Donnerstag, 25. Mai 2017

Nils Wülker -ON

Lässig in der Badewanne, da zerknittert der Anzug nicht. Foto: David Königsmann.
(ms) Bevor gleich jemand fragt, warum wir denn ein Jazz Album (im weitesten Sinne) rezensieren, muss für diese Musikrichtung dringend eine Lanze gebrochen werden. Jazz war in seinem Ursprung die (!) Musik der Schwarzen in den Staaten und bestach durch ungeheure Energie, Swing und purem Spaß am Spiel. Wer weiß, woran es lag: in den letzten Jahrzehnten hat der Jazz eine unfaire Degradierung erfahren und ist nur Fahrstuhlmusik verkommen, zum Gedudel nebenbei, wenn man in einem schönen Café sitzt. Der Groove, das Magische an der Musik ging verloren. Jeder Musiker, der schon mal Jazz gespielt hat (der Verfasser gehört dazu) weiß, wie unglaublich viel Spaß das ganze macht - und man(n) kann gut Frauen damit beeindrucken.
Beim Lanzebrechen ganz vorne dabei ist seit Jahren auch Nils Wülker, der kommenden Freitag über Warner sein neuntes Album veröffentlicht. Mit diversen Preisen im Gepäck dürfen die Erwartungen ruhig hoch sein. Diesen umgeht Wülker jedoch auf äußerst geschickter Weise, indem er den Musikstil mit dem Produzententeam The Krauts (u.a. Marteria) modifiziert. Dabei herausgekommen sind 12 Lieder, die alle zusammen auf den Namen "ON" hören.
Wichtig: Wer dieses Album nur nebenbei hört, ist - pardon - ein Banause, diese zwölf Stücke sind zum entdecken da. Wülker produzierte selbst und spielt Trompete, die er als seine Stimme nutzt und es macht Spaß seinem Gesang zu lauschen.
Beispiel "Trust": Ein smoofer, lässiger Sound lässt das Album mit leichten Percussions beginnen, die einsetzende Trompete verströmt den Charakter der Improvisation. Nach gut einer Minute setzt ein extrem entspannter Beat ein, der mit seinem satten Bass zum Kopfnicken einlädt. Zum Ende hin überrascht ein Bruch mit temporeichem Schlagwerg und Synthie-Klängen. Man ist geneigt, kurz aufzuschrecken: Das hier hat nichts mit Easy Listening zu tun, das ist einfach nur stark! So mündet ein ruhig gestarteter Song in einem mittelgroßen Feuerwerk.
Beispiel "Never Left It All": Als Ergänzung hat sich Wülker zwei Sänger mit an Board geholt. Der eine ist der Halbwiener Rob Summerfield, der bei diesem Stück singt, welches der Verfasser vor Kurzem schon im Radio zu hören bekam - von wegen Nischenmusik. Die Produktion von The Krauts macht sich hier stark bemerkbar, Jazz wird etwas entrückt und so entsteht hier ein lässiger Sommersong, in dem der soulige Gesang sich mit der Trompete herrlich abwechselt.
Beispiel "Five Arches": Stakkato-Trompete gepaart mit einem satten, geilen Bass-Schlagzeug-Arrangement schraubt das Niveau und die Qualität der Platte weiter nach oben und macht richtig Laune und man fühlt sich vom Anfangsgenre weit weg gerissen.
Beispiel "Change": Niemand geringeres als Marteria hat hier seine Stimme und seinen Text beigesteuert. Dieses krasse Aushängeschild braucht Nils Wülker eigentlich nicht, es fügt sich aber nahtlos in das Gesamtwerk ein und könnte ebenso gut ins neue Solo-Album des Rostockers einfließen.
Also, liebe Leser: Öffnet eure musikalischen Sphären und lasst dieses Album ertönen!






Hier spielt er demnächst live:

03.06.2017 - Hamburg, Elbjazz Festival
22.06.2017 - Ulm, Ulmer Zelt
12.08.2017 - Kassel, Kulturzelt
15.09.2017 - Regensburg, Leerer Beutel
16.09.2017 - Dresden, Tonne
17.09.2017 - Karlsruhe, Tollhaus
18.09.2017 - München, Ampere
19.09.2017 - Stuttgart, Bix
20.09.2017 - Münster, Hot Jazz Club
21.09.2017 - Herford, Musikkontor
22.09.2017 - Hannover, Jazz Club
23.09.2017 - Berlin, Quasimodo
18.10.2017 - Coesfeld, Theater Coesfeld
01.11.2017 - Köln, Stadtgarten
02.11.2017 - Hamburg, Mojo Club
04.11.2017 - Nordhausen, Nordhäuser Jazzfest, Theater
05.11.2017 - Darmstadt, Centralstation

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