Montag, 11. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen Nr. 11: Der versteckte Urlaub als Leitmotiv

lovebremen.de
(ms/nr) Das war es nun: Das erste richtig verschneite Adventswochenende; auch in den tieferen Lagen. Und mitten im Glühweingenuss ist Nicole mit westfälischer Wahlheimat und einem Stammplatz an dieser Stelle. Sie glänzte schon in den letzten Kalendern mit einer sehr geschmackvollen Auswahl im Jahresrückblick. Auch dieses Mal ist es nicht anders und sie teilt ihre Gabe des Sprachspiels. Dabei ist auffällig, dass sie an einem großen, blonden, nicht mehr jungen deutschen Musiker seit Jahren nicht wirklich vorbei kommt. Ab geht's:

Auftritt des Jahres 2017
Von wegen Lisbeth auf dem Open Flair 2017. Die Regenjacke durchnässt im prasselnden Regen, Gummistiefel im Matsch, bibbernde Finger: Das Open Flair in Eschwege hat uns in diesem Jahr mit reichlich unbeständigem Wetter empfangen. Nichtsdestotrotz haben wir gerade an den ersten Tagen ordentlich Gas gegeben, um uns warm zu halten und konnten sämtliche Herausforderungen wie einen Pavillon ohne Dach, einen zusammenstürzenden Pavillon ohne Dach und einen diebischen Paul vorzüglich meistern. Selbst als unser Lieblings-luserlounge-Redakteur a.k.a. Malte (ms) vorzeitig das Feld räumen musste, weil er keine trockene Kleidung mehr hatte und sein Handy zusätzlich in den Regenfluten ertrunken ist, sind wir stark geblieben, unter dem neu erworbenen Pavillon näher zusammengerückt und wurden belohnt: mit strahlendem Sonnenschein und dem besten Konzert des Jahres. Von wegen Lisbeth haben uns ordentlich eingeheizt. Obwohl wir nicht gerade textsicher waren, hat bei diesem Konzert alles gepasst. Die Band hatte Spaß, wir hatten Spaß, unsere Poolnudel hat eine Gang gefunden, Glitzer überall und danach eine neue Band in der Lieblingsplaylist. Mittlerweile können wir die Texte alle auswendig und die Fotos dieses absolut perfekten Festivaltages hängen in unseren Fotoalben.



Album des Jahres 2017:
Beatsteaks – Yours 
Nach dem ersten Hören war ich noch nicht hundertprozentig überzeugt. Im Podcast Road to Yours haben die Beatsteaks etwa zwei Monate lang auf das Album mit seinen ganzen Facetten vorbereitet und die Vorfreude wuchs. Am Release Day folgte zunächst Ernüchterung. Das sind nicht die Beatsteaks von früher. Aber scheiß drauf: Jeder einzelne Song wurde mit jedem Hören besser, einige zu richtigen Ohrwürmern, die den Kopf nicht mehr verlassen wollten. Besonders am Album ist die Vielfältigkeit der Stile, die Tribute der Beatsteaks an ihre Lieblingskünstler und die zahlreichen Produzenten, die mitgewirkt haben. DJ Sepalot von Blumentopf hat beispielsweise die Songs „No Surprises“ und „Come On And Get Some“ (meinen Lieblingssong auf dem Album) produziert. Darüber hinaus waren auch The Krauts (ein Produzententrio, das man von Stadtaffe von Peter Fox oder Marteria kennt), Brezel Göring von Stereo Total und Peter Fox himself als Produzenten am Start. Und diese Vielfalt lässt sich hören. Neben den deutschen Songs "L auf der Stirn" und "Abbadu", die Deichkind und Farin Urlaub als Gäste dabei haben, hat es auch der französische Song "Velosolex" mit Francoise Cactus als Gästin am Mikro mit auf die Platte geschafft. Resultat sind 21 Songs, die unterschiedlicher nicht sein können: Von ruhig über laut bis tanzbar ist alles dabei. Schade nur, dass die Beatsteaks ihr Konzert in Coesfeld absagen mussten. Dann hätten wir schon die Live-Tauglichkeit des Albums testen können. Aber so viel steht fest: Die Vorfreude auf die Festivalsaison mit den Beatsteaks im Line-up wächst.


Lied des Jahres 2017:
Kraftklub – Fenster 
Obwohl das neue Kraftklub-Album entweder total verrissen oder super gehypt wurde und eigentlich schon zum jugendlichen Mainstream zählt und ich die Crowd bei den Konzerten ziemlich anstrengend finde, gehört das Lied zu meinen Lieblingsliedern im Jahr 2017. Im Song stellen Kraftklub die Frage: „Hast du mal was zum Wohle des Planeten unternommen?“ Dabei rechnen sie ziemlich politisch mit Wutbürgern ab, die ohne kritisch zu hinterfragen einer falschen Ideologie folgen. Mein persönliches Highlight ist das Mitwirken von Farin Urlaub im Schlussrefrain. Während er im Lied „Schüsse in die Luft“ auf dem Album 2014 noch besungen wird, singt er nun selber mit. Da geht mir ja glatt das Herz auf.

Sonntag, 10. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 10: Gossau-fen Glory!


Bild: www.crn.com
(sb) Heute, Kinder, wird’s was geben, denn Florian aus Gossau im schönen Kanton St. Gallen beehrt mal wieder die Luserlounge und präsentiert Euch seine musikalischen Höhepunkte des Jahres. Mit dem Autor dieser einleitenden Zeilen verbindet ich nicht nur eine langjährige Freundschaft und das Geburtsjahr, sondern über weite Strecken auch ein recht ähnlicher Musikgeschmack – beste Voraussetzungen also für das zehnte Türchen unseres Adventskalenders.
 
 
Alben des Jahres:
 
Platz 3:                       Father John Misty - Pure Comedy
Der Amerikaner legte für mich das schönste englischsprachige Album des Jahres hin. Von Anfang bis Ende ein Hörgenuss.
 
 
 
Platz 2:                       Marteria - Roswell
Wenn von einer fünfköpfigen Familie vier Personen die Songs eines Albums mitsingen können, dann muss das Grosses bedeuten. Marteria lieferte mit „Roswell“ unser Familienalbum des Jahres. „El Presidente“ begleitete uns in den Familienurlaub nach Italien. „Scotty beam mich hoch“ tönte es am Montagmorgen am Frühstückstisch und „das Geld muss weg“ sang der Siebenjährige beim Einkaufen. Ach ja, ich bin überzeugt, auch der heute 13 Monate alte Sprössling wird in ein paar Jahren die Songs dieses „Klassiker“ auswendig singen können. Ganz ohne Familie geht es dann im nächsten Jahr ins Ostseestadion nach Rostock zum „El Classico“. Marteria spielt in „seinem“ Stadion. Riesen Vorfreude ist eine massive Untertreibung.
 
