Samstag, 21. April 2018

Staring Girl - In einem Bild

Foto: Conny Truman
(ms) Robert Weitkamp, Frenzy Suhr, Jens Fricke, Steffen Nibbe, Gunnar Ennen.
Diese fünf Herren sind die Band Staring Girl.
Die Band Staring Girl hat diesen Freitag (20. April) ihr zweites Album mit dem Namen In einem Bild auf Kombüse Schallerzeugnisse, dem Label der Hamburger Küchensessions, veröffentlicht.
Und die Band Staring Girl hat alles richtig gemacht, ihr Album dieses Jahr im sonnigen Frühling zu veröffentlichen. Denn (weil Kettcar halt letztes Jahr zu überzeugen wussten) somit haben sie extrem gute Chancen, mit In einem Bild das deutschsprachige Gitarrenpop-Album des Jahres heraus zu bringen!
Vor sechs Jahren kam ihr Erstling ans Tageslicht. Seitdem hat sich viel getan bei den Hamburgern, unter anderem hat sich die Besetzung der Band erheblich geändert. Drei Neue sind dabei, die vorher in der Band von Gisbert zu Knyphausen musizierten.
In ähnlichem Klanggewand befinden sich auch die zwölf ausgefeilten neuen Lieder.

Es beginnt wunderbar weich mit Stolpern Taumeln und Laufen und die ersten überzeugenden Takte dieses Albums klingen aus den Boxen: "Die Sonne hoch oben, der Himmel weit, wir laufen auf der Straße." Es wird schnell klar, dass das Songwriting sehr klug und umsichtig ist. Die Schwierigkeit besteht nämlich darin, dem Hörer ein Gefühl von Nähe und Verstandenwerden zu vermitteln auch wenn dieser mit der Handlung des jeweiligen Liedes gar nichts zu tun hat. Das schaffen Bands wie Element of Crime oder ClickClickDecker und zu Recht mit gutem Ruf. Ach, Hamburg, wo zauberst du diese vielen tollen Menschen mit den guten Ideen her?
Spielerischer Bass und Lieder ohne wirklichen Refrain (Vor meiner Tür) behandeln Themen wie Zuhausesein und wegziehen. Es geht unaufgeregt und mit klarem Kopf vorwärts. "Wir leben vorwärts, verstehen rückwärts." Das sind Zeilen, die im wunderbaren Neologismus Matratzenladenneonröhrenlicht verpackt sind. Selten in letzter Zeit so gute getextete Lieder gehört, die das Gefühlsleben und den Alltag so genau und wissend beschreiben und dann in Musik verpacken. Man kommt aus dem lobenden Schwärmen gar nicht mehr heraus.
Diebe Halunken und Leute (warum dieser und der erste Song ohne Komma geschrieben werden, bleibt deren Geheimnis) ist die erste Singleauskopplung des Albums und funktioniert astrein in Verbindung mit dem Video, das eine obdachlose Frau in Hamburg porträtiert: Ansehen und -hören (s.u.) ist Pflicht!

So läuft das Album vorwärts, Steffen Nibbes Stimme klingt rasch so wunderbar vertraut, als ob ein alter guter Bekannter, den man lange nicht gesehen hat, Weisheiten aus einem Leben erzählt, das viel durchgemacht, daraus gelernt hat und in sich ruht. Da ist kein Kitsch, angenehm wenig Pathos und viel Wahrheit.
In einem Bild ist ein wahnsinnig überzeugendes Album, das in diesem Jahr nun seinesgleichen suchen wird. Dieses Vorhaben wird schwer werden, denn Knyphausen hat auch im letzten Herbst veröffentlicht und ad hoc ist da erstmal niemand, der ihnen das Wasser reichen kann.
Daher sollte man sich das ganze auch live antun, ein leckeres Kaltgetränk währenddessen zu sich nehmen und dann ganz weit und tief in die Texte eintauchen. Hier bestehen die kommenden Gelegenheiten:

20.04.18 Hannover - Café Glocksee
01.06.18 Hamburg - Hamburger Küchensessions gehen raus
15.06.18 Whatever Happens Festival
01.09.18 Dresden - The Sound of Bronkow Music Festival



Freitag, 20. April 2018

KW 16, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: 16winsaring.com
(ms/sb) "Wenn es warm ist, machen die Deutsche ein Feuer an." Diesen guten und wahren Satz hat vor Jahren meines Wissens nach mal Dieter Nuhr gesagt. Nun kann man von ihm halten, was man will, der Satz bleibt stark. Denn in der ganzen Republik wird wieder zentnerweise totes Fleisch auf den Grill geschmissen wie nicht gescheit und am besten noch am See um das glühende Dreibein herumgetanzt.
Da lobe ich mir ja einige Supermärkte, die gekühlte Feierabend-Sixpacks im Angebot haben, so macht ein lauer Abend im Park, am See, im Garten oder irgendwo anders draußen doppelt viel Freude. Und welches ist eigentlich der passende Soundtrack, wenn man die warmen Sonnenstrahlen im Freien genießen möchte? Wer Tipps und Anregungen hat, kann uns gerne in Kenntnis setzen. Wir versuchen das dann in die Tat umzusetzen. Ihr könnt unterdessen gerne hier reinhören, Neues ist ja immer herzlich willkommen!

Black Heino
Bei dem Namen kann man gar nicht anders als aufmerksam zu werden. Black Heino. Wer sich das ausgedacht hat, muss ein wahres Genie sein. Allerhöchstens Voodoo Jürgens kommt an solch einen Einfall noch heran! Wie soll man den Sound der vier Berliner am besten beschreiben? Keine Ahnung, hört es euch an und werdet überzeugt. Am 25. Mai erscheint auf Tapete Records ihre neue EP mit vier neuen Tracks und dem einfallsreichen Titel Fear Of A Black Heino. Spürt ihr die angsterfüllte Gänsehaut...? Genau!




Ghost
Ach, man kann ja von dem schwedischen Masten-Projekt halten was man will, in erster Linie ist es große Unterhaltung mit ordentlich Wumms. Mit der letzten EP Popestar haben sie sich zunehmend in Richtung 80er-Jahre-Hardrock entwickelt. Tobias Forge und seine namenlosen Mitstreiter nehmen sich zusehends nicht ernst und liefern dennoch ordentlich ab. Das warten auf einen neuen Longplayer hat nun ein Ende: Prequelle erscheint am 1. Juni und bringt zehn neue Songs mit sich. Rats ist die erste Singleauskopplung, spart nicht mit Ohh-Ohh-Gesängen und der neue Frontsänger Cardinal Copia zeigt, dass er ein geborener Tänzer à la Michael Jackson ist. Bringen sie den Hardrock wieder auf die großen Bühnen?! Wir bleiben dran!




Audiolith
Seit wann kündigen wir hier denn ein ganzes Label an? Na, wenn es Geburtstag hat und auch anständig feiert. Audiolith begleitet uns schon seit vielen Jahren und brachte uns fulminante Bands wie Frittenbude, Egotronic, Neonschwarz, Waving The Guns oder Feine Sahne Fischfilet. Große Erinnerungsmomente fallen auch auf die begrabenen Bratze. Hach...
Am 1. Juni wird im Schanzenzelt in Hamburg aufgelegt. Unter dem Motto Fuck The Pullis werden Neonschwarz, Milli Dance & Pöbel MC, Haszcara und DiscoCtrl. Man kann davon ausgehen, dass Lars Lewerenz und Co. sich noch einige Überraschungen ausgedacht haben. Alle hin da!



And The Hurley Sea
Wir sind beim Thema "Entspannte Musik mit schönen Menschen hören". Dazu gehört ab jetzt definitiv Shiver der Berliner Band And The Hurley Sea. Das Trio ist seit Ewigkeiten miteinander befreundet. Jetzt stellt sich die Frage: Kann man das hören? Wir sagen einfach mal: Ja, definitiv. Denn so etwas wie Harmonie, Vertrautheit und gute Abstimmung lässt sich durchaus vertonen und das ist den dreien extrem gut gelungen. Drummer Steffen Wilmking kennt man außerdem als Produzent (Casper) und Mischer von den Donots und Trommler der H-Blockx. And The Hurley Sea stimmen ruhigere, aber extrem schöne, sehr ausgewogene Töne an. Am 1. Juni erscheint das Album The Unknown Arriving.





The Esprits
WAS! EIN! FUCKING! BRETT! Aus der niedersächsischen Provinz (mit Verlaub!) beehren uns The Esprits und hauen mit Men's Business (VÖ: 18.05.) ein Album raus, das gar nicht weiß, wohin mit all der Energie. Sehr. sehr stark - und als Album noch viel eindrücklicher und intensiver, als wenn man sich hie und da mal einen einzelnen Track anhört. Und wenns aus der Autobahn mal ein bisschen schneller gehen darf: hier ist der Soundtrack dazu!




Egokills
Ebenfalls am 18.05. erscheint Mellowhead, das neue Album der finnischen Band Egokills. Als "Hippie Metal" bezeichnen sie selber ihren Stil und das triffts ganz gut. Ich komme ums Verrecken nicht drauf, an wen mich die Stimme von Sänger Janne Selo erinnert, aber sie weckt positive Erinnerungen an die Zeit, als meine Musiksammlung noch deutlich mehr Metal als heute beinhaltete. Vermutlich ist das nicht die passende Musik für jede Tag- und Nachtzeit, gut gemacht ist sie allerdings schon: die Riffs haben einen ordentlichen Groove, die Melodien gehen ins Ohr und live verspricht das Ganze viel Spaß.



Donnerstag, 19. April 2018

St. Michael Front - End Of Ahriman

Foto: Anke Schmidt
(ms) Diesen Freitag erscheint ein Album mit dem Namen End Of Ahriman auf dem wunderbaren Label Staatsakt. Die dazugehörige Band nennt sich St. Michael Front und tut höchst mysteriös. Denn wer die beiden genau sind, ist nicht ganz klar und tut auch irgendwie nicht viel zur Sache. Tiefblickender ist ihre Inszenierung mit Band- und Albumname und der damit einhergehenden Beschäftigung mit religiös-spirituellen Dingen. Denn zwei Fragen müssen unter allen Umständen geklärt werden, bevor sich mit der Platte als musikalischem Werk gewidmet werden kann. 1.) Was ist Ahriman? 2.) Wer ist der Heilige Michael? Und dann kann man möglicherweise eine dritte Frage hinterher schieben: Was soll der ganze Quatsch?
1.) Ahriman ist entweder ein Zustand oder ein irgendwie geartetes Geistwesen. Der Begriff taucht sowohl im Zarathustrismus als auch in Rudolph Steinars Anthroposophie auf. An die Lehren von Zarathustra glauben heute laut Onlinelexikon noch gut 150.000 Menschen weltweit. Für die Waldorfschulen Steinars gibt es viele gute Gründe, seine sonstigen Ansichten seien mal dahin gestellt. Ahriman ist bei beiden etwa das Ende der zerstörerischen Kräfte. Dafür ist
2.) der Heilige Michael verantwortlich, der in christlicher, jüdischer und muslimischer Tradition den Teufel niederringt. Im Neuen Testament kann man das in der Offenbarung nachlesen. Wer sich damit allerdings auskennt, weiß, dass es sich dabei um einen sehr verwirrten und höchstgradig eigenwilligen Text handelt, der nur schwer wörtlich zu nehmen ist und wohl auch nicht Johannes zuzuschreiben ist. Da war wohl ein Trittbrettfahrer unterwegs.

Klar, das klingt jetzt mysteriös und daher irgendwie reizvoll. Das Duo hat hinter diesem Themenvorhang zwölf Lieder zusammengestellt, die sich allesamt mit Michaels Sieg und dem Ende des Zerstörerischen befassen. In Zeiten von hoher Beweglichkeit im internationalen politischen Milieu ein willkommener Gruß und ein kreativer Einfall.
Und wie klingt das ganze? Die Assoziation zur Apokalypse oder dem Sieg über das Böse kann man häufig im Metal oder Gospel finden. Nein, beides ist hier nicht der Fall. Eher harmlos aber durchaus zuversichtlich ist ihre sphärische Gitarrenpopmusik. Direkt zu Beginn (Lucky Prince) setzen Bläser, Akustikgitarre, Schlagzeug, zupfende Geigen und hymnischer Gesang ein. Was sind die Referenzen? Ein seltsamer Mix aus Get Well Soon, Depeche Mode, George Michael und den ruhigen Metallica vielleicht? Wer weiß...?!
Der Charakter des Endzeit-Projektes macht sich hauptsächlich in den Texten bemerkbar statt in der Instrumentalisierung, auch wenn Synthies, Pauken und Glocken in Rifles And New Gods an kirchlichen Klang erinnern mögen, doch die Dramatik fehlt noch etwas. Klarer werden die Konturen auf Doom Of Your Living Room, wo Trompeten und Snares einen Marsch einleiten, der zwar düster aber wenig bedrohlich klingt. Michael lässt grüßen. Spätestens bei Once kann man auf die Idee kommen, dass die St. Michael Front den Soundtrack zu einem nicht existierenden Film geschrieben hat. So gesehen ist es halt phasenweise kongenial, auch wenn der Sound insgesamt wenig Abwechslung bietet. Das ändert sich zum Ende hin mit Higher Source zum Glück. Bis dahin wabert das Album ein wenig vor sich her. Denn plötzlich hört man einen 80s-Revival-Klang, mit dem unter anderem Drangsal in jüngster Vergangenheit schon für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. damit hat man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zwingend gerechnet und kommt erfreulich daher, um für die letzten beiden Lieder etwas einzudösen.

Irgendwie war bei diesen pompösen, mysteriösen und in ihrer Gesamtheit vielversprechenden Ankündigungen mehr zu erwarten. Insbesondere deshalb, da sie bei Staatsakt unter Vertrag stehen, die ja sonst hochinteressante Bands und Projekte wie Bonaparte, Die Sterne, Fraktus, Klez.e, PeterLicht, Lambert oder Albrecht Schrader im Angebot haben.
Eventuell kommt der Kampf Gut gegen Böse ja live beeindruckender rüber, ansonsten verbleibt nach mehrmaligem Hören eher Schall und Rauch.

24.05.18 Köln - Blue Shell
25.05.18 Berlin - Acud
26.05.18 Hamburg - Molotow Sky Bar





Mittwoch, 18. April 2018

Clara Luzia - When I Take Your Hand

Foto: Christoph Liebentritt
(ms) Die österreichische Popkultur wird seit Jahren von zwei großen Namen dominiert, die wir halt auch sehr mögen: Wanda und Bilderbuch. Selbst geniale Künstler wie Voodoo Jürgens oder Der Nino aus Wien haben es bei den beiden Platzhirschen schwer, insbesondere in Deutschland bekannter zu werden. Auf längere Zeit vorher haben das bislang Naked Lunch geschafft, wenn man den Bereich Indie betrachtet.
Da muss man eigentlich gar nicht Clara Luzia fragen, wie sie sich fühlt zwischen diesen ganzen Bands. Doch ihr Erfolg ist dennoch bemerkenswert. Zu ihrem neuen Album When I Take Your Hand, das kommende Woche Freitag (27. April) erscheint liefen ausgekoppelte Songs bereits zwischen Polen und Spanien im Radio. Und wie man das heutzutage macht, veröffentlicht sie auch auf dem eigenen Label Asinella Records.

Da wir vom Vorgänger Here's To Nemesis schon enorm angetan waren, kam die Info zum neuen Album genau richtig! Nur neun Songs sind drauf. Dem entsprechend kurz aber auch angenehm kurzweilig sind die Lieder ausgefallen und bewegen sich zwischen temporeichem Gitarrensound und angenehmer Melancholie.
Der Opener On The Street geht stark los mit schönen, schrammeligen Gitarren, treibendem Bass und dem guten Einfall, statt zu Beginn gesanglich direkt alles zu geben, eher zu sprechen. Nach kurzem Überlegen fällt auf, dass es im Stil grobe Ähnlichkeiten zu Nada Surfs Popular gibt. Warum nicht mal einen großen Vergleich ziehen, es ist ein wirklich starkes Lied! Genau so rockig und gewollt unperfekt im Sound geht es weiter. Klanglich wird der Bogen zum feinen Vorgänger gezogen. Mit Mikrophonen kenne ich mich nicht aus, aber Bold Move klingt nach herrlichem 80/90s Retrosound - retro hier im besten Sinne verstanden. Der Stil fernab vom Glattproduzierten erfreut richtig.
Nach gitarrenlastigen Startern geht es mit Running Out etwas ruhiger zu. Die Zeile "Don't You See That Time Is Running Out" passt zur melancholisch-andächtigen Atmosphäre. The Story Of You And Me ist ist ein Bekenner- und Liebeslied an ihre Frau und Schlagzeugerin Catharina. Die nachdenkliche, aber irgendwie mit einem leichten hoffnungsvollen Schimmer ausgestattete Stimmung wird dadurch offensichtlich, dass ausschließlich Gitarre und etwas sphärisches wie Cello zu hören sind: Schön! Mit When The Streets nimmt das Album auch wieder Tempo auf. Das heißt jedoch nicht, dass es bis hier her langweilig gewesen ist. Die Bandbreite an Klang ist ein toller Beweis für ein extrem gut beherrschtes Handwerk! Mood Swing ist noch so ein richtig großer Hinhörer, der anschließend von Survival getoppt wird: ein dunkler, klarer Bass und die sprechende Stimme vom Anfang ist wieder da, die sich im Refrain rauf und runter windet. Dieser Song ist so brilliant komponiert, dass er locker das Herzstück des neuen Albums von Clara Luzia ist.

Enden tut das Album mit einem weiteren Einblick in ihr Seelenleben. Auf I Remember You verarbeitet sie den Tod ihrer Urgroßmutter. Aber als Österreicherin hat sie die Ader zum Morbiden sicher in die Wiege gelegt bekommen.
Mit sanften Tönen klingt das Album aus. War es doch zu kurz?
Nein, auf keinen Fall! Wer mehr von ihr haben will, kann sich ja einfach ihre vorherigen Alben und EPs anhören. Ein einfaches Mittel. Für Fans und die, die bei der Österreicherin reinhören wollen, ist When I Take Your Hand eine extrem gute Wahl und sei hiermit ans Herz gelegt.

Passend dazu geht es kommende Woche auf Tour:

28.04. - München, Feierwerk
29.04. - Dresden, Ostpol
30.04. - Leipzig, naTo
01.05. - Hamburg, Kukuun
02.05. - Berlin, Kantine Berghain
04.05. - Nürnberg, MUZclub
05.05. - Traunstein, Café Festung
09.05. - Innsbruck, Treibhaus
10.05. - Graz, Orpheum
11.05. - Salzburg, Arge
12.05. - Linz, Posthof
23.05. - Wien, Arena
09.06. - Mürzzuschlag, Kulturhaus
26.10. - Vöcklabruck, OKH



Freitag, 13. April 2018

KW 15, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: cmo.com
(ms) Tja, wie lebt es sich in Münster nach dem Zwischenfall am letzten Samstag?
Eigentlich wie sonst auch, wenn man nicht in unmittelbarer Nähe zum Tatort wohnt. Das Wetter am letzten Wochenende war hervorragend und zum Sonntagabend hin waren die saftig grünen Wiesen um den Aasee reich bevölkert zum Grillen und Biergenuss.
Na klar, es ist zurecht Gesprächsthema und es gab wohl auch viele Schaulustige, die vor Ort gegafft haben. Doch was wollten sie sehen? Einen Blumenkranz und Kerzen? Das war immerhin das einzige, was zu sehen war. Die beiden Gaststätten haben wieder geöffnet, die Außenbereiche sind weiter gesperrt. Der Täter war anscheinend und leider so verzweifelt und verwirrt, dass er sich anders nicht zu helfen wusste. Das ist tragisch und furchtbar.
Die Stadt lässt sich nicht davon beeindrucken. Das Leben geht genauso frühlingshaft weiter, wie das Wetter es erfordert. Dafür haben wir auch noch den ein oder anderen Track!

Jordan Prince
Von New Orleans nach München. Das ist der Weg von Jordan Prince. Kann man machen. Und leichtfertig kann man behaupten, dass das mal wieder ein feiner Folkgitarrenkünstler ist. Doch wer sein erstes Album 12 Songs for 12 Friends nennt, hat was zu erzählen. Zuhören sollte man ihm. Was er uns sagen will ist ganz einfach und doch so wichtig: Der immens große Wert von Freundschaft. Manchmal wird es traurig-melancholisch, doch stimmlich hat er viel zu bieten. Am 25. Mai erscheint das Album. Hier gibt's mit Stars einen ersten Vorgeschmack:

28. April - Stade, Hanse Song Festival
31. Mai - München, Milla
30. Juni - Ebersberg, Straßenfestival Poing



Lässing
Irgendwas stimmt hier nicht, oder?
Genau, es fehlt noch ein richtig gutes Rockbrett. Dafür sind in dieser Ausgabe Lässing verantwortlich. Das Trio kommt aus Landshut und haben Schmackes dabei! In ihrem Sound vereinen sie die besten Seiten der frühen Madsen, sodass es nicht verwunderlich ist, dass sie von den guten Montreal gefragt wurden, ob sie mit auf Tour kommen wollen. Irgendwas ist los mit uns kann man nun hören und ist hoffentlich der feine Vorgeschmack auf ein Debutalbum, das sich gewaschen hat. Wir überzeugen uns dann beim Open Flair davon!

19.04. Frankfurt - Nachtleben (Support von Montreal)
20.04. Saarbrücken - Kleine Garage (Support von Montreal)
21.04. Tübingen – Sudhaus (Support von Montreal)
19.07. Cuxhaven - Deichbrand Festival
12.08. Eschwege - Open Flair Festival
17.08. Georgsmarienhütte - Hütte Rockt Festival




Illustrators
Wir versuchen hier wöchentlich, Euch aus einem Pool an Mails das Schönste, Hörenswerteste und vielleicht auch Bekloppteste herauszusuchen, was uns so zugeschickt wird. Umso schöner, wenn das direkt von kleineren Bands passiert. Die unterstützen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten natürlich gern.
Extrem hörenswert und richtig schön im Klang sind die Illustrators aus der Gegend um Würzburg. Your Fire von ihrer EP Gap The Mind, die am 27. April erscheinen wird, ist funky, geht in Indietronics rein und lässt hoffentlich bald Menschen dazu fleißig tanzen. Die tolle, kräftige Stimme gepaart mit dem locker-luftigen Sound ist eine wirklich gute Mischung und gefällt sehr. Wir halten Euch auf dem Laufenden! Hört Euch das live an, das könnte richtig, richtig gut werden:

25. Mai - Fulda, Hochschule
02. Juni - München, StuStaCulum
09. Juni - Rottershausen, Ab geht die Lutzi Festival
23. Juni - Würzburg, Umsonst & Draußen
29. Juni - Nürnberg, Bardentreffen
20. Oktober - Hamburg, Freundlich und Kompetent



HÄXXAN
Retro. Retro. Retro. Manchmal abgegriffen. Manchmal richtig geil.
Letztere Kategorie trifft auf HÄXXAN zu. Das Trio kommt aus Tel Aviv und lebt nun in Berlin, wo auch sonst - erste Kategorie. Sie machen temporeichen Schrammelrock, der extrem gut ins Ohr geht und insbesondere Between The River And The Sea lässt einen nicht mehr los, der Refrain ist so herrlich eingängig, dass es knallt und dann halt auch nach zwei Minuten vorbei. Für mehr Spieldauer kommt am 2. Mai ihr zweites Album ans Tageslicht und heißt The Magnificent Planet of Alien Vampiro II. Wir sagen: Kann man machen!

02.05. - Wiesbaden, Schlachthof
03.05. - Köln, Gebäude 9
10.05. - Berlin, Urban Spree
25.05. - Konstanz, Horst
26.05. - Schaffhausen, TapTab
28.06. - Lärz, Fusion Festival
03.07. - Leipzig, UT Connewitz
04.07. - Hamburg, Uebel & Gefährlich
27.07. - Hauptmannsgrün, L*Abore Festival
28.07. - Negenharrie, Off The Radar Festival
10.08. - Frauenfeld, Out In The Green Garden Open Air
11.08. - Sinzendorf, Void Festival

Donnerstag, 12. April 2018

Anna von Hausswolff - Dead Magic

ytimg.com
(ms) Anna von Hausswolff kommt aus Schweden und spielt Orgel. Das ist erst einmal nichts Besonderes. Doch wie kann es angehen, dass sie damit im alternativen Indie-Hardrock-Bereich so erfolgreich ist? Sie spielt seit Jahren Tourneen in Europa und den USA und nicht wenige ihrer Auftritte sind ausverkauft.
Vor einem Monat ist zudem via City Slang ihr viertes Album Dead Magic erschienen. Ein Grund für ihren Erfolg kann man darin sehen, dass sie das eher kirchliche Instrument so gut beherrscht und in andere Klangsphären mitnimmt, dass sie durch das Genre, das sie bedient, Aufmerksamkeit erregt. Sie ist das Gegenstück zu Cameron Carpenter, der eher ein krasser Virtuose ist und die klassische Musik durch seine Spielweise und seinen Auftritt zu erschüttern versucht. Ganz so wild und extravagant geht es bei Anna von Hausswolff nicht zu.
Ihre Musik in ein Wort zu fassen ist dabei schier unmöglich: Orgelrock? Das klingt doch nicht passend. Es würde auch dem mystisch-dunklen Charakter ihrer Songs nicht gerecht.

Vor acht Jahren erschien ihr erstes Album Singing From The Grave. Die Faszination zum Tod und zur dunklen Seite des Lebens kommt schon im Titel durch. Statt Orgel hat sie darauf jedoch Klavier gespielt und zum Teil auch noch auf schwedisch gesungen. Das änderte sich drei Jahre später mit Ceremony. Da hat sie das "neue" Instrument erstmals richtig in Szene gesetzt. Doch sie war noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Klang. Damit hat sie weiter auf The Miraculous experimentiert, das noch ein ganzes Stück krasser und phasenweise schwer zugänglich war.
Dead Magic ist nun das Ergebnis einer Suche. Der Suche nach dem, was sie selbst gerne machen will. Das hat sie uns natürlich nicht persönlich verraten, aber es klingt offensichtlich genau danach. Der Klang ist klar, stark ausgerichtet und harmonisiert gut mit sich selbst. Die fünf Tracks erstrecken sich auf 47 Minuten, auch diese Verteilung an Zeit zu Liedern ist neu, aber es passt hervorragend.

Es sind fünf Kapitel, die durchstreift werden und den aufmerksamen Hörer mit auf eine tolle Reise nehmen. The Truth, The Glow, The Fall beginnt ruhig und klar: warmer, dunkler Wohlfühlorgelsound kommt aus den Boxen, im Hintergrund rauscht es ein wenig. Nach einer Minute kommt so etwas wie eine Melodie, eine halbe Minute später der feine Gesang: "After the fall, I'll find you." Einzelne Gitarrenseiten sind zu hören und Glockenklänge, die den Percussionpart übernehmen. Der Klang ab 3:30 ändert sich. Nun gibt's ein richtiges Schlagzeug und der Pfeifensound ertönt so, als ob das Aufnahmegerät direkt neben dem Instrument stand: stark! So mäandert der Track vor sich hin. Vier Minuten später hat es den Anschein, das Lied sei zu Ende: weit gefehlt, denn Spiellänge ist 12:07! Die restliche Zeit bleibt er im Ungefähren, was seltsam faszinierend ist und doch so einleuchtend, wenn man sich nochmal anschaut, wie das Lied heißt.
The Mysterious Vanishing Of Electra ist die erste Singleauskopplung und daher auch etwas kürzer (6:08). Zu einem prägnanten Rhythmus gesellt sich erneut ihre schöne, kraftvolle Stimme. Überraschend wird es dann, wenn sie hoch und lang schreit, eine herrliche Gänsehaut macht sich breit. Das Video - von ihrer Schwester Maria gedreht - könnte passender nicht verlaufen (s.u.).
Es geht weiter mit Ugly And Vengeful und dem absoluten Höhepunkt des Albums, nicht nur damit, dass das Lied über eine Viertelstunde geht, sondern die irre Dramatik dominiert. Anhören ist also Pflicht und bitte, bitte die Boxen schön laut aufdrehen! Allein der Vorspann dehnt sich auf  zweieinhalb Minuten, doch es wird in keinem Takt langweilig, sondern Spannung wird aufgebaut. Erst nach sage und schreibe sechs Minuten geht's los, dann aber so richtig. Aber: Anhören, ich will nicht zu viel verraten und auch nicht zu große Erwartungen schüren.
Dass das Album danach austrudelt, würde den letzten beiden - verhältnismäßig kurzen Liedern - nicht gerecht werden. Doch setzen The Marble Eye und Källans Återuppståndelse (Die Quelle der Wiederauferstehung) nicht so starke Ausrufezeichen wie die drei Tracks zuvor. Das erste ist jedoch herrlich instrumental und zeigt ihre Stärke am Instrument. Das letztere eine Anspielung ihrer beiden Källan-Veröffentlichungen, die m.W. Livemitschnitte aus Kirchen sind.

Dominiert wird Dead Magic von den ersten drei Tracks.
Doch ist die Magie tot?
In keinem Fall! Sie wird mit diesem furiosen, vielseitigen und fantastischen Album aufrecht erhalten. Ein tolles Werk.


Am 15. August spielt sie in der Kulturbrauerei Berlin!



Freitag, 6. April 2018

KW 14, 2018: Die luserlounge selektiert

international14.de
(ms/sb) Ist es jetzt so richtig abgeklatscht einen Beitrag zu schöner Musik und Neuigkeiten mit dem Wetter zu starten à la: Der April macht was er will? Ach, geht wohl schon, oder? Der Frühling lässt zumindest noch ein wenig auf sich warten. Ja, ich weiß, am Wochenende soll die 20-Grad-Marke geknackt werden, doch das soll erstmal konstant so bleiben. Gerade hier in Westfalen ist das immer sehr ambivalent. Da kann die Vorhersage und Paulus' Güte noch so groß sein, hier regnet es so gut wie immer. Daher ist das wichtigste Utensil im Alltag auch die Regenhose!
Apropos April: Hat irgendjemand einen richtig guten Aprilscherz mitbekommen? Manch einer ist ja von einem normalen präsidialen Tweet gar nicht zu unterscheiden. Elon Musk soll bekannt gegeben haben, dass sein Unternehmen insolvent ist? Bei aller Innovation und Hochnäsigkeit ist das einfach eine unglaublich dumme Idee. Daher: Augen auf und Boxen aufdrehen. Vielleicht bringen ja die ein oder anderen Töne den Frühling in eure vier Wände.

Swiss & Die Andern
Am 17. August erscheint das neue Swiss & Die Andern-Album Randalieren für die Liebe. Aller Voraussicht nach könnte das ein massives Brett im harten Punkrockgebiet werden. Gerne erinnere ich mich an deren Auftritt beim Deichbrand Festival im letzten Jahr. Wahrscheinlich war ich noch nie in einem energiegeladeneren Moshpit als dort. Das war einfach ein Fest.
Fürs Ankündigen haben sie sich eine kleine Videoreihe ausgedacht, in dem sie ihr "Hit-Album" und den lag ersehnten "Durchbruch" ankündigen. Der gewollte Humor ist allerdings so enorm flach und vorhersehbar, dass sie sich lieber aufs musizieren konzentrieren sollten.
Im Herbst/Winter gibt's das dann live:

26.10.18 - Hannover, Musikzentrum
27.10.18 - Düsseldorf, Zakk
09.11.18 - Berlin, SO36
10.11.18 - Dresden, Beatpol
29.11.18 - Zürich, Dynamo
30.11.18 - Nürnberg, Hirsch
01.12.18 - Chemnitz, AJZ
07.12.18 - München, Backstage
08.12.18 - Stuttgart, Hallschlag
09.12.18 - Frankfurt, Batschkapp
15.12.18 - Hamburg, Große Freiheit 36 (Ausverkauft)



Hyperkid
2004, das ist vierzehn Jahre her. Da hat Roman Fischer sein Debutalbum Bigger Than Now herausgebracht. Zarte, wundervolle Gitarrenpopnummern haben sich darauf die Klinke in die Hand gegeben. Der Nachfolger Personare ging in eine viel dramatischere, aufgeladenere Richtung und hat richtig zu überzeugen gewusst, das letzte 2010er Album war eine Hommage an den großen Pop. Danach war Stille und der Rückzug aus dem Musikgeschäft, in dem er nie so wirklich erfolgreich war.
Und nun ist Roman Fischer wieder da, hat neue Kreativität geschöpft und das Projekt Hyperkid ins Leben gerufen. Es ist ein Mix aus autodidaktischen Visuals und sphärischem Klang. Das hat mir dem alten Roman Fischer nicht mehr viel zu tun, macht aber enorm neugierig. Sollte man sich ansehen und gut finden:



Manic Street Preachers
Großer Name, große Band, große Vorab-Singles, große Erwartungen - und jetzt: große Ernüchterung! Leider hält Resistance Is Futile nicht mal ansatzweise das, was ich mir von dem Album versprochen hatte. Klar, ein paar Perlen sind darauf durchaus zu finden, aber völlig ungewohnt für die Manic Street Preachers eben auch etliche Skip-Tracks. Die Zeit der ganz großen Hymnen à la „Motorycle Emptiness“ oder „A Design For Life“ scheint vorbei und hinterlässt mich als langjährigen Fan mit Trauer, weil ich weiß, dass die Waliser deutlich mehr können, als sie auf ihrem neuen Longplayer zeigen.



Makk
Hört man die Single On And On vom Dresdener Makk, so denkt man in den ersten Momenten vielleicht an Enigma. Ne, nicht an die Rechenmaschine, sondern dieses Musikprojekt aus den 90er Jahren. Danach setzen jedoch feine Beats ein, die an die 80er und dem Sound von Roosevelt erinnern. Hinter Makk verbirgt sich Philipp Makolies. Der hat seine musikalischen Spuren bereichts bei Polarkreis18 oder Enno Bunger hinterlassen. Dieser lockere Klang könnte ein Begleiter im Sommer werden. Am 11. Mai erscheint seine erste EP mit dem Namen Midlife Dreams auf Royal Tree Records.



Ólafur Arnalds

Ach, ihr Skandinavier. Ihr habt uns immer so unglaublich schnell gepackt. Und bei Ólafur Arnalds ist es wieder einmal so. Die neue, heute erschienene Single re:member berauscht an Innovation. Gleich drei Klaviere, ein Streichquartett, Schlagwerk und das notwendigen Equipment an Synthesizern inszenieren hier einen wundervollen, warmen Klang, der zum Eskapismus verführt. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen, außer das ein Klick aufs Video absolute Pflicht ist und er seinen Status im Bereich der Neo-Klassik nochmals unterstreicht!

05.10. - Hamburg, Elbphilharmonie (Ausverkauft)
07.10. - Wiesbaden, Kurhaus
08.10. - Ludwigsburg, Forum
10.10. - Leipzig, Gewandhaus
11.10. - Berlin, Tempodrom
15.10. - Linz, Posthof
17.10. - Zürich, Volkshaus

Donnerstag, 5. April 2018

EELS - The Deconstruction


Mark Oliver Everett (Foto: Gus Black)
(sb) E. E wie „extravagant“. E wie „exzellent“. E wie „exzentrisch“. E wie „Einzelkämpfer“. E wie „Everett“, genauer gesagt: Mark Oliver Everett. Der gerade noch so 54-jährige Amerikaner ist das Gehirn, das Mastermind und das Herz der Band EELS, die morgen ihr neues Album The Deconstruction veröffentlichen wird und dabei genau dort ansetzt, wo sie bei ihren bisherigen Veröffentlichungen aufgehört hatte.

Ja, Mark Oliver Everett ist ein komischer Kauz, aber das scheint bei ihm durchaus familiär bedingt zu sein. Sein Vater war der Quantenphysiker Hugh Everett III, der Begründer der Viele-Welten-Interpretation, schwer alkoholabhängig, Kettenraucher und extrem übergewichtig. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für den kleinen E, um eine Karriere als Musiker anzustreben, sollte man meinen, aber wahrscheinlich waren es genau diese Umstände, die dazu führten, dass Everett zu dem Meister der Melancholie wurde, als der er heute bekannt ist. Er war es, der seinen Vater nach dessen Herzinfarkt tot auffand, kurz vor der Veröffentlichung des EELS-Debüts Beautiful Freak (1996) beging seine Schwester Suizid und bei seiner Mutter wurde Krebs festgestellt. Diese Ereignisse inspirierten ihn zum Album Electro-Shock Blues, das im Jahr 1998 veröffentlicht wurde.

Erst 2000 folgte mit Daisies Of The Galaxy ein deutlich fröhlicheres Album, der Grundtenor in Everetts Musik ist jedoch seit jeher ein düsterer und trauriger und hier sehe ich auch die große Stärke von EELS. Diese tiefe, melancholische Stimme, die häufig aufgrund fehlender Wärme auch die Existenz von Empathie jeglicher Art in Frage stellt, ist charakteristisch, ein Alleinstellungsmerkmal und für mich als EELS-Hörer der ersten Stunde immer wieder ein Grund, die Alben aus dem Schrank zu holen. Für mich ist Everett mehr Geschichtenerzähler denn Sänger, ein hervorragender Beobachter, der seine Sicht der Dinge, seine Visionen und seine Umwelt wie kaum ein zweiter in Worte fassen kann.
 
Dass der Pressetext zum neuen Album sich essentiell von dem unterscheidet, was man von anderen Releases gewohnt ist, überrascht wenig. Eine Kostprobe:
 
„We could do the usual record company „bio“ about this new record,
but, seriously …who gives a fuck.
The world is a mess. This is just music. Music by someone who tends to believe
that change starts in your own backyard.
I’m just optimistic enough to believe that kind of thing can still help people.
Here are 15 new EELS tracks that may or may not inspire, rock, or not rock you. The world is going nuts. But if you look for it, there is still great beauty to be found.
Sometimes you don’t even have to look for it. Other times you have to try to make it yourself. And then there are times you have to tear something apart
to find something beautiful inside.”

Und natürlich hat Everett Recht mit dem, was er da schreibt. Man muss die Augen offen halten, neugierig und mutig auf Dinge zugehen und darf sich nicht von den Nachrichten, Entwicklungen und der Politik demotivieren lassen. Zu behaupten, dass The Deconstruction ein positives Album sei, wäre mit Sicherheit vermessen, aber es ist eins, das Mut macht, das einem klarmacht, das man in seinem Umfeld durchaus etwas zum Besseren bewegen kann und nicht in Lethargie versinken sollte.

Dass Tracks wie Premonition, There I Said It und Sweet Scorched Earth auch als Einzelsongs mit zum Besten gehören, was Everett bisher aufgenommen hat, ist nur ein angenehmer Side Effect dieser rundherum gelungenen und hörenswerten Scheibe, die mein bisheriges Lieblings-EELS-Album Shootenanny! (2003) aus dem Stand von der Spitzenposition verdrängt hat.

Auch live sind EELS jederzeit ein Erlebnis und Ihr habt demnächst die Möglichkeit, E und seine Kollegen hier zu sehen:

17.06. Mannheim, Maifeld Derby Festival
25.06. München, Tonhalle,
26.06. Köln, E-Werk
28.06. Berlin, Tempodrom
29.06. Hamburg, Mehr!-Theater
16.07. Feldkirch, Poolbar
17.07. Wien, Arena
20.07. Luzern, KKL





 
 

Mittwoch, 4. April 2018

Leselounge: Zwei Tipps

Quelle: edmsauce.com
(ms) Intensiv Musik zu hören ist vielleicht eine der schönsten und bezauberndsten Beschäftigungen, die überhaupt vorstellbar sind. Oft treten dann Gefühle, Stimmungen und Atmosphären auf, die zu anderen Zeitpunkten nie so im Vordergrund stehen. Herrlich, wenn man sie zulässt, erkennt und genießen kann.
Die Königsdisziplin ist, diese mystisch anmutenden Zustände in Worte zu fassen. Bei jeder Rezension und jedem Konzertbesuch ist dies eine neue, schöne Herausforderung. In diesem Geschäft muss man denjenigen Anerkennung schenken, die das extrem gut können. Die Menschen, die den Zauber der Musik beschreiben können. Die, die ekstaseähnliche Momente in Worte fassen und sie mit anderen Menschen teilen. Für die kommenden Stunden in der Sonne oder abends nach der Arbeit oder dem Sport haben wir zwei kleine Tipps, bei denen genau das zutrifft. Und ein Banause ist der, der jetzt gleich sagt, dass er mit klassischer Musik nichts anfangen kann. Zulassen ist hier das Stichwort.

Bach-Artikel im ZEIT-Dossier
Vielleicht war Johann Sebastian Bach das größte Genie im Musikgeschäft, das es je gegeben hat. Dabei ist das Wort Genie wörtlich zu nehmen. Jemand, der aus dem Nichts in Eigenregie eine umwerfende, berührende Kunst schaffen kann, die Jahrhunderte überdauert. Vor 333 Jahren wurde der Maestro geboren. Die Redaktion der ZEIT ehrt ihn mit einem extrem lesenswerten Dossier über sein Werk, die Bedeutung seiner Kompositionen - insbesondere der Matthäus-Passion - und über den immensen Einfluss auf andere. Dass er buchstäblich Leben gerettet hat, hat sich der Dirigent und Komponist sicher nie ausgedacht. Die Verbindung zum religiös Mystischen liegt dann auch auf der Hand. Dieses Stück sollte man sich anhören, empfiehlt der Autor Alard von Kittlitz. Hier ist der Artikel für Abonnenten online zu lesen, der Kauf der aktuellen Printausgabe ist ohnehin lohnenswert.



Roberto Cotroneo - Frag mich, wer die Beatles sind
Zum Glück ist Literatur ja zeitlos. So ist es auch mit diesem Buch aus dem Jahr 2006 vom Italiener Roberto Cotroneo. Der Untertitel verrät eigentlich schon sehr genau, worum es geht: Brief an meinen Sohn über die Liebe zur Musik. Genau das ist es. Auf gut 150 Seiten sammelte Cotroneo Geschichten, Anekdoten und Begegnungen aus seinem Leben, anderen Leben und der Musikgeschichte, um das Faszinierende der Töne, Melodien und Rhythmen greifbar zu machen. Es gelingt ihm erstaunlich gut. Über den dezenten Pathos, der hier und da zwischen den Zeilen durchschimmert, gewöhnt man sich schnell. Und auch wenn man sich mit einzelnen Komponisten, Bands und insbesondere volkstümlicher, italienischer Musik nicht besonders auskennt, sollte man sich drauf einlassen und die übermittelte Stimmung genießen. Denn aus diesem Büchlein strömt viel Leidenschaft mit dem Ergebnis des überaus erfolgreichen Versuchs in der Königsdisziplin: Musikerlebnisse in Worte zu fassen.
Frag mich, wer die Beatles sind erschien im Insel Verlag und ist für 5,90€ gebraucht bei Amazon erhältlich.

Freitag, 30. März 2018

KW 13, 2018: Die luserlounge selektiert!

Bild: www.worldnumerology.com

(sb) Oh nein, der Kollege "ms" weilt im Urlaub und so obliegt mir die Selektion diesmal ganz alleine. Und das, obwohl er doch der Meister der aussagekräftigen, intelligenten und zielführenden Einleitungen ist... Naja, sind ja nur ein paar Zeilen und im Endeffekt kommt es dann ja eh mehr auf die rezensierte Musik an, oder? Und was soll ich sagen: auch in der letzten Woche des ersten Quartals erreichten uns wieder zahlreiche Neuerscheinungen, über die wir Euch kurz und prägnant in Kenntnis setzen wollen.
Los geht's!

George Ezra
Bereits am 23.03. erschien das neue Album von George Ezra namens "Staying At Tamara's". Dank seines Überraschungs-Hits “Budapest” wurde der Brite 2014 quasi über Nacht zum Shootingstar des Jahres. Das Debüt “Wanted on Voyage” war in Großbritannien 2014 & 2015 unter den zehn meistverkauften Alben des Jahres, wurde dort mit 4fach-Platin geehrt, erreichte auch hierzulande Gold-Status und verkaufte sich weltweit über 3 Mio. mal. An diese Erfolge dürfte der Nachfolger nahtlos anknüpfen, denn Radio- und Massentauglichkeit kann man Ezra nun wirklich nicht absprechen. Mir persönlich ist es an vielen Stellen zu belanglos, aber es ist schon erstaunlich, wie ein 24-Jähriger über weite Strecken stimmtechnisch wie ein Mittvierziger klingen kann.


Newmen
Ebenfalls bereits eine Woche auf dem Buckel hat "Delay", die neue Single der Newmen aus Frankfurt. Ganz sanft und leise geht's los, um dann krachend elektronisch über den Hörer hereinzubrechen und ihn auf die Achterbahnfahrt der Gefühle mitzunehmen, die sich zwischen Euphorie, Hochmut und dem steten Wunsch nach Geborgenheit bewegt. Dieser Appetizer macht Lust aufs Album "Soft Ware", das am 04.05.2018 folgen wird.


The Third Sound
"Nine Miles Below" heißt der neue Track des Isländers Hákon Aðalsteinsson, der seine musikalischen Zelte mittlerweile in Berlin aufgeschlagen hat und dort mit seiner Band The Third Sound sein bereits viertes Album aufgenommen hat. Auf "All Tomorrow's Shadows" erwarten Euch Garage Punk, psychedelischer 60's Groove und jede Menge dunkler Gitarrenpop. Hört man nicht alle Tage.




HER
Die Geschichte der französisch-deutschen Band ist eine tragische: bereits seit 2007 musizierten Victor Solf und Simon Carpentier zusammen, den Projektnamen HER wählten sie 2015 und mit der Werbekampagne eines iNfallsreichen US-Konzerns, die ihren Song "Five Minutes" nutzte, waren die beiden Künstler dank knapp 7 Millionen Streams auf Spotify in aller Munde und Gehörgang. Bis dahin alles bestens, doch über den Erfolg legte sich ein unendlich schwarzer Schatten, als Simon seinen über Jahre andauernden Kampf gegen den Krebs im August 2017 verlor.
Zumindest im Geiste unterstützt von seinem Freund begab sich Victor dennoch ins Studio, um das Major Label-Debüt von HER aufzunehmen, das heute erscheint. "Mir ist es nur dadurch möglich, seinen Tod zu verarbeiten. Das hier ist Musik für immer, fürs Leben."
Wie das klingt? Newer Wave meets Pop meets Soul meets Jazz - hört es Euch am besten selber an!

 
Tim Freitag
"Tim Freitag? Oh Gott, bitte nicht schon wieder so ein schwachsinniger Singer-/Songwriter-Scheißdreck á la Bendzko, Gisinger oder Forster!" Soweit zu meinem Gedankengang, als ich den Namen das erste Mal las. Der Klick auf den Youtube-Link erfolgte mit arg viel Widerwille, umso größer dann die Überraschung und Erleichterung, als ich dort keinen weichgespülten Radiopop vorfand, sondern eine Band (also gar keinen Einzelkünstler!), der es gelingt, ein discoeskes Grundgerüst mit treibendem Schlagzeug und Lyrics zu garnieren, die sowohl feinfühlig daherkommen als auch nachhaltig aufwühlen. "Hold On" ist der erste Vorbote für das Album der Schweizer, das für Frühjahr 2019(!) angekündigt ist.


 
 
Kathinka
Aus der norwegischen Stadt Bergen stammen Kathinka und servieren uns mit ihrem selbstbetitelten Album eine sehr bekömmliche Mischung aus Shoegaze und Indie. Die Stimme von Sängerin Annette Kathinka Servan jagt einem dabei ob ihrer Kälte mehr als einmal den Schauer den Rücken rauf und wieder runter. Musikalisch präsentiert sich "Kathinka" (VÖ: 27.04.2018) abwechslungsreich und ich kann mir einige Tracks wunderbar als Untermalung von skandinavischen Krimis und Thrillern à la Kim Småge, Jo Nesbø oder Anne Holt vorstellen.


Sonntag, 25. März 2018

Live: Editors in Münster

monkeypress.de
(ms) Samstag Abend. Konzert. Livemusik. Energie. Ein paar Bier. Und unheimlich gute Menschen.
Perfekter kann ein Abend fast gar nicht starten, durchgeführt werden und schließlich enden.

Dass die großartigen Editors auf ihrer aktuellen Tour zum Album Violence auch in Münster Halt machen, hat mich schon sehr überrascht aber natürlich auch immens gefreut. Denn wie schön, praktisch und gemütlich ist es denn, mit dem Fahrrad zum Gig zu fahern?! Genau!
Gastiert haben sie in der großen Halle Münsterland, in der sonst Veranstaltungen wie Apassionata stattfinden. Da geht es einem erst einmal nachvollziehbarer Weise eiskalt den Rücken runter. Hinten in der Halle waren zwar ein paar Ränge abgehängt, der restliche Bereich jedoch sehr gut gefüllt, sodass bestimmt 2.500 Besucher gekommen sind. Mit der örtlichen Nähe sind auch viele Menschen aus Holland gekommen, das hat man gehört.

Den Abend eröffnet hat die Band Public Service Broadcasting. Das ist eine Konzeptband, die aus drei Musikern besteht. Sie machen wundervolle, energiegeladene Instrumentalmusik zu der sie Videoaufzeichnungen zeigen, die sich am Besten mit dem Oberbegriff "Technischer Fortschritt" zusammenfassen lassen. Dazu hörte man Stimmen aus den dazugehörigen Fernsehbeiträgen oder Radiomitschnitte. Das klingt nach einer innovativen Idee und genauso gut ist das aufgegangen. Es hat nicht lange gedauert und diese schöne Kombination kam sehr gut beim aufmerksamen Publikum an. Sich diese Band als Support mit auf Tour zu nehmen, war eine ziemlich gute Wahl! Insbesondere dann, wenn der Bassist Trompete gespielt hat: Gänsehaut!

Bis dato war der Hauptteil der Bühne mit einem riesigen Vorhang verhüllt. Warum das klug war, sah man, als er gefallen ist. Denn das Bühnenbild war wirklich erstaunlich. Große Skulpturen aus Aluminium oder dergleichen, die ähnlich wie Spinnennetze in die Höhe schossen, flankierten den Bühnenhintergrund. Das Licht, das beim darauffolgenden Konzert ein wichtiger Faktor war, spiegelte sich darin sehr geschickt. Hut ab!
Als die fünf Briten an ihre Instrumente gingen, stiegt natürlich auch die Vorfreude. Zwei Mal habe ich sie schon live gesehen und beide waren extrem gut. Man nimmt ihnen ihre Leidenschaft sofort ab. Hallelujah (So Low) ertönte als Eröffner eines in Erinnerung bleibendes Konzertes. Die ersten ein, zwei Lieder werden ja oft genutzt, um den Ton nochmals auszuloten und anzupassen. Leider haben sie dadurch das Potential dieses Wahnsinnsliedes verspielt. Es hätte später kommen müssen, um sich insbesondere im Refrain vollständig ausbreiten zu können. Dennoch ging es gut los. Ein bisschen mussten sie sich warm spielen, bis ein Feuerwerk aus alten und neuen Hits abgeliefert wurde: Voilence, Magazine, Blood, Munich, An End As A Start, The Racing Rats, No Harm, Ocean Of Night, Papillon, Eat Raw Meat = Blood Drool, Formaldehyde, A Ton Of Love.
Tom Smith wechselte zwischen Gitarren, Synthies und Klavier, taperte so präsent und passioniert über die Bühne, dass man es auch gespürt hat, wenn man nicht direkt vor der Bühne steht. Ihre Qualität haben sie in jedem Takt bewiesen und es wurde ihnen mit ausschweifendem Applaus gelohnt.

Nur zwei Dinge kann man bemängeln. Erstens hätte es phasenweise lauter sein können. Aber nun gut. Zweitens fehlte Smokers Outside The Hospital Door. Was für ein faux-pas, diese Hymne nicht zu spielen. Es hätte ein besserer Rausschmeißer als Marching Orders sein könne. Aber nun gut. Meckern auf hohem Niveau.

Vielen Dank, liebe Editors für einen großartigen Abend!




Freitag, 23. März 2018

KW 12, 2018: Die luserlounge selektiert!

www.pinterest.at
(sb/ms) Die Iden des März haben wir größtenteils unbeschadet überstanden, die Rückkehr des
Winters hinterließ keine größeren Spuren (-5 Grad vorgestern am Bodensee!), die erste Woche nach der Veröffentlichung des großartigen Juse Ju-Albums "Shibuya Crossing" wurde mit Heavy Rotation gefeiert und auch das luserlounge-Postfach hat geglüht, um uns mit allerhand Neuigkeiten zu versorgen. Natürlich ist nicht alles so golden, wie es der jeweilige PR-Text glänzenderweise verspricht, ein paar Perlen waren aber durchaus dabei, auf die Ihr Euch in den kommenden Wochen freuen könnt. International geht's zu, also macht Euch auf was gefasst!

Kaled
Unsere Reise beginnt in der Heimat der luserlounge, in Bayern. Wahrscheinlich dürfte es auch ein Premiere sein, dass wir jemanden featuren, der in einer ARD-Show mit Florian Silbereisen sein TV-Debüt feierte, aber Kaled hat es einfach verdient, denn sein Song "Kennst Mi No" hat mit Schlager einfach nix zu tun. Starke Stimme, guter Sound, interessanter Typ, der eigentlich aus dem Hip Hop-Bereich kommt und schon mit Größen wie Moses Pelham und Harris gearbeitet hat: Kaled macht Pop-Musik der sehr angenehmen Sorte und da ich (sb) derzeit eh viel bayerische Musik höre (z.B. dicht & ergreifend, BBou, Hans Söllner, Konstantin Wecker,...), kommt mir das gerade recht. "Kennst Mi No" wurde am 16.03. veröffentlicht, das dazugehörige und gleichnamige Album des Münchners aus Überzeugung folgt im Spätsommer.



TUYS
Nächster Halt: Luxemburg. Wir hatten die vier Herren aus Differdange kürzlich schon mal auf unserer Facebook-Seite vorgestellt, am 30.03. folgt nun aber endlich auch das Album "Swimming Youth", mit dem TUYS pop-rockig zwischen den KYTES und den Wombats einfedern und sehr viel Spaß machen. Kleines Land, große Musik; hoffentlich nimmt die Musikwelt Kenntnis von den TUYS, die sich bereits aus Schulzeiten kennen und zusammen musizieren, seit sie 10 waren. Zusammen vom Kind zum Indie-Geheimtipp werden - traumhaft!



Der Butterwegge
Zurück nach Deutschland und rein in den Ruhrpott: Der Butterwegge hat nicht nur die Musikrichtung Alko Pop erfunden und betreibt eine Kneipe in Duisburg, sondern hat sich auch dem Fußball verschrieben und der wurde (und wird zum Teil immer noch) in diesem Teil des Landes vornehmlich "Auf Asche" gespielt. So heißt dann auch die Single, die heute veröffentlicht wird und die mich (sb) schmerzlich an aufgerissene Oberschenkel nach etwas zu ambitionierten Tacklings zurückdenken lässt. Dann doch lieber musikalisch auf den roten Untergrund zurückkehren, der sowohl staubtrocken als auch matschig aufgeweicht eine richtige Drecksau ist.



Lion Sphere
Wir biegen ab Richtung Osten und schlagen in Berlin auf, um Lion Sphere kennenzulernen. A bisserl Funk, a bisserl Pop, a bisserl Feelgood-Atmosphäre und schon sehnt man sich den Sommer herbei. Bis dahin müssen wir uns mit der heute erscheinenden Single "Alice At Once" begnügen, Anfang Mai wird mit dem Debütalbum "A Moving Sun" nachgelegt. Dass Lion Sphere durchaus auch für die große Bühne taugen, haben die Berliner um Sänger Joel Montagud bereits im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen, als sie als Support mit den Mighty Oaks auf Tour waren.



I Am K
So, jetzt geht's in den hohen Norden, genauer gesagt nach Kristiansand in Norwegen. Von dort stammen I Am K und werden in ihrer Heimat aktuell sehr gehyped. Melodischer Pop trifft auf raffinierte elektronische Elemente und auch der ein oder andere rockige Part darf nicht fehlen, sodass das Debütalbum "Humans" (VÖ: 20.04.) zu keiner Zeit langweilig ist. Ganz im Gegenteil:I Am K werden ihrem Ruf mehr als gerecht und überraschen mit jedem einzelnen Track und zwar immer wieder von Neuem auf sehr positive Art und Weise. Die können es auch international schaffen, keine Frage.


 
The Streets
Wir setzen über auf die Insel - heute virtuell und im April dann tatsächlich, um The Streets zu erleben. Zwei luserlounger werden Mike Skinner demnächst live sehen und angesichts der neuen Tracks, kann man nur hoffen, dass The Streets auf ihrer Comeback-Tour hauptsächlich Klassiker spielen werden. Oder wie Fatoni zu sagen pflegt: "Oi, er ist kein Musiker, er ist ein Superheld - und es hilft auch nichts, dass mir sein neues Zeug nicht mehr so gut gefällt."
 
 
 
Dlé
Zu guter Letzt geht es nochmal zurück nach Deutschland und zwar in den Westen. Also richtig in den Westen, gaaanz, ganz tief. Genau: Nach Aachen. Denn dort, im Theater Mörgens sind Dlé endlich wieder zu sehen. Nach ihrem grandiosen Rap-Mystik-Epos Der Fluch der Tantaliden geht es nun ab in die Zukunft: Android Ergo Sum heißt der neueste Streich. Die Uraufführung und die ersten Präsentationen sind schon gelaufen. Welche Tücken in der Algorithmen-Dystopie so lauern wurde unter anderem in Westworld oder Black Mirror gezeigt. Dass das auch als HipHop-Theater-Performance gelingen kann, seht ihr mindestens an diesen drei Terminen in Aachen. Wir sehen uns!
 
14. April, 20 Uhr
22. April, 20 Uhr
29. April, 20 Uhr
 
 

Donnerstag, 22. März 2018

Editors - Violence

muenchenticket.de
(ms) Sie gehören definitiv zu den Großen der 00er-Jahre-Indie-Hochzeit dazu. Und das vollkommen zurecht. Was haben wir uns nicht zu Munich, Smokers Outside The Hospital Door oder The Racing Rats in den Armen gelegen voller Energie, Gefühl und Ergriffenheit. Na klar, die Rede ist von den wunderbaren Editors. Kennzeichnend war immer schon der druckvolle Klang, der so herrlich ausgefuchst und tiefgehend war. Dazu erstrahlt in jedem Lied die nah ans Herz gehende Stimme von Tom Smith. Er ist nicht nur ein wahnsinnig gut aussehender Kerl, sondern ein ebenso herausragender Sänger, der sein Publikum live allein am Klavier genauso in den Bann ziehen kann wie im vollen Rausch der verstärkten Gitarren. Die studierten Jungs aus Birmingham wussten einfach sehr geschickt, wie man einen Rocksong schreibt, der sich nah an der Perfektion bewegt. Auch die aufkommenden Synthesizer haben dem kein Abbruch getan, so war In This Light And On This Evening mit Hymnen wie Papillon oder Eat Raw Meat = Blood Drool erst gewöhnungsbedürftig, dann genial.
Und dann ist das geschehen, was man nicht erhofft hat. The Weight Of Your Love und das bis dato letzte Album In Dream waren leider nicht mehr so stark. Die Leidenschaft und der laute Druck, der sich nie so angehört aber angefühlt hat, waren nicht mehr da. Klar, einzelne Lieder hatten den ehemaligen Glanz, aber in Gänze war es Material, dass die Band schleichend vergessen ließ.

Bis jetzt!
Denn mit Violence ist den fünf Herren von der Insel ein Brett gelungen.
Die Energie ist zu spüren, die Liebe zur Musik ebenso gepaart mit einer erstaunlichen Aktualität in den Texten ist da. Die Gitarren sind zwar in ihrer klassischen Gestalt weiter in den Hintergrund gerückt, die mitreißenden Momente werden von verzerrten Keyboard und Synthie-Sounds erzeugt und gehen voll auf! Und das lediglich in neun Tracks, die von Leo Abrahams mitproduziert worden sind. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass Blanck Mass ihnen bei den elektronischen Parts geholfen hat. Dieser hat unter anderem beim Kveikur-Album schon mit Sigur Rós gearbeitet. Wenn man nun genau hinhört sind Ähnlichkeiten in einzelnen Takten zu erkennen, wenn weit im Hintergrund purzelnde Percussion durch die Lautsprecher rauschen.
Und wenn Tom Smith behauptet, dass ihnen diese Mischung aus bandeigenem Sound der ersten Alben und dem Hand zu Synthies noch nie so gut gelungen sei wie auf dem neuesten Werk, dann ist es ihm direkt mit dem ersten Hören zu glauben!

Der Opener Cold ist schon sehr klug gemacht. Pochend geht es los, klar die Stimme des Sängers. Ein persönlicher Text, der melancholisch anmuten mag, doch in der Klanggestalt gar nicht so daher kommt, ein schöner Kontrast. Mit Halleluja (So Low) gibt's das erste richtig große und bleibende Ausrufezeichen. Die zweite Single kulminiert in 3:55 so dermaßen viel Energie, dass es kaum auszuhalten ist. Die treibende Akustikgitarre wird im Refrain von heftig verzerrten E-Gitarren abgelöst, dass es nur so scheppert. Das muss bitte ganz laut aufgedreht werden. Man kann sich die Lichtshow, wenn es live zelebriert wird, schon in etwa vorstellen. Der Titeltrack kommt als astreiner Electro-Song um die Ecke und kommt in der zweiten Hälfte erst so richtig in Fahrt. Das macht richtig Bock! Bei Nothingness kann man auch drauf kommen, dass das Lied von SOHN stammt. Und das ist keine negative Kritik. Der Mut, den die Herren haben, sich so vom Sound ihrer ersten Alben zu entfernen, ist beachtenswert. Das heißt ja auch zum Glück immer noch, dass sie live die Klassiker spielen. Magazine ist eine gut gewählte Single, die alles mitbringt, um im großen Pop-Rock-Business durchzustarten. Dies wird noch verbunden mit einem guten politisch-gesellschaftlichen Text. Dass No Sound But The Wind dem einen oder anderen schon bekannt ist, liegt daran, dass er mal in den Twilight-Filmen lief. Nun gut. Mit dem Sechs-Minuten-Brett Belong wird der Hörer sanft aber bestimmt aus dem aktuellen, großartigen Editors-Album geschmissen.

Als langjähriger Fan war ich natürlich neugierig auf die Scheibe, habe allerdings nicht so viel erwartet, da In Dream ziemlich an mir vorbeigerauscht ist. Umso schöner, dass ein altes Feuer wieder entfacht worden ist.
Daher: Auf, auf zur aktuellen Tour!

24.03. - Münster, Halle Münsterland
25.03. - Köln, Palladium
31.03. - Hamburg, Mehr! Theater am Großmarkt
01.04. - Berlin, Tempodrom
02.04. - Leipzig, Haus Auensee
18.04. - Wien, Gasometer
20.04. - München, Tonhalle
21.04. - Zürich, Komplex 457




Freitag, 16. März 2018

KW 11, 2018: Die luserlounge selektiert!

Quelle: mrqt.net
(ms) Es gibt Situationen im Leben, die einen verrückt machen. Zum Beispiel wenn etwas so Ungeheures passiert, wie das Abbrechen der Nadel am Plattenspieler. Das ist am Mittwoch geschehen. Die auslösende Begebenheit war jedoch nach intensiver Gedanken- und Erinnerungsarbeit vor ein paar Wochen. Da legte ich mir des Abends schöne Musik auf, während ich dabei ein leckeres Getränk meiner Wahl genossen habe. Beim Drehen der Scheibe ist mir ein Unglück unterlaufen, das ich nun bedauere. Wahrscheinlich habe ich den Arm nicht wieder korrekt auf seine kleine Halterung gelegt, sodass er sich ein Mal verselbstständigt hat. Der Schaden, den er davon genommen hat, wird bei mir in Schmerz übersetzt. Nicht nur, dass ich derzeit das neue Editors-Album nicht auf Vinyl genießen kann, sondern der Preis des Ersatzteils mir Kopfschmerzen macht. Qualität hat halt seinen Preis. Ein abgegriffener und wahrer Satz.
Zum Trost meiner geschundenen Seele und zum Entdecken für Euch, haben wir Folgendes:

Mynth
Sie gehen auf Tour. Und das solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen. Denn die österreichischen Zwillinge Giovanna und Mario vereinen ihre Unterschiede, um daraus Kraft und Musik zu schöpfen. Wie? Unterschiede bei Zwillingen? Klar, die soll es auch geben. Marios treibende Energien werden durch Giovannas Ideen gebündelt und das bringen sie dann auf die Bühne. Ihr aktuelles Album Parallels ist etwas leichter als der Vorgänger, spielt aber immer noch herrlich mit den Arten des Electropop.

17.03. - Berlin, Kantine am Berghain
18.03. - Offenbach, Hafen 2 (Eintritt frei)
19.03. - Dresden, Altes Wettbüro
20.03. - Bayreuth, Sübkültür (Eintritt frei)
22.03. - Karlsruhe, Kohi
23.03. - München, Milla



Pöbel MC & Milli Dance
Ja, wir haben sie schon hier und dort gefeatured. Aber ihr Album Soli-Inkasso ist halt so gut, dass es sich lohnt, auch das vierte Video zu präsentieren. Das Spiel im Rap ist halt manchmal so unheimlich blöd und platt und stumpf und schwer zu begreifen, dass es sich lohnt darauf einen Abgesang zu intonieren. Das machen unsere beiden Lieblingsrapper aus Rostock und kommen damit nun auf Tour. Hingehen, hingehen, hingehen. Das ist ein Befehl.

22.03. - Hamburg - Hafenklang (ausverkauft)
23.03. - Magdeburg - Knast
24.03. - Leipzig - IfZ
07.04. - Köln - AZ
20.04. - Vechta - Gulfhaus
21.04. - Schwerin - Komplex
27.04. - Oberhausen - Druckluft
28.04. - Schwäbisch Gmünd - Esperanza
29.04. - München - Sunny Red
30.04. - Chemnitz - Atomino
04.05. - Lüneburg - Anna&Arthur
05.05. - Berlin - MenschMeier    



Chefket
Ein fein minimal gehaltener Beat ermöglicht es der neuen Single von Chefket schön textlastig zu sein. Gel Keyfim Gel hat als Gast niemand geringeren als Marsi-fucking-moto an Bord, der auch auf Türkisch ein paar Zeilen ins Mikro eingesungen hat. Was das jetzt genau heißt, wissen wir natürlich auch nicht. Aber wer fragt das nach bei jedem englischsprachigen, skandinavischen, französischen Lied? Eben. Einfach mal die Boxen aufdrehen und sich von den anatolischen Melodien mitnehmen lassen.

Donnerstag, 15. März 2018

Station17 - Blick

Quelle: 17rec.de
(ms) Als Rezensent von Musik steht man manchmal vor einem Dilemma. Dieses hier könnte eines sein, deren Gedanken weit über den Ottonormalkosmos der Branche hinaus geht. Eine wichtige Frage für eine Besprechung lautet stets: Was sind die Parameter, an der ich neue Musik messe? Was sind meine Grundpfeiler, an denen ich mich orientiere, um Material zu besprechen? Als Profi ist diese Frage sicherlich noch schwieriger zu beantworten als für uns Leidenschaftler. Denn wir sind von niemandem abhängig, bekommen für unsere Arbeit kein Geld, müssen nicht zwingend jemandem mit unserer Meinung gefallen. Auf der anderen Seite können wir auch viel schneller unseren liebsten Bands ganz voreingenommen begegnen und aus den Fingern eine Lobeshymne schreiben. Ein Verriss oder ein Candystorm bleiben gewissermaßen für unsere Arbeit folgenlos - eine etwas nüchterne Bilanz, aber okay.

Als professioneller Journalist, darf man eben nicht voreingenommen sein, muss objektiv und dennoch meinungsstark sein. Eine wunderbare Herausforderung an einen wunderbaren Beruf. Und damit sind wir mitten im Thema. Lange habe ich darüber nachgedacht, wie man der Zusammensetzung von Station17 begegnen soll. Möglichkeit 1: Ich höre mich in die Musik hinein, sammle Eindrücke und Bilder, die im Kopf entstehen und lasse sie mit sachlichen Informationen zu einer Rezension verschmelzen. Möglichkeit 2: Ich lasse mich vom Gewicht der Hintergrundinfos sanft leiten und ordne darin die Musik ein.
Warum dieses Gedankenspiel?
Station17 besteht aus Menschen mit und ohne Behinderung. Zack! Schon sieht man sich in einer sozialwissenschaftlichen Diskussion: Kategorisieren oder nicht? Welchem Gewicht lasse ich dieser Information zukommen? Blende ich es aus? Darf ich die Musik schlecht finden? Wäre das angemessen? Will ich gefallen mit dem Beitrag, um nicht als reaktionär zu gelten? Lobe ich es in dem Himmel, obwohl ich damit nichts anfangen kann? Ist mir die Diskussion zu fern und ich schreibe gar nichts mehr darüber? Halte ich das Projekt für sozialromantischen Quatsch und belächle es geringschätzig? Spreche ich von Inklusion oder von Diversität?

Herrje. All diese Fragen kann man jetzt beantworten, der schönen Platte Blick ein unangemessen schweres Gewicht beimessen oder einfach das tun, was man immer tut: Hören, reindenken, Gefühle sammeln, das ganze kanalisieren und versuchen passende Worte dafür zu finden.

47 Minuten, neun Lieder. Das macht über fünf Minuten im Schnitt, nicht übel. Damit wäre man beinahe beim aktuellen Editors-Album oder fast in den Sphären von Sigur Rós. Aber okay, das betrifft wirklich nur die Länge. Die Musik, der Klang hat weder mit den Briten noch mit den Isländen im entferntesten was zu tun. Bei Berichten über Station17 kommt schnell das Wort Krautrock um die Ecke. Für die Benutzung bin ich zu jung. Ich würde es als experimentellen Indierock mit Electropop-Elementen bezeichnen.
Bei jedem Lied ist ein Gast dabei, mal einzelne Personen wie Andreas Spechtl oder Andreas Dorau und dann Kollektive wie Schneider TM oder Datashock. Und genau so abwechslungsreich ist das ganze Album in Klang und Gestalt und Text. Einige sind etwas mysteriös (Der Schimmelreiter rückwärts), andere wieder auf angenehm leichte Weise unterhaltsam (Schaust Du). Es ist eine Platte, die den Hörer fordert, denn es ist kein einfaches Material, ab und an (z.B. bei Ein Knall) wird es auch mal sperrig beim Mix aus Gesprochenem und treibenden Beats. Das macht jedoch nach mehrmaligem Hören auch richtig Laune!
Da halt auch die Sänger variieren, klingt es wie eine Kompilation. Und genau das hat System, denn Station17 existiert seit enorm langer Zeit und seit jeher in wechselnder Besetzung. Seit 1990 wird unter dem Namen Musik veröffentlicht. Herrje, da wurde ich geboren! Umso einleuchtender, dass sie im Laufe der Zeit akribisch teilnehmende Beobachter des musikalischen Wandels sind.

All das schlägt sich auf Blick nieder.
Ein Album, das man am besten in Ruhe, dann aber laut aufgedreht und mit einem guten Tropfen genießen sollte. Es ist vielseitig, tiefsinnig, bunt und schön. Und da interessiert es auch irgendwann nicht mehr, wie die Musiker leben. Das, was sie geschaffen haben, ist große Klasse!
Blick ist am 9. März auf Bureau B erschienen.

Hier sind sie bald live zu sehen:

09.03.2018 - Berlin - Kantine am Berghain
16.03.2018 - Münster - Gleis 22
17.03.2018 - Ihrhove - Limit
24.03.2018 - Esslingen - Komma
25.03.2018 - Nürnberg - Z-Bau / Galerie
06.04.2018 - Hamburg - Kampnagel
05.05.2018 - Dortmund - DortBunt! Cityfest
10.05.2018 - Mainz - Schon Schön
11.05.2018 - München - Milla
19.05.2018 - Flensburg - Volksbad
26.05.2018 - Darmstadt - Centralstation
02.06.2018 - Dannenberg - Krautfest
09.06.2018 - Bergisch Gladbach - Zesamme Open Air
25.07.2018 - Oldenburg - KulturSommer
11.08.2018 - Süderstapel - Rock an der Eider
18.08.2018 - Braunschweig - Rock an der Wabe
13.09.2018 - Peine - Forum