslücke wird nun gefüllt und auch Ihr solltet Euch dieses Werk zumindest mal angehört haben.
 

Wenn einem Linus Volkmann (ehemals Chefredakteur der INTRO und u.a. auch für VICE, 1LIVE und die Junge Welt tätig) den Pressetext schreibt, dann hat man es doch eigentlich schon geschafft, oder? Sollte man meinen, aber die Musikwelt ist oft ungerecht und so hat auch Gregor McEwan bislang nicht die öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, die er eigentlich verdient hätte. Dabei ist er absolut kein Newcomer und das neu erschienene Album bereits seit vierter Longplayer, der Sprung auf die ganz große Bühne blieb ihm dabei aber leider bisher verwehrt.
 

Wer weiß, vielleicht dient ihm „From A To Beginning“ als Türöffner, denn zum Glück ist Gregor McEwan nicht nur Chronist des Schwermuts, sondern bleibt bei all seiner Brillanz in Moll immer auch ein hoffnungslos romantischer Typ und packt dies in mitunter traumhaft schöne Songs, die mich in Erinnerungen schwelgen lassen, als ich Künstler wie Aqualung und Damien Rice hoch und runter gehört habe.
 

Foto: gregormcewan.com/
Der Track "On Her Radar" schafft es beispielsweise, dem Thema „Liebe“ ohne jeglichen Kitsch eine der vielleicht schönsten Songentsprechungen dieser Tage zu geben, denn wem geht es nicht manchmal auch so, dass er/sie in sich hereinhorcht und sich denkt: „Mit was habe ich meine Freundin/meinen Freund eigentlich verdient“?

So und nun zitiere ich Linus Volkmann einfach mal, denn  der Meister bringt es perfekt auf den Punkt:

„Gregor McEwan selbst hatte es zuletzt nicht leicht, nach der zweiten Platte kam die talentierte Ein-Mann-Armee mit den vielen musikalischen Freunden ins Stocken. Der ewige Kreislauf kreativer Selbstausbeutung führte an kein Ziel mehr. Der 35-Jährige verwarf neue Songs und Texte und sah sich gezwungen, doch einmal rechts ranzufahren - also für mehr als einen Tankstopp, für mehr als eine Nacht in einem Hostel am Wegesrand.
 

Die daraus resultierende Pause machte sich dabei als genau das aus, was der Kunst Gregor McEwans gerade noch gefehlt hatte. Die Stücke auf "From A To Beginning" stellen in jedem Fall seine persönliche Meisterschaft dar, die Liebe zum Detail und die investierte Zeit hört man deutlich. Wobei das große Panorama an Sounds und Ideen ohnehin schon immer zu seinen Stärken gehörte - unglaublich aber, was für einen Effekt das nun hat, wo es dermaßen Raum bekommt.“
 

Foto: facebook.com/gregormcewanmusic/
 

Gregor McEwan hat mit seinem Album das Rad sicher nicht neu erfunden, aber er beweist eindrucksvoll, dass er einer der begabtesten deutschen Sänger und Songwriter ist und zudem bereit, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu erklimmen. Bei Perlen wie meinem persönlichen Lieblingsstück „<<Rewind, Retrack, Rename, Restore“ würde es mich wahrlich nicht wundern, wenn der Wahl-Berliner den Status des Geheimtipps schon bald ablegen könnte. Bitte beachtet auch seine Live-Termine!
 
 
 
 

Mittwoch, 10. Januar 2018

Feine Sahne Fischfilet - Sturm und Dreck

Foto: Bastian Bochinski
(ms) Feine Sahne Fischfilet. Die Band mit dem eigenwilligen Namen. Die Band aus dem Osten. Die Politpunks. Die mit dem dicken Sänger. Die mit dem Pfeffi-Fass auf der Bühne. Die, die auch tagsüber Pyro abfackeln. Die, deren Sänger letztens erst freigesprochen wurde. Die bislang wohl erfolgreichste und größte Band des Wahnsinnslabels Audiolith aus Hamburg, das dieses Jahr 15 Jahre jung wird. Die, die letztens Vorband der Toten Hosen waren. Die, die sich offen und stark in Mecklenburg-Vorpommern gegen Rechtsradikalismus und Nazis stellen. Die Band, die in Jarmen schon zwei Mal ein eigenes Open Air haben stattfinden lassen, bei denen beide Versionen relativ schnell ausverkauft waren. Die mit dem riesigen Komplett-im-Arsch-Tattoo-Banner auf der Bühne. Die, die im Bericht des Verfassungsschutzes standen und stolz drauf sind. Die, die sich 2007 formiert haben und zehn Jahre später die großen Hallen füllen. Die, die im Theater Rostock für 16 ausverkaufte Vorstellungen sorgten. Die, die gesellschaftspolitische Fragen in ihr musikalisch-künstlerisches Selbstverständnis mit großen Lettern eingebrannt haben. Diese Gruppe aus dem Rostocker Umland bringt diesen Freitag mit Sturm & Dreck ihr fünftes Album auf den Markt. Zwölf Lieder sind darauf, die die Bläser erklingen und die Verstärker aufdrehen lassen. Bei uns hat insbesondere die Information, dass die Scheibe von Tobias Kuhn - Monta, Miles (!) - produziert wurde, große Erwartungen geschürt.