 
 
Platz 1:                       Faber - Sei ein Faber im Wind
Ihr kennt das. Man hört eine Stimme, einen Song und weiss sofort, „hey das ist was Besonderes!“. So erging es mir bei Faber aus Zürich. 2015 begeisterte mich sein Lied „Bleib dir nicht treu“ mit seinem ironischen Text. Die Vorfreude auf sein erstes komplettes Album in diesem Jahr war darum sehr gross. Ich wurde nicht enttäuscht. Faber lieferte mein persönliches Album des Jahres, mit grossartigen Texten und dieser unvergleichlichen Stimme. Es musste dann wohl noch so sein, dass ich Faber am Zurich Open Air im Publikum getroffen habe. Eine symphatische Begegnung mit Bier. Ich frage ihn, wie er auf einen solchen Text wie „Bratislava“ gekommen ist? Er antwortete „weil es sich eben genau so abgespielt hat“.  Man glaubt es ihm.
 
 
 

Songs des Jahres:
 

Platz 3:                       Trettmann - Grauer Beton
Ich finde ja, aus Deutschland kam dieses Jahr sehr viel tolle Musik. Das drückt sich auch in meinen persönlichen Top 3 Songs aus. Etwas vom Besten war Trettmann. Er legte mit #DIY ein ganz tolles Album vor. „ Grauer Beton“ ist darauf der beste Song.
 
 
 
 
Platz 2:           The War on Drugs - Holding on
A Deeper Understanding" , das Album von The War on Drugs lief bei mir in diesem Jahr rauf und runter. Der Song „Holding on“ steht beispielhaft für die grossartigen Songs auf dem Longplayer.
 
 

 

Platz 1:                       Lakmann - Gib mir nur einen Grund
Lakmann ist Jahrgang 1978, genau wie ich. Er gehört zum „alten Eisen“ in der deutschen Rap Szene.  Vielleicht verbindet uns derselbe Jahrgang und ich kann deshalb mit seinen Texten so viel mehr anfangen, als mit den Songs vieler neuen aufstrebenden Rap Künstlern. Der Song „Gib mir nur einen Grund“ beinhaltet einer der schönsten und wichtigsten Zeilen des ablaufenden Jahres. "Nur ein paar Flüchtlinge, und alle wollen raus hier / meine Kids sind draußen und spielen auch hier / noch kein' gesehen, der hier wird wie ein Raubtier / each one teach one - Menschen am Fließband / seh' ich sie an, seh' ich Seelen und kein' Dienstgrad / alles klar, man sieht sich unter Nachbarn / Salam alaikum, das wars von dem Lakmann."      
 
 
 
Tipp von Kids 2017:

Meine Kinder haben keine Ahnung wer oder was Moses Pelham ist. Sie kennen kein „Rödelheim Hartreim Projekt“ und sie kennen auch nicht die Casting Show in der Moses Pelham als Juror mitwirkt. Sie singen aber mit Begeisterung den Refrain von  Momomomomosespelham“.

 

 

Freitag, 8. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 9: Attic Giant 2.0.1.7.



Bild: https://es.123rf.com/
(sb) Im Mai bereicherte ATTIC GIANT die Musikwelt mit seiner großartigen Flush EP, die auf 200 Stück limitierte Vinyl-Edition ist ein wunderschönes Schmuckstück und auch die Besucher der anschließenden Konzerte in Österreich waren begeistert vom außergewöhnlichen und doch so ungemein eingängigen Sound. Heute blickt ATTIC GIANT-Mastermind Daniel Tischler zurück auf seine Höhepunkte des Musikjahres 2017.
Los geht’s:

"Beim Erstellen dieser kleinen Liste ist mir aufgefallen, dass ich mit meinen jeweils aktuellen Favourites und Entdeckungen offenbar zu einem Großteil immer mindestens um ein paar Jahre hinterherhinke. Ein paar Alben und Songs sind da aber im vergangenen Jahr nun doch dabei gewesen, die auch tatsächlich 2017 veröffentlicht wurden.


Alben des Jahres:

Platz 3:        Hovvdy – Taster
Vgl. „Geheimtipp für 2018“



Platz 2:        Sufjan Stevens – Carrie & Lowell Live
Es ist halt schwer möglich, eine solche Liste ohne Sufjan Stevens zu machen. Darum muss nun eben das – ja sehr wohl umwerfende – Livealbum zu Carrie & Lowell herhalten. (Etwas unorthodox für eine Jahresbestenliste, ich weiß, aber ich denke, mit Sufjan kann man das wohl bringen.)


Platz 1:        Fog Lake – Dragonchaser   
Meine unangefochtene Nr. 1 dieses Jahres. Eine sehr wichtige Sache, diese Band entdeckt zu haben; haben dann zu allem Überfluss im Frühjahr auch noch als Supportact in Wien gespielt –> ein wundervoll stranges Konzert. Aber viel wichtiger noch: Ein wie aus dem Ärmel geschüttelt fantastisches Album, von vorne bis hinten.

Songs des Jahres:

Platz 3:        Kegz – nightmovie                  
Kegz <3

Platz 2:        Flunkie. – Real People Having Fun                    
Eine Bandcamp/Youtube-Liebe, die auch über die Jahresgrenze hinaus noch Bestand haben wird.



Platz 1:        Big Thief – Shark Smile        
Auch 2017 kommt es also tatsächlich noch vor, dass es für einen großartigen Song nichts weiter als schlicht eines großartigen Songs bedarf. Love at first sight –> jede andere Nummer auf Platz 1 wäre gelogen.


Geheimtipp für 2018:

Hovvdy
Obwohl Hovvdy so „geheim“ nun auch nicht mehr sind. „Taster“ habe ich bereits sehr gemocht, der Song „Petal“ hat die Erwartungen für das kommende Album ja schon recht hoch gesetzt. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und wage, einen annähernd Cigarettes After Sex-haften Aufstieg zu prophezeien. Die einen oder anderen einschlägigen Pitchfork/etc.-Features sind dafür 2017 ja bereits da gewesen."


Und damit Ihr wisst, wie sich ATTIC GIANT anhört, gibt’s als Bonus noch das Video zu „IO“.