Nun. Das erste, zweite, dritte und auch vierte Durchhören des neuen Materials ist mehr als eine herbe Enttäuschung. Und das liegt nicht an der musikalischen Qualität. Dass sie sauberen Trompeten-Punk ohne Schnörkel aber auch ohne qualitative Ausreißer nach oben machen, war vorher klar und gehört sicherlich auch nicht zum eigenen Anspruch. Von einer Band, die sich so stark politisch und sozial engagiert, darf man guten Gewissens Inhaltsstärke erwarten. Das war beim Vorgänger Bleiben oder Gehen schon nicht mehr ganz der Fall.
Übrig geblieben sind Durchhalteparolen wie bei einer mittelmäßigen Fußballkommentierung, Party, Saufen, Rausch, platte Sprüche, dümmliche Ansagen und maritimes Geschwafel. Einige Zeilen lesen sich so wie ein Bingo aus einem Best Of der straßen aus zucker. Viel Plauderei über die eigene Heimat, das Zuhause (gut gemeint). Dazu ganz viel Ohh, Ohh, Ohh...
Oh, man.

1. Zurück in unserer Stadt: Party, Vollrausch und Prügelei in der Heimat und pubertäres Anpöbeln der Burschenschaft.
2. Alles auf Rausch: Hier feiern sie den eigenen Erfolg und die gesteigerte Popularität. Das ist schön und gut und sei ihnen auch ohne ironischen Seitenhieb vergönnt. Das darf man wirklich raushauen.
3. Angst frisst Seele auf: Da sind sie. Die persönlichen Alleine-Sein- und Bleib-Stark-Sprüche, die man von den Vorgängeralben kennt. Puh...
4. Schlaflos in Marseille: Ein Lied aus der Kneipe. Genau da wird es sicher auch bald gespielt, nur leider nicht in den wirklich starken Läden. Zwei, drei dicke Sprüche vom Saufen und Rauchen und etwas Ohh, Ohh, Ohh und fertig ist das Feine Sahne Fischfilet-Lied zweitausendachtzehn. Zum Glück ist das nach zweieinhalb Minuten vorbei.
5. Zuhause: Die Diskussion um Heimat, die von Rechts dominiert wird, ist angebracht, um sie aufzunehmen und dagegen zu steuern. Das Video dazu ist brutal stark. Aber im Song bitte mit mehr Tiefe und Prägnanz und nicht mit: "Zuhause heißt, wenn dein Herz nicht mehr so schreit." 
6. Alles anders: Ein ruhiger Song und mit gut fünf Minuten Spielzeit der längste des Albums. Damit haben wir auch alle wichtigen Informationen zusammen.
7. Dreck der Zeit: Bislang der einzige wirklich politische Song, der zu finden ist. Mit ordentlich Dampf. Ein schönes, raues Punk-Brett!
8. Ich mag kein Alkohol: Der Titel ist so furchtbar schlimm. Bitte schnell skippen!
9. Suruc: Ein Lied über einen Anschlag, der in der Türkei vom IS verübt worden ist. Hier geht es wohl auch um die Schnelllebigkeit von Berichterstattung. Daher heben wir ruhigen Gewissens den Daumen!
10. Wo niemals Ebbe ist: Der Song könnte auch von Santiano (gibt es die noch?) geschrieben worden sein. Fehlt nur ein Akkordeon und Möwengeschrei im Hintergrund.
11. Wir haben immer noch uns & 12. Niemand wie ihr: Ach komm, die letzten beiden Songs haben auch wirklich gar nichts mehr zu bieten.

Der bittere Schluss ist, dass mit Sturm & Dreck Feine Sahne Fischfilet als politische Punkband leider irrelevant geworden sind und jegliche Kritik in den Liedern so dermaßen oberflächlich ist, dass sie schon nicht mehr ernst zu nehmen ist. Das heißt nicht, dass ihr Aktionen und Ansagen auf der Bühne obsolet werden. Warum sie diese Energie nicht in ihre Lieder stecken, bleibt ein Rätsel.
Einzelne Stimmen sagen, dass sie dadurch ihr Understatement halt unterstreichen und den Erwartungen politisch sein zu müssen einen Saufsong entgegensetzen. Das scheint mir nur ein an den Haaren herbeigezogener Grund, der Platte was Gutes abgewinnen zu wollen.

Live spielen die Sechs demnächst hier:
01.02.2018 AT-Linz, Posthof
02.02.2018 AT-Wien, Arena
03.02.2018 AT-Graz, PPC
09.02.2018 Leipzig, Haus Auensee
10.02.2018 Hamburg, Inselparkhalle
15.02.2018 Fürth, Stadthalle
16.02.2018 München, Tonhalle
17.02.2018 Wiesbaden, Schlachthof (Ausverkauft)
22.02.2018 Osnabrück, Hydepark
23.02.2018 Heidelberg, Halle02
24.02.2018 CH-Zürich, Dynamo
01.03.2018 Magdeburg, AMO
02.03.2018 Saarbrücken, Garage
03.03.2018 Dortmund, Phönixhalle
08.03.2018 Stuttgart, Im Wizemann
09.03.2018 Köln, Palladium
10.03.2018 Erfurt, Stadtgarten (Ausverkauft)
16.03.2018 Berlin, Columbiahalle (Zusatzkonzert)
17.03.2018 Berlin, Columbiahalle (Ausverkauft)
23.03.2018 Rostock, Stadthalle
22.-24.06.2018 Scheeßel, Hurricane Festival
22.-24.06.2018 Neuhausen ob Eck, Southside Festival
29.-30.06.2018 Chemnitz, Kosmonaut Festival