Adventskalender, Türchen Nummer 8: KW 49, 2017. Die luserlounge selektiert

Quelle: familiefreizeit.de 
(ms) Was?! Ein Drittel des Advents ist mit dem heutigen Tag schon vorüber? Von Glück können die sprechen, die weihnachtsgeschenkemäßig bereits unterwegs und gegebenenfalls auch erfolgreich gewesen sind. Habe tatsächlich gelesen, dass Menschen Weihnachtsmärkte meiden, weil die überlaufen sein. Wie, echt? Seit wann das denn?!
Da muss ich immer an einen guten Freund denken. Er und seine Familie schenken sich nichts gegenseitig. Ab und an spenden sie kleinere oder mittlere Beträge für gute Dinge. Das ist löblich. Statt der irren, übertriebenen und überteuerten Bescherung tun sich alle Familienmitglieder zusammen und bereiten ein gemeinsames Essen zu, das sich sehen lassen kann. An beseelenden Getränken mangelt es dann auch nicht. Der einzige Streit geht dann darum, ob die Nachspeise zu süß, der Hauptgang zu würzig oder genau richtig war.
Wir haben hier auch Schönes für euch:

Naked Lunch
Sechsundzwanzig Jahre sind Naked Lunch schon dabei herausragende Musik abzuliefern. Dass da größere oder kleinere Pausen bei entstehen, ist völlig normal. Nun sind sie wieder da mit einem neuen Lied: So Sad. Und nicht nur bei diesem Titel: Wer denkt, die beste melancholische, zerbrechliche, musikalisch brilliante Band zu kennen und nicht Naked Lunch nennt, ist ein Banause. So ist lediglich zu hoffen, dass in Bälde eine neue Langspielplatte veröffentlicht wird. Der Vorgeschmack zumindest ist intensiv:



Sam Vance-Law
Das wird groß, das wird wirklich groß!
Er war Geiger, Backgroundsänger und Entertainer bei Dear Reader und eine Hälfte von Traded Pilots. Nun ist Sam Vance-Law mit eigenem Album da! Mit dem großen Label Caroline im Rücken ist er bestens gerüstet, das nächste Jahr zu seinem zu machen. Die Platte Homotopia erscheint am 2. März und ist jetzt schon ein heißer Anwärter darauf, dass wir sie in den Rückblicken 2018 an dieser Stelle wiedersehen werden. Die zweite Auskopplung mit I Think We Should Take It Fast (sich einfach mal schnell abschleppen lassen) könnt ihr hier hören:



Orph
Einige Wege, die man als Musikhörer geht, kreuzen sich ab und an auf wundersame Weise wieder. Dazu gehört die Band Orph. Beim Reeperbahn Festival vor einigen Jahren habe ich mir ihr Debutalbum Poems For Kui gekauft, fand ich spannend und außergewöhnlich und ist dann leider irgendwo versunken. Beim Checken meiner Mails (wie das ja oft so ist) tauchen sie dieser Tage wieder auf. Und damit ein weiteres Album und Video und Livetermine: Stark!
Pyramid Tears Of Simba (VÖ: 9. Februar) heißt das Werk und gleichzeitig auch die erste Auskopplung. Es ist ein verträumter Mix aus Pop, Synthie, Experimental, Postrock, Weltall. Lasst es wirken, es lohnt sich. Hier kommen sie auf Tour:

11.01.18 Freiburg - Theaterbar
12.01.18 Karlsruhe - Kohi
13.01.18 Stuttgart - Café Galao
15.01.18 Reutlingen - Franz K
18.01.18 Berlin - Duncker Club
19.01.18 Rostock - Helga's Kitchen
20.01.18 Lübeck - Tonfink
25.01.18 Wien - B 72
27.01.18 Dresden - Kukulida
02.02.18 Weimar - Lichthauskino
07.02.18 Leipzig - Schaubühne Lindenfels
09.02.18 Jena - Trafo




Donnerstag, 7. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 7: Tim Neuhaus live in Bielefeld

Immerhin die Playlist. Foto: luserlounge
(ms) Da hat man für sich persönlich beschlossen, nicht mehr so viele oder halt gar keine Fotos mehr mit einer mittelmäßigen Smartphone-Kamera auf Konzerten zu machen, da wäre es gestern Abend schon interessant gewesen.
Warum?
Unser Adventskalender-Nikolaus Tim Neuhaus, der uns gestern seinen vertonten Jahresrückblick präsentiert hat, spielte gestern Abend mit Band in Bielefeld. Eine Stadt mit so viel Glamour wie die Konservenabteilung meines Supermarktes. Da jedoch Bielefeld-Bashing ganz billig ist, sollte zwingend erwähnt werden, dass es tolle Locations in dieser Stadt gibt. Dazu gehört definitiv der Bunker Ulmenwall. Es ist nicht nur eine der Pilgerstätten für Jazz in Deutschland, sondern auch schlichtweg eine großartige Idee einen ehemaligen Bunker in ein Kulturzentrum umzuwandeln. Was nun zusätzlich für Spannung sorgt ist, dass es keine klassische Bühne gibt vor der man steht. Viel mehr spielen die Musiker von den Besuchern umgeben in der Mitte des Bunkers: rechts Leute, mittig Band, links Leute. Und irgendwie dazwischen überall auch. Diese sonderbare Konstellation ist nicht nur als Zuschauer spannend, sondern auch für die Band.
Den Abend eröffnete die Niederländerin und spätere Keyboarderin bei Tims Band Iris Romen. Nach nur wenigen Takten hat sie die sitzenden, lauschenden Gäste überzeugen können; auf mehreren Wegen: 1. Ihre schöne Aussprache des Deutschen, 2. Viel Spaß, Freude und Witzigkeit und 3. Den fabelhaften Mix aus Chanson, Kate Nash und diversen Männergeschichten. Es wurde ihr mit viel verdientem Applaus gedankt.
Als Tim dann mit Iris, Fabian Holoubek, Florian Holoubek und Andreas Köcher an die Instrumente trat, staunte er auch über die Bauweise des Venues. Eine Band, die sich selbst beobachten kann und nicht nur nach vorne ins Publikum schaut, entwickelt sicherlich ein ähnliche Intimität und musikalische Gefühlswelt wie im Proberaum. Und Spaß hatten sie wirklich!
Wie auf dem Foto zu sehen ist, starteten sie mit Troubled Minds. Eine gute Wahl insofern, dass der Song viele der Tim-typischen Elemente vereint: Tempowechsel, Keyboard-Hooks und Mitsingparts. Letztere kamen jedoch unter anderem bei Forest Fire stimmungsvoll zur Geltung. Sie spielten eine gute Mischung aus älteren Liedern und vielen aus seinem tollen, aktuellen Album Pose I + II. Das gemeinsame Singen, das natürlich bei seinem Hit As Life Found You seinen Höhepunkt fand, hatte - man darf das ganz ohne Kitsch verstehen - etwas Schönes und Besinnliches. Man sollte mehr miteinander singen! So war schließlich nach 5 Weeks ein musikalisch feiner Abend viel zu schnell vorbei. Er klingt jedoch immer noch nach!

Hier ist die Band in den kommenden Tagen noch zu sehen - geht da hin:
07.12.17 - Heidelberg, Karlstorbahnhof
08.12.17 - Frankfurt, Brotfabrik
09.12.17 - Köln, Artheater
10.12.17 - Weiden, Die Sünde
11.12.17 - Wien. B72
12.12.17 - München, Ampere
13.12.17 - Leipzig, Kupfersaal
14.12.17 - Hamburg, Uebel & Gefährlich
15.12.17 - Oberhausen, Druckluft
16.12.17 - Bremen, Tower
17.12.17 - Berlin, Musik & Frieden



Mittwoch, 6. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 6: Der Nikolaus mit der Gitarre!

vignette.wikia.nocookie.net
(tn/ms) Kommt der Nikolaus auch durch den Schornstein ins Haus wie sein Vorgesetzter in achtzehn Tagen? Das ist eine interessant-doofe Frage, die ich im Zuge des heutigen Tages im Radio vernommen habe. Da jedoch an Nikolaus traditionell Schuhe vor die Tür gestellt werden (oder Socken aufgehängt), ist das nicht allzu wahrscheinlich.
Fakt: Der Nikolaus war ein barmherziger Bischof aus der Türkei. Kann man auch mal erwähnen.
Dieses ganze gestammelte Gefasel hat den einzigen Zweck unseren heutigen Gast lautstark anzukündigen. Denn Tim Neuhaus (Ja, genau der) ist gewissermaßen Stammgast in unserem Adventskalender, hat uns schon öfter auf sein Jahr zurückblicken lassen. Und wie das bei aktiven Musikern ist, sind sie meist viel breiter aufgestellt als wir. Tim Neuhaus ist gerade auf Tour mit seinem neuen Album Pose I + II, spielt später am Abend in Bielefeld. Im Sommer saß er wieder am Schlagzeug bei Clueso und wir sind sehr froh hier sein Best of 2017 zu präsentieren!

Top 3 Songs 2017:

The Tallest Man On Earth - Both Sides Now (Joni Mitchell)



Radiohead - Lift



King Krule - Czech One



Top 3 Alben 2017: 

(Sandy) Alex G - Rocket



Feist - Pleasure


Snail Mail - Live on Audiotree EP



Bestes Konzert 2017:
Käpt’n Peng & die Tentakel von Delphi beim Haldern Pop





Last but not least, Tim himself:

Dienstag, 5. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 5: Norway calling!



Bild: https://en.wikipedia.org/wiki/Kanal_5_(Sweden)
(sb) So, jetzt wird's international und dies ist vermutlich der erste Artikel in der luserlounge, der hauptsächlich auf Englisch erscheint. Heute präsentiert Euch Robin Mortensen von Apollon Records, der uns regelmäßig mit dem neuesten heißen Shice aus Skandinavien (in erste Linie aus Norwegen) versorgt, seine Top-Scheiben des Jahres 2017. Kennt Ihr irgendwas davon?
Nein? Dann wird's Zeit, denn es lohnt sich!

 
Alben des Jahres:

Platz 3:                
Major Parkinson - Blackbox (Karisma)
This excellent fourth album from these Norwegian is one of the most enigmatic, ambitious and grand album you will hear in 2017.    


 


Platz 2:                
The National - Sleep Well Beast (4AD)
The National, The US indie heroes are back, stronger than ever! Enough said!                



Platz 1:                
Susanne Sundfør - Music For People In Trouble (Bella Union)
This Norwegian Art-pop Goddess has finally got a deal with a big indie label (Bella Union) and then, of course, delivers her most uncommericial and personal album to date on her 5th album. It’s still excellent though. Check also out her song with Røyksopp (Running To The Sea), The Oblivion song she did with M83 and her 3 previous albums Ten Love Songs, The Silicon Veil & The Brothel. She should have been a big star (as she is in her native Norway).   

 
 
Songs des Jahres:

Platz 3:                
Waaktaar & Zoe - Beautful Burnout
Waaktaar is of course Pål Waaktaar from A-ha. This is probably one of the most overlooked song and albums (World of Trouble ( Drabant)) all year. Much better of any of A-ha’s latest releases and very different. Zoe is a young singer from New York. This song is highly recommended.


 
Platz 2:                
Trojka - Drømmeløs
From the album I Speilvendthet (Tik Records/ Apollon). The perfect match between pop and prog. Sung in Norwegian.                



Platz 1:                
Susanne Sundfør - Undercover



 
Geheimtipp für 2018:
I’m not finished with 2017 yet.


Montag, 4. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 4: Moop Mama live in Oldenburg

Keno und Rekless im kleinen Battle. Foto: luserlounge
(ms) Es geschah in einer mittelgroßen Stadt im Norden der Republik. Und es geschah am ersten Adventsabend. Doch viel weihnachtlicher wird es hier auch gar nicht mehr. Viel mehr wurde es eine riesige Party mit gut 700 Leuten in der Kulturetage Oldenburg. Das Livephänomen Moop Mama hat dort, fern ihrer bayrischen Heimat, ihr Abschlusskonzert der aktuellen Tour gespielt. In den furiosen Abend hat Roger Rekless eingestimmt. Den meisten Besuchern war er sicherlich unbekannt. Das wusste der Mann auf der Bühne bestimmt auch und hat es für sich genutzt. Seine Ansagen, die politischen und die, die die Stimmung aufgepeitscht haben, trafen das Herz direkt dort, wo die Leute es haben wollten: Direkt und geladen. Dabei hat er unfassbar viel Freude und Bock auf den Gig ausgestrahlt, dass es ihm mit viel viel viel Applaus gezollt wurde. Lieder über die Liebe und eine Hymne auf das Schlagzeug haben dem dann den Rest gegeben!
Der Übergang zum Hauptprotagonisten des Abends war fließend. Denn beim letzten Song von Roger Rekless haben Moop Mama schon - zur Überraschung mindestens zweier Musiker - die Bühne betreten und einen Vorgeschmack von der Energie hinterlassen, die dann gut zwei Stunden durchgefeuert wurde.
Nach einer kleinen Umbaupause betraten die Zehn erneut den Spielplatz und das mit der ruhigen, mahnenden Nummer Meermenschen. Vielleicht war es Kalkül, denn danach haben sie die Energie nicht mehr losgelassen. Die Spielfreude, die in allen zehn zu sehen war, nahm während des ganzen Gigs kein Ende. Das ist auch als Zuschauer ein tolles Gefühl. Dabei habe ich mich gefragt: Was überwiegt beim Tourabschlusskonzert?! Wehmut, dass es vorbei ist oder Freude, heute noch mal alles raushauen zu können?! Da wir nicht in ihre Köpfe gucken können, nehme ich an, dass es ein ausgewogener Mix aus beidem war, der den Abend zu einem standesgemäßen Fest verwandelt hat. Hits (Liebe, Erfindung des Rades etc.) und alte Nummern gingen dabei Hand in Hand und gaben keinen Grund mit dem Tanzen aufzuhören. Wäre es nicht ein Sonntagabend gewesen, wäre die Stimmung, die ohnehin berauschend war, noch besser (Stichwort: Nicht so verkatert zu Arbeit).
Als alter Konzerthase sind ja hinsetzen-auf-die-Hook-warten-und-wieder-springen-Aktionen super langweilig und beliebig geworden. Bei Alle Kinder hat das aber super funktioniert. Kniend, leise die Hände hoch zu schwingen war halt auch irgendwie lustig.
Dann war es irgendwie vorbei und die die Münchener Bläser-Rap-Kombo ließen die durchschwitzten Besucher mit einem großen Grinsen im Gesicht zurück: Was für ein spitzenmäßiges Konzert!
Hoffen wir also auf die kommende Tour und wünschen Moop Mama eine fröhliche Erholung dieser Reise.




Sonntag, 3. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 3: Berlin, Berlin, Berlin!

vignette.wikia.nocookie.net
(ms/ses) Einen schönen ersten Advent!
Nicht nur überhalb des Weißwurstäquators sondern auch in den generell niedrigeren Regionen dieses Landes hat es geschneit. Es ist weiß, weiß, weiß. Und das am ersten Adventswochenende, das hat es gefühlt lange nicht gegeben. Ohne kitschig zu sein, kann man unumwunden behaupten: Es ist einfach nur schön!
Höchste Zeit also andere Stimmen in unserem Kalender zu Wort kommen zu lassen. So gibt es heute den ersten Rückblick direkt aus der Hauptstadt. Der von Sven-Erik ist daher so interessant, weil er tief im Musikbusiness arbeitet, Bands betreut und daher einen viel breiteren Blick über dieses Feld hat als wir Amateurjournalisten und Möchtegernexperten. Wir sind ganz still und verneigen uns vor diesen Tipps, mindestens ein Mal reinhören ist absolute Pflicht hier!

Alben des Jahres 2017:

Platz 3: Kelela - Take Me Apart
Begründung: Vielschichtiges, oszillierendes, zugleich in die Vergangenheit und in die Zukunft des R&B erstreckendes Werk.



Platz 2: Grizzly Bear -Painted Ruins
Begründung: Zitat von Musikexpress: „So klingt der Folkpop, wenn er auf der Überholspur weiter beschleunigt.“



Platz 1: Mount Kimbie - Love What Survives
Begründung: Gewissermaßen die Essenz ihres bisherigen Schaffens.


Songs des Jahres 2017:

Platz 3: Little Dragon - Sweet
Begründung: Eine honigbeträufelte Dancefloor-Nummer, eingerahmt vom charakteristischen Gesang von Frontfrau Yukimi.


Platz 2: Django Django - In Your Beat
Begründung: Electro-Pop-Knaller. Mitreißend, pulsierend und innovativ.


Platz 1: Superorganism - Something For Your M.I.N.D.
Begründung: Mein Mindfuck des Jahres.


Geheimtipp für 2018:
Superorganism, Sudan Archives

Samstag, 2. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 2: Fettes Brot - Gebäck in the Days


(sb) Stell Dir vor, es ist nicht mehr 1996, sondern 2017, Deine Freundin ist seit über 20 Jahren weg(geblieben) und bräunt sich in der Südsee nicht nur, sondern hat ein neues Leben angefangen, sich weiterentwickelt und findet Deine berufsjugendliche Komik schon lange nicht mehr witzig, sondern eher anstrengend mit Tendenz zur Peinlichkeit. Und nein, sie ist auch nicht mehr allein, Dein Budget hingegen würde es Dir wahrscheinlich erlauben, die ganze Scheißinsel zu kaufen, auf der sie sich aufhält und damit das so bleibt, veröffentlichst Du jetzt ein Livealbum, das nun wirklich nicht sein müsste, obwohl (oder weil?) Du darauf langjährige Weggefährten und den besten deutschen Rapper featurest.

Ihr habt es sicher längst erkannt: es geht hier um Fettes Brot und ihre am 08.12. erscheinende Live-Retrospektive "Gebäck in the Days". Ich möchte gar nicht lange um den heißen Rührteig herumreden: ich musste mich tatsächlich an manchen Stellen zwingen, nicht zu skippen oder gar auszuschalten. Die Brote wirken heutzutage mitunter aus der Zeit gefallen und sind im Bereich der deutschsprachigen Rapmusik im Jahr 2017 schlicht und einfach irrelevant.

Foto: http://www.intro.de
Als Fan der (fast) ersten Stunde schmerzt diese Erkenntnis zwar kurz, doch dieses Album führt dem
Hörer eindrucksvoll vor Augen, dass es fast zwangsläufig schiefgehen muss, wenn Männer Mitte 40 Songs zum Besten geben, die sie mit Anfang 20 geschrieben haben und die genau diese jugendliche Unbeschwertheit thematisieren. Irgendwie gibt einem das das Gefühl, die Künstler seien stehengeblieben, zumal die Witzchen auf der Bühne denen frappierend ähneln, die man auch damals schon auf den Konzerten der Brote hörte.

Was soll ich sagen? Ich hatte eh schon wenig erwartet, aber meine Befürchtungen wurden mehr als bestätigt und so muss ich mich an die wenigen positiven Aspekte klammern, die "Gebäck in the Days" mit sich bringt:

  • Die Auswahl der Gäste ist stark: neben luserlounge-Liebling Fatoni dürfen auch Mighty, Tobi & das Bo, Gaze, DJ Rabauke, Heisses Eisen, BOY und Sven Regener (an der Trompete!) mitwirken. Das hat Stil.
  • Der Sound ist für ein Live-Album absolut herausragend. Klasse Aufnahme, super Balance, das Lautstärken-Verhältnis zwischen Künstlern und Publikum ist ideal.
  • Absolutes Highlight ist das Live-Mashup aus "Können diese Augen lügen" und dem BOY-Kracher "Little Numbers"! Hammer-Track, Ohrwurmpotenzial und, wenn ich ehrlich bin, der einzige Grund, die CD doch nochmal in den Player zu legen.

Der Rest dümpelt so vor sich hin, bei manchen Songs, die man einst witzig fand, ist mittlerweile Fremdschämen angesagt ("Meh' Bier", "Reimheitsgebot", "Frikadelle am Ohr"), selbst "Jein" zündet nicht und auch wenn sie es damals ironisch meinten, so treffen sie mit "Schlecht" den Nagel doch recht zielgerichtet auf den Kopf:

„Ich bin der Günther Strack des Raps, verkacke alle Gags
Statt Frauen zu erregen, errege ich Krebs
Ich trage schlechte Schuhe und ich trage schlechte Caps
Ich putze mir die Zähne nie, höchstens spül' die mal mit Pepsi. (Iiihhh!)
Ich stink' nach Vieh, denn ich dusch' mich nie
Manchmal bohr' ich auch 'n Loch und schütt' mir Milch ins Knie
Ein Witz ohne Worte, daß ist meine Schnute
Und wenn schon, nimm schlechte Attribute nicht Gute
Ich kann es dir ruhig sagen, wär' ich du, würd ich schlagen
Mich ins Gesicht und auch in den Magen
'ne Wasserleiche noch ist gegen mich 'n toller Hecht
Ich bin schlicht und einfach schlecht!



Freitag, 1. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 1: KW 48, 2017. Die luserlounge selektiert

mein-auwi.de
(ms) Let them know it's christmas time!
Alle machen einen Adventskalender, wir natürlich auch, denn: Tradition verpflichtet. In den letzten Jahren haben nicht nur wir als Menschen hinter der luserlounge gespannt darauf gewartet, was Freunde, Bekannte, Musiker und Insider zum jeweiligen Jahr zu sagen hatten, sondern auch als Fans und passionierte Hörer war es uns stets ein Fest. In den kommenden dreiundzwanzig Tagen legen wir alles daran, Euch täglich Lesenswertes zu bieten. Darunter fallen jedoch nicht nur Jahresrückblicke, sondern auch die ein oder andere Neuigkeit, Konzerterlebnisse, eben das, wofür wir stehen: Guter Geschmack garantiert! Falls Ihr noch Anregungen braucht, was bald unter dem Baum landen soll, haben wir wie jeden Freitag das Beste aus der Musikwelt zusammen getragen und dieses Mal freue ich mich persönlich total drauf, denn es wird gut, gut, gut!

Torpus And The Art Directors
Die kommende Tour war schon seit ein paar Wochen offiziell und die Tickets schon lange in Gedanken gekauft. In diversen Ankündigungen hat man auch von einem neuen Album gelesen. Doch gab es keinerlei Informationen zum Namen, Tracklist und Erscheinungsdatum. Das hat sich nun geändert. Und wie! Am Mittwoch kam alles auf einen Schlag. Die neue Platte der Nordlichter kommt schon in zwei Wochen (15.12) ans Tageslicht und hört auf den schönen Namen We Both Need To Accept That I Have Changed. Gestern haben sie als Vorband von Kettcar in Hamburg sicherlich die ersten neuen Sachen live präsentiert. Unter anderem auch schon die erste Single 4x7. Wir freuen uns! Hier geht's auf Tour:

01.02. Lübeck - Blauer Engel
02.02. Bordesholm - Savoy Kino
03.02. Münster - Gleis 22
04.02. Langenberg - KGB
06.02. Nürnberg - Club Stereo
07.02. Leipzig - Werk 2
08.02. Dresden - Ostpol
09.02. Berlin - Badehaus Szimpla
10.02. Hannover - Lux
14.02. Oberhausen - Druckluft
15.02. München - Ampere
16.02. Konstanz - Kulturladen
17.02. Freiburg - White Rabbit
19.02. Reutlingen - Indi(e)stinction @ FranzK.
20.02. Wiesbaden - Schlachthof
21.02. Köln - Artheater
22.02. Bremen - Tower
23.02. Hamburg - Knust
24.02. Husum - Speicher



Tour Of Tours
Es ist jetzt wirklich fast drei Jahre her, dass die Tour Of Tours unumwunden Menschen mit offenen Münden und höher schlagenden Herzen zum ersten Mal infiziert hat! Die Gruppen Town of Saints, Honig, Tim Neuhaus, Jonas David und Ian Fisher wurden eine große, zehnköpfige Band, die aus voller Kehle sangen, spielten, trommelten, Herzblut geschöpft haben! Ohne große Vorzeichen, passiert es kommendes Frühjahr wieder und sie schließen sich für fünf Konzerte erneut zusammen. Wenn man auch nur einen oder keinen der Involvierten kennt, ganz egal, der Kauf eines Tickets wird sich mehrfach lohnen. Hier spielen sie und bringen eventuell wieder einen neuen Song mit:

27.02.18 Münster, Sputnikhalle
28.02.18 München, Ampere
01.03.18 Köln, Gebäude 9
02.03.18 Berlin, Lido
03.03.18 Hamburg, Knust



Django Django
Die guten Neuigkeiten hören einfach nicht auf!
Ein wenig abseits des Indie-Folk-Gitarren-Pop bewegen sich Django Django (bitte nicht mit Django 3000 verwechseln). Die Synthies werden hier wieder bevorzugt genutzt. Und am 26. Januar erscheint ein neues Album der Briten. Es heißt Marble Skies und die zweite Auskopplung In Your Beat lädt verdammt noch mal zum Tanzen ein, wie passend es ist, dass das Wochenende vor der Tür steht. Kommendes Jahr sind sie dann auch hiesigen Bühnen live zu erleben, wird sicher ein Fest!

13.03. München, Strom
16.03. Hamburg, Gruenspan
17.03. Berlin, Festsaal Kreuzberg

Mittwoch, 29. November 2017

Live in Köln: Kettcar!

Kettcar im Gloria. Foto: luserlounge
(ms) Die Gerüche nach gebratenen Mandeln und billigem Glühwein der Kölner Weihnachtsmärkte sind zum Glück noch nicht in die Räumlichkeiten des Gloria eingedrungen. Zwischen Kölsch und Pils haben gestern Abend Kettcar und Fortuna Ehrenfeld gespielt. Die Hamburger sind derzeit auf Mini-Tour, spielen an vier Abenden hintereinander ihr aktuelles, neues Album Ich vs. Wir in kompletter Länge. Nach dem Auftakt am Montag in Berlin, Dienstag also Köln. Wer noch nicht im Gloria gewesen ist - ich war es zuvor auch nicht - dem sei versichert, dass es ein enorm schöner Club ist, in dem man sich sehr schnell sehr wohl fühlt. Das typische Kettcar-Publikum lässt sich als Spiegelbild der Band am besten charakterisieren: durchschnittlich relativ hohes Bildungsniveau, Akademikerkreise, okayes Einkommen und die Jüngsten sind sie auch nicht mehr. Daher: Stets angenehme Stimmung, kein Gedränge, genügend Platz für alle (700 waren es mindestens) und wie immer erschreckende Textsicherheit.

Pünktlich um 20 Uhr war jedoch erstmal Zeit für Martin, Paul und Jenny aka Fortuna Ehrenfeld oder die Frage: Wie geil kann man einen Abend einstimmen? Es ist nicht nur Konzert, es nicht nur Lied, Melodie, Stimme und Klang. Es ist auch Performance. Martin Bechler, Schreiber und kreatives Genie, natürlich stilecht in Schlafanzug und Puschelpuschen schreit, singt zerbrechlich, lacht sich kaputt. Dabei bewegt er sich zwischen Liebeslied (Hundeherz), Komik (Puff von Barcelona) und Gefühl (Zuweitwegmädchen). Die Zuhörer haben es ihnen mit fulminantem Applaus gedankt, als Ehrenfelder war es natürlich auch ein starkes Heimspiel. Große Klasse.
Kurze Umbaupause und dann wurde es wieder dunkel.
Entgegen den Erwartungen haben Kettcar nicht mit dem neuen Album angefangen, sondern das Publikum und sich erst einmal warm gespielt. Der Startschuss mit Balkon Gegenüber ist natürlich äußerst gut gewählt. Es kamen noch unter anderem Rettung und 48 Stunden, bevor das Besondere des Abend begann: Alle 11 neuen Songs am Stück! Viele Besucher konnten auch hier schon fehlerfrei mitsingen, die Hausaufgaben wurden also erledigt. Mit der Ansage, dass das Lied, welches am meisten Applaus bekommt, die dritte Single nach Ankunftshalle und Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun) wird, wurde es spannend. Im Nachhinein sollten Benzin und Kartoffelchips und Mannschaftsaufstellung sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.
Dabei war es in jedem Takt, zu jedem Song so wunderschön anzusehen, wie enorm viel Spaß die Fünf hatten. Lars und Christian scherzten herum, Erik ließ die Gitarrenriffs satt klingen, Marcus verlor sich im rockigen Sound und Raimer strahlte wie ein kleiner Junge voller Freude ins Publikum! Bemerkenswert: Sie haben nicht Balu gespielt. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Verfasser gestern auf seinem 19. Kettcar-Konzert war und dies wohl noch nie der Fall war. Irgendwie tat es dem Auftritt aber gut. Es war viel lauter, gitarrenlastiger, rockiger, kerniger. Mit Klassikern wie Deiche, Ich danke der Academy oder Kein Außen mehr verabschiedeten Kettcar dann die begeisterte Menge in den Abend. Marcus Wiebusch verharrte noch einige, wenige Momente auf der Bühne, kratzte sich am Kopf mit den Worten: "Köln. Das war sehr speziell heute Abend."
Ja, das war es!



Dienstag, 28. November 2017

Erdmöbel - Hoffnungsmaschine, neues Album, Weihnachtstour

Berges, Proppe, Holofernes, Maas, Wübben. Quelle: facebook.com
(ms) Leere. Nichts als gähnende, betonkalte Leere herrscht. Und das mitten in Köln, wo es an Ecken und Enden an bezahlbarem Wohlraum fehlt. Die Rede ist vom Ebertplatz, er liegt im innerstädtischen Norden und war ab den 70er Jahren ein lebendiger Treffpunkt für viele Menschen. Es tummelten sich Geschäfte, ein großer Brunnen in der Mitte und grüne Flächen drum herum waren magnetischer Anziehungsplatz für Anwohner und Verweiler. Das ist lange her.
Seit Jahren schließen Geschäfte, die Rolltreppen stehen still, abends ist es dunkel, Drogendealer haben den Ort für sich entdeckt, es gab körperliche Übergriffe und leider auch einen gewalttätigen Todesfall.  Die Stadtverwaltung: gelähmt. Und das paradoxerweise, denn Architekten und Bürgerinitiativen haben Vorschläge en masse, was man mit der tristen Betonfläche anfangen soll. Nach den jüngsten Ausschreitungen meinte die Stadt Mauern hochziehen zu wollen. So sieht also eine verwaltungstechnische Bankrotterklärung aus, die seit gut 30 Jahren nichts unternimmt.

Was für Außenstehende als Kölscher Klüngel klingt, ist für die An- und Bewohner ein Desaster. Was gebraucht wird ist klar: Hoffnung. Dafür verantwortlich sind: Erdmöbel. Die Band, die in direkter Nachbarschaft ihr Studio betreibt, hat dort ihr neustes Video gedreht: Hoffnungsmaschine heißt das Lied. Zusammen mit Judith Holofernes hätten sie kaum einen passenderen Titel einfallen lassen können. Die Tradition des Duetts wird somit weitergeführt. Die ehemalige Heldin reiht sich ein neben Desirée Nosbusch, Maren Eggert und Jemma Endersby. Schauspieler Ulrich Matthes war auch schon am Mikrophon zu hören!
Im Mittelpunkt: Ein Klavier. Das ist die Maschine, die Töne erzeugt und Melodien zum Leben, die im Kopf bleiben. Das natürlich in bester Erdmöbel-Manier mit schöner Basslinie und Texten von Markus Berges, die sich beim mehrmaligen Hören langsam erschließen. Überraschend hier: Die Kölner sind - eher zwischen den Zeilen als direkt - politisch am Werk und das zum obrigen Thema. Die Hoffnungsmaschine - This Machine Kills Fascists - ist nicht nur kitschbefreiter Wunderklang, sondern auch die erste Ankündigung zum neuen Album, das im Februar erscheinen wird. Es wird den Titel Hinweise zum Gebrauch tragen.
Musik hat also noch Macht, kann da wirken, wo man sich sonst die Augen reibt.
Möglichkeiten, erste Nummern aus dem neuen Werk zu hören, bestehen auf der traditionellen Weihnachtstour. Die führt hier entlang:

14.12.2017 - Mannheim, Theaterhaus G7
15.12.2017 - München, Milla
16.12.2017 - Berlin, Frannz
17.12.2017 - Hamburg, Knust
18.12.2017 - Köln, Kulturkirche
19.12.2017 - Köln, Kulturkirche

Hier der neue Song samt Video:

Freitag, 24. November 2017

KW 47, 2017: Die luserlounge selektiert

Quelle: drogg.com
(ms/sb) Heidewitzka, nervt diese Black Friday-Geschichte. Da kann sich der Buchhandel ja sehr glücklich schätzen, denn diese Branche unterliegt der Preisbindung, ein vertragliches Muss, dass Schnäppchen und Angebote unmöglich macht. Wie genau die Argumentation dahinter aussieht, weiß ich nicht. Sie sollte jedoch auch für die Musikwelt zu fordern sein. Bei unzähligen, willkürlichen Möglichkeiten werden CDs, EPs und Schallplatten reduziert feil geboten. Das gilt auch für Downloads. Streamingdienste hätten dann auch nichts mehr zu lachen, sie führten einen festen Betrag pro Stream ein und kein Abo. Würde das als Rückschluss den Musikerinnen und Musikern helfen oder schaden? Die Abschläge pro Stream sind ja eh schon so gering, dass es für die einen unerheblich ist und die anderen sich davon alle paar Wochen vielleicht mal einen Kaffee kaufen können. Naja. Genug in diesen wenigen Zeilen rumgenörgelt. Es gibt tolles Neues, was mit Klang, Melodie, Rhythmus und Gesang zu tun hat:

Kraków Loves Adana
Das wunderbare Duo aus Hamburg ist umtriebig, haben sie erst dieses Jahr ein wirklich schönes Album veröffentlicht. Nun steht das nächste schon bereit und wartet auf den 6. April. Denn an diesem Tag erscheint Songs After The Blue über das eigene Label Better Call Rob. Wie sich der Sound wohl entwickeln wird und ob die cineastische Grundhaltung wohl erhalten bleibt, kann man im heute erscheinenden Video zum Lied Amerian Boy sehen und hören. Selbstverständlich halten wir Euch auf dem Laufenden, wenn es Neuigkeiten von Deniz und Robert gibt.




Pete Astor
„Die Zeit vergeht. Das Leben geschieht. Menschen kommen, Menschen gehen. Manche Songs sind fröhlich, andere traurig, manche richten den Blick auf das Gestern und andere lächeln dem Morgen entgegen. Und überall: Geister. Eines Abends, bei einem Glas meines Lieblingsrotweins, habe ich im Andenken an vergangene Zeiten und Menschen ein zweites Glas genommen und ebenfalls eingeschenkt. Daraus hat sich eine Tradition entwickelt, und aus der Tradition ein Song und schließlich ein Albumtitel: One for the Ghost.“
Wer so die Entstehungsgeschichte zum eigenen, neuen Album in Worte fasst, macht auf sich aufmerksam. Und das obwohl Pete Astor schon lange dabei ist. Nichtsdestotrotz (was für ein schönes Wort!). Am 16. Februar erscheint One For The Ghost auf Tapete Records. Hier gibt's Vorab-Material für die Ohren:




Andreas Dorau
Es gibt eine Konzert-Reihe im Düsseldorfer zakk, die neugierig macht. Sie heiße Lieblingsplatte Festival und findet an sechs Tagen im Dezember statt. Dafür haben die Veranstalter Künstler eingeladen, die dort eines ihrer Alben in voller Länge spielen. Dieses Jahr ist neben Blumfeld und Mouse On Mars auch Andreas Dorau dabei, der am 12. Dezember sein Werk "Blumen und Narzissen" spielen wird. Dabei wird er nicht nur von Pyrolator (Sythies) und Die Marinas (Gesang) unterstützt sondern auch - ein richtiger Hit - von Die Liga Der Gewöhnlichen Gentleman! Dass die live stark sind, ist kein Geheimnis. Folgende Lieder werden also (mindestens) zu hören sein: Tulpen Und Narzissen, EinkaufJunger MannReisen Um Die WeltFred Vom JupiterNordsee, Ich Hab Das GlückErnstLokomotivführerAlter MalerArrivederci.
Andreas Dorau live im zakk am 12. Dezember!



Noel Gallagher’s High Flying Birds
Liam galt immer als der Rüpel, Noel als der begnadete Songwriter, doch spätestens mit den jeweils neuen Alben zieht Liam nun an seinem Bruder vorbei. Das liegt zum Einen daran, dass As You Were tatsächlich ein solides Album ist, zum Anderen aber vor allem daran, dass Who Bulit The Moon? sich in Rekorgeschwindigkeit eine hervorragende Position im Kampf um den Titel "Enttäuschung des Jahres" gesichert hat. Das ist ja mal echt gar nix! If Love Is The Law ist noch einer der besseren Songs - und das mag was heißen...



PS.: Im aktuellen ZEITmagazin gibt es mit beiden je ein Interview!

Montag, 20. November 2017

Waving The Guns, Haszcara, Cheddar Mike & MDMH im Nr. z.P., Bielefeld!

Waving the Guns. Quelle: backspin.de
(ms) Die Antifa-AG der Uni Bielefeld feierte Geburtstag am Samstag: 20 Jahre! Das musste natürlich anständig zelebriert werden; wir sind Zeugen dessen, dass es auch sauber umgesetzt worden ist. Im sehr schönen Club Nr. z.P., in dem nun anscheinend auch die Lüftung funktioniert, luden sie musikalische Gäste auf die Bühne ein, die einen punchlinestarken Abend abzuliefern. Verantwortlich dafür waren: MDMH, Cheddar Mike, Haszcara und Waving the Guns.
Da die alle miteinander verbandelt sind, haben die ersten beiden die Sause eröffnet und das sprachgewaltig zu vielen Beats von Doctor Damage (WTG). Die erst noch etwas zurückhaltende Crowd kam schnell auf Betriebstemperatur und spätestens bei Haszcara waren alle dabei. Die Rapperin aus Göttingen hat nicht nur Songs aus ihrer Roter Riese-EP zum besten gegeben, sondern auch andere Perlen, die zum mitsingen animierten (Kein Problem, kein Problem...).
Richtig heiß wurde es schließlich, als Admiral Adonis und Milli Dance - wie immer maskiert - die Bühne betraten. Waving The Guns scheinen mittlerweile einen so guten Bekanntheitswert erreicht zu haben, um den Club auszuverkaufen. Ohne Umschweife: Es gab Hits, Hits, Hits! Dabei hatten sie merklich Probleme mit den Geschicken an den Turntables. Ein paar wenige Lieder wurden auf anderen Beats als vorgesehen formvollendet; das schmälerte jedoch nicht die anhaltend gute Stimmung auf und vor der Bühne. Und spätestens seit Samstagabend ist klar, dass Gartenzaun so ein massiv geiler Song ist, dass der Verfasser am Tag danach immer noch keine passenden Worte dafür findet. Die 200 Gäste haben es mit viel und lautem Applaus honoriert: vollkommen zurecht!
Waving The Guns live: ein absolutes Brett